Im Rahmen der evidenzbasierten Medizin gibt es das Bestreben, für jedes therapeutische Vorgehen eine möglichst präzise wissenschaftliche Grundlage zu schaffen. Dazu werden klinische Studien mit Patienten und/oder gesunden Probanden durchgeführt. Für eine präklinische Wirkung und eine klinische Wirksamkeit der Homöopathie gibt es ausreichend Belege.
Hier bieten wir ihnen einen Überblick über nationale und internationale Forschungsergebnisse und wissenschaftliche Fakten zur Homöopathie.
Einen schnellen guten Überblick bietet auch die Zusammenfassung der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (WissHom):
Homöopathische Einzelmittel unterscheiden sich grundlegend von Komplexmitteln. In der Zusammensetzung und auch in der Anwendung! Während die klassische Homöopathie mit homöopathischen Einzelmitteln arbeitet, sind Komplexmittel vor allem in der Selbstmedikation sehr beliebt.
Homöopathische Einzelmittel
Einzelmittel werden – wie der Name schon sagt – aus einem einzigen Ausgangsstoff hergestellt. So wird für das Arzneimittel Lachesis muta ausschließlich das Gift der Buschmeisterschlange als Ausgangssubstanz verwendet. Beim Einzelmittel Ferrum phosphoricum ist es Eisenphosphat. Verwendung finden homöopathische Einzelmittel vorwiegend in Form von Globuli. Es gibt aber auch Dilutionen (Tropfen), Tabletten oder Salben und für den ärztlichen Gebrauch Ampullen. Man unterscheidet Niedrigpotenzen ( ) und Hochpotenzen. Einzelmittel sind bei unkomplizierten Akuterkrankungen für die Selbstmedikation geeignet . Allerdings setzt dies einiges an Kenntnissen in der Homöopathie voraus. Diese werden unter anderem in Vorträgen durch den Patientenverein „Homöopathie hilft“ vermittelt.
Homöopathische Komplexmittel
Im Gegensatz zu homöopathischen Einzelmittel bestehen Komplexmittel aus einer Kombination von Einzelmitteln deren Arzneimittelbilder einander ergänzen. Einige beinhalten auch sogenannte Potenzakkorde. Das heißt, dass sie von ein und demselben Ausgangsstoff unterschiedliche Potenzen enthalten. Homöopathische Komplexmittel wurden von erfahrenen Homöopathen sorgfältig zusammengestellt. Sie werden im Gegensatz zu Einzelmitteln nach Indikation verordnet. D.h. die Suche nach dem Simile – dem Arzneimittelbild, das dem Krankheitsbild am ähnlichsten ist – entfällt. Sie eignen sich daher besonders gut für die Selbstmedikation. Komplexmittel gibt es in Form von Tabletten, Tropfen, Salben oder Gels, Nasensprays, Globuli und eher selten als Zäpfchen.
Homöopathische Einzelmittel gehören im Normalfall in die Hand eines Arztes mit Zusatzausbildung Homöopathie. Das gilt insbesondere für Hochpotenzen. Warum? Weil das richtige Einzelmittel gar nicht so leicht zu finden ist: Ausgewählt wird es nach einer genauen Anamnese gemäß der Ähnlichkeitsregel. Das heißt, die Leitsymptome des Krankheitsbildes und des Arzneimittelbildes müssen sich weitgehend decken. Das ist für den Laien oft schwierig, da es ein ganz besonderes Maß an Selbstbeobachtungsgabe erfordert.
Eine Ausnahme bilden die sogenannten „Bewährten Indikationen“. Dazu zählen unter vielen anderen Beschwerden unkomplizierte Erkältungen mit Husten, Schnupfen oder Halsschmerzen. Trotzdem muss das richtige Einzelmittel aus einer Liste von möglichen Hauptbeschwerden gewählt werden. Einen guten Überblick bietet die Datenbank „Bewährte Indikationen“ der Initiative „Homöopathie hilft!“.
Wann sollte man zum Homöopathen?
Es ist ganz klar: Kaum jemand geht heutzutage wegen eines kleinen Schnupfens, oder geringfügigen Verdauungsbeschwerden zum Arzt. Die Gefahr, sich im Wartezimmer mit weiteren Krankheiten anzustecken und die oft langen Wartezeiten beim Hausarzt sprechen für die Selbstbehandlung. Doch tritt nach wenigen Tagen keine Besserung der Beschwerden ein oder sollte sich die Krankheit verschlimmern, muss unbedingt ein Arzt konsultiert werden. Eine Liste von Ärztinnen und Ärzten mit Zusatzausbildung Homöopathie finden Sie auf der Website der Österreichischen Gesellschaft für homöopathische Medizin oder der Website der ÄKH.
Quellenkritisch übersetzt und bearbeitet von Frank Seiß ist „der Phatak“ das Standardwerk der modernen Homöopathie. Der indische Homöopath S.R. Phatak hat über 400 Arzneimittelbilder prägnant und zuverlässig zusammengestellt und wird weltweit dafür geschätzt.
Im Rahmen der evidenzbasierten Medizin gibt es das Bestreben, für jedes therapeutische Vorgehen eine möglichst präzise wissenschaftliche Grundlage zu schaffen. Dazu werden klinische Studien mit Patienten oder gesunden Probanden durchgeführt. Für eine präklinische Wirkung und eine klinische Wirksamkeit der Homöopathie gibt es ausreichend Belege. Die Studienlage zur Homöopathie ist deutlich besser, als vielfach angenommen wird. Klare Hinweise für eine Wirksamkeit über den Placebo-Effekt hinaus liegen vor.
Homöopathie als evidenzbasierte Medizin
Die moderne Evidenzbasierte Medizin (EbM) stützt sich gemäß Definition durch den Begründer der modernen Evidenzbasierten Medizin, David Sackett, auf drei Säulen: die klinische Erfahrung der (Tier-)Ärzte, die Werte und Wünsche der Patienten und den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung. Den Nachweis für die Wirksamkeit einer Therapie liefern klinische Studien. Der Frage, ob die Homöopathie den Regeln der evidenzbasierten Medizin entspricht, ist die Wiener Ärztin Dr. Melanie Wölk in ihrer Masterarbeit an der Donau Universität Krems auf den Grund gegangen. Die Medizinerin forschte nach hochqualitativen Studien mit Evidenzgrad Ia und Ib, welche die Wirksamkeit der Homöopathie nachweisen.
Das Ergebnis ihrer Forschung ließ keinen Zweifel: Die Homöopathie erfüllt alle Kriterien der evidenzbasierten Medizin. Die Allgemeinmedizinerin ist genau wie andere namhafte Wissenschaftler wie Prof. Matthiessen und andere der Meinung, dass die Diskussion über die Existenzberechtigung der Homöopathie nicht auf einer vorurteilsfreien und fairen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Thematik beruht, sondern ein irrationaler und höchst emotionaler Streit um Weltbilder sei. Prof. Matthiessen formuliert noch deutlicher: „Angesichts fehlender Plausibilität zu den Wirkprinzipien der Homöopathie ist es Mode geworden, deren therapeutische Wirksamkeit in Abrede zu stellen, obwohl die hierzu publizierte Evidenz für eine Wirksamkeit spricht. Dennoch werden als Ausdruck von Ignoranz oder einer bewussten Stimmungsmache gegen die Homöopathie wissenschaftliche Fehlinformationen lanciert.“
Signifikante Wirksamkeit von individualisierter Homöopathie
In einer 2014 von MATHIE et al. durchgeführten Review inklusive Metaanalyse wurde die Hypothese, dass sich das Ergebnis einer individualisierten homöopathischen Behandlung mit homöopathischen Arzneimitteln von einer Behandlung mit Placebos unterscheiden lässt, überprüft. Dabei konnte eine signifikante Wirksamkeit für Homöopathie im Vergleich zu Placebo gefunden werden.
Erst vor Kurzem untersuchte MICHAEL, J. et al in einer randomisierten, kontrollierten, doppelblinden Studie die Wirksamkeit von Homöopathie bei Schlafstörungen. Beschwerden dieser Art sind häufig und gehen oftmals mit einer Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit unter Tags und einer verminderten Lebensqualität einher. Durch die Studie konnte herausgefunden werden, dass die Unterschiede zwischen der mit individualisierter Homöopathie behandelten Gruppe und der Vergleichsgruppe, die Placebo erhielt, deutlich ausfielen: Die Homöopathie zeigte gegenüber Placebo eine signifikante Wirksamkeit.
Erst die internationalen Forderungen von Wissenschaftlern, Patientenverbänden, Ärzte-, Tierärzte- und Pharmazeutenvereinigungen führten dazu, dass der NHMRC die Erstversion des Reports, trotz langer Verweigerung, der Öffentlichkeit zugänglich machte.
Überlegenheit der Homöopathie gegenüber Placebo
Am renommierten Wiener AKH wurde eine randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie an Intensivpatienten mit schwerer Sepsis, einer sogenannten Blutvergiftung, durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass eine zweimal tägliche Gabe eines klassischen homöopathischen Arzneimittels in der Potenz C200 zusätzlich zur konventionellen Therapie deutliche Vorteile mit sich brachte. Am Tag 180 war die Überlebensrate in der homöopathisch behandelten Gruppe statistisch signifikant höher als in der Placebogruppe.
Klinisch relevante Verbesserungen durch Homöopathie
Eine 6-jährige Beobachtungsstudie des britischen National Health Service machte es sich zur Aufgabe die gesundheitlichen Veränderungen von chronisch erkrankten Patienten, die sich in homöopathische Behandlung begaben, zu beurteilen. Es zeigte sich, dass die homöopathischen Ansätze einem erheblichen Anteil der Patienten klinisch relevante Verbesserungen brachten.
Hinreichende Belege für den Nutzen der Homöopathie
Die Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) kommt durch die zahlreichen Studien in ihrem Fazit zu einer klaren Aussage: : „Eine zusammenfassende Betrachtung klinischer Forschungsdaten belegt hinreichend einen therapeutischen Nutzen der homöopathischen Behandlung. Die Ergebnisse zahlreicher Placebo-kontrollierter Studien sowie Experimente aus der Grundlagenforschung sprechen darüber hinaus für eine spezifische Wirkung potenzierter Arzneimittel.“
Immer wieder bezweifeln Kritiker die Wirksamkeit der Homöopathie oder setzen sie sogar mit Placebos gleich. Es werden stichhaltige Beweise für die Wirkung in Form von Experimenten und klinischen Studien gefordert, ohne sich der Lage bewusst zu sein, dass es bereits über 4.000 davon gibt. Die medizinische Evidenz homöopathischer Arzneien konnte somit hinreichend belegt werden. Darüber gilt es, umfassend aufzuklären und Bewusstsein zu schaffen.
Wirksamkeit per Se wird durch Studien nicht bewiesen
Prinzipiell kann weder die Wirksamkeit von homöopathischen Arzneimitteln noch von klassischer Schulmedizin durch Studien bewiesen werden. Doch sind viele Kritiker aufgrund von mangelnder Erfahrung hinsichtlich der Homöopathie weitaus skeptischer eingestellt, als gegenüber der Schulmedizin.
Daher fordern diese immer wieder einen Beweis für die Wirkung von Homöopathie. Ein richtiger Nachweis, wie man es von der Mathematik oder der Physik kennt, ist in der Medizin und der Homöopathie allerdings schlichtweg nicht möglich.
Klinische Studien werden in der Regel durchgeführt, um auszuschließen, dass es sich bei einer bestimmten Wirkung nur um einen Zufall handelt. Hierbei werden die Auswirkungen eines Medikaments auf den Patienten mit den Auswirkungen eines Placebos verglichen. Ein signifikantes Ergebnis deutet darauf hin, dass ein Medikament wirksam ist. Jedoch handelt es sich hierbei nur um eine statistisch gestützte Annahme. Es wird ein Hinweis auf Wirksamkeit festgestellt, dieser kann jedoch nicht als Beweis für eine generelle Wirksamkeit herangezogen werden.
Die Ergebnisse von Studien sind immer abhängig von den Studienbedingungen. Alter, Geschlecht, Krankheiten der Probanden und viele weitere Parameter haben Einfluss auf das Ergebnis. Des Weiteren sollte nie außer Acht gelassen werden, wie eine bestimmte Studie finanziert wurde. Da besonders hinter klassischen Arzneimitteln große Pharmakonzerne stehen, die durchaus Interesse an der Wirksamkeit ihres Produktes haben, sollten Studienergebnisse immer kritisch und reflektiert betrachtet werden.
Der Mensch ist ein lebender und sich stetig verändernder Organismus. Keiner gleicht dem anderen und somit ist auch die Reaktion auf Arzneimittel nicht für jeden Menschen generalisierbar. In der Medizin steht daher auch das „richtige Handeln“ im Vordergrund.
Durch medizinische Evidenz wird das Handeln am Patienten wissenschaftlich begründet. Es bezieht sich hierbei auf die ärztliche Urteilskraft, das Abwägen aller Befunde, Beobachtungen und Daten, um eine Diagnose und Handlungsempfehlungen festzustellen. Medizinische Evidenz ist der Hinweis, dass etwas eine Wirkung hat, jedoch nicht der Beweis dafür.
Die Anwendung von evidenzbasierter Medizin erfordert nicht nur ärztliche Urteilskraft, sondern auch ausreichende Erfahrung im bestimmten Therapiegebiet. Nur wer sich mit der Anwendung von Homöopathie umfassend und intensiv beschäftigt, ist in der Lage, die medizinische Evidenz zu beurteilen. Die praktische Erfahrung mit evidenzbasierter Medizin gilt als essentielle Bewertungsgrundlage.
Nachweisbarkeit
Viele Studien weisen schon seit langem auf die Wirkung von homöopathischer Arznei hin. Die Gesamtheit der gesammelten Daten und Studien zeigt, dass die medizinische Evidenz von Homöopathie stetig zunimmt. Ein wissenschaftlicher und stichhaltiger Beweis für die Wirkung von Arzneien, wie es von kritischen Stimmen gefordert wird, ist weder in der Schulmedizin noch in der Homöopathie möglich.
Belege sind ausreichend
Um mit dem Vorurteil, „homöopathische Arzneimittel weisen keine klinische Wirkung auf“, ein für alle Mal aufzuräumen, untersuchte der unabhängige schwedische Forscher Professor Robert Hahn die aktuelle Studienlage der Homöopathie nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin. Die umfangreiche Analyse gelangte zu dem Schluss, dass „nur“ 90% aller homöopathischen Studien ausgeschlossen oder wissenschaftlich nicht haltbare Methoden angewendet werden müssen, um zum Schluss kommen zu können, dass Homöopathie beim Menschen nicht wirksam sei. Seine Ergebnisse wurden 2013 in der Zeitschrift „Forschende Komplementärmedizin“ veröffentlicht.
Durch die stetige Zunahme der Evidenz der Homöopathie erhöhte Hahn diese Zahl im Jahr 2016 um weitere 5%. Es kann demzufolge davon ausgegangen werden, dass Arbeiten, die Homöopathie als Placebo abstempeln, über 95% aller Studien bei der Erkenntnisgewinnung außer Acht lassen.
Die Deutsche Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie veröffentlichte 2016 einen Reader, welcher die Erkenntnisse von Hahn noch weiter untermauert: In einem 56-seitigen Bericht wurde der aktuelle Forschungsstand zusammengefasst. Hier konnte der therapeutische Nutzen der Homöopathie und auch die Wirkung von Hochpotenzen nachgewiesen werden. Metanalysen zeigen eine deutlich bessere Wirkung homöopathischer Arzneimittel im Vergleich zu Placebo.
Klinische Studien
Hinweise auf die Wirksamkeit von homöopathischen Arzneimitteln liefern auch klinische Studien. Unter anderen führte Univ.-Prof. Dr. Michael Frass, Facharzt für Innere Medizin am Wiener AKH und Leiter der Spezialambulanz „Homöopathie bei malignen Erkrankungen“, zwei Studien durch:
Eine dieser Studien untersuchte die Wirkung von Homöopathie bei schwerkranken Sepsis-Patienten. Es handelte sich um eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie. Insgesamt wurden 70 Sepsis-Patienten, die auf der Intensivstation behandelt wurden, untersucht. Die Hälfte der Patienten bekam – zusätzlich zur schulmedizinischen Behandlung – ein homöopathisches Arzneimittel verabreicht, während die andere Hälfte ein Placebo erhielt. In der Experimentalgruppe überlebten 75,8% der Patienten 180 Tage, während in der Placebogruppe hingegen nur 50% diese Zeit überlebten. Dieses Ergebnis ist statistisch signifikant.
Auch bei der zweiten Studie von Prof. Frass handelt es sich um eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie. Hierbei wurde erforscht, wie sich eine homöopathische Arznei auf die Extubation von Patienten auswirkt. 50 Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung, die künstlich beatmet wurden, fungierten hierbei als Probanden. Sobald diese wieder selbstständig atmen konnten, verhinderte zu viel Schleim in der Luftröhre das Entfernen des Beatmungsschlauchs. Die Hälfte der Patienten bekam zusätzlich zur routinemäßigen Behandlung ein homöopathisches Arzneimittel verabreicht, während die andere Hälfte ein Placebo einnahm. Gemessen wurde die Menge von Sekret bzw. Schleim in der Luftröhre ab dem 2 Tag der Verabreichung ebenso wie der Zeitpunkt einer erfolgreichen Extubation und die Länge des Aufenthalts im Krankenhaus. Durch die Anwendung von Homöopathie konnte der Schleim schneller vermindert werden als bei der Placebogruppe. Während die Experimentalgruppe die Intensivstation nach durchschnittlich 4,2 Tagen verlassen konnte, waren es bei der Placebogruppe im Durchschnitt 7,7 Tage. Auch dieses Ergebnis war statistisch signifikant.
Diese Studie von Prof. Frass wurde mit Kalium bichromicum C30 durchgeführt. Insbesondere das Resultat, dass sich der Schleim im Hals bei den Patienten, die das homöopathische Mittel bekamen reduzierte, lässt auf den positiven Effekt dieses homöopathischen Arzneimittels bei COPD-Erkrankungen schließen.
Experimentelle Studien
Besonders die Wirkung von Hochpotenzen wird von Kritikern gerne angezweifelt bzw. als nicht vorhanden gesehen. Univ.-Prof. Claudia Witt hat an der renommierten Charité Universitätsmedizin Berlin ein systematisches Review über 67 homöopathische in-vitro-Experimente mit verschiedenen Blutzellen und Zellkulturen durchgeführt und fand dabei positive Ergebnisse: Es zeigte sich, dass 73% der Experimente Wirkungen von Hochpotenzen zeigten, die „keine Moleküle“ der ursprünglichen Wirkstoffe mehr enthielten. 33% der Experimente wurden zudem durch unabhängige Forschergruppen wiederholt worden und stolze 75 % dieser Wiederholungen zeigten positive Ergebnisse. Die Wirkungen von „Hochpotenzen“ sind demzufolge wissenschaftlich nachweisbar. Die Ergebnisse von Prof. Claudia Witt wurden von Jürgen Clausen grundsätzlich bestätigt. Clausen berichtete über 1.500 experimentelle Studien, die 2011 in der HomBRex-Datenbank der deutschen Carstens-Stiftung registriert waren: 830 dieser 1.500 Forschungsarbeiten untersuchten Hochpotenzen mit Verdünnungen „jenseits der Loschmidt’schen Zahl“ (= homöopathische Arzneimittel, die keine Moleküle des ursprünglichen Wirkstoffs enthalten). 90 % der 830 Forschungsarbeiten (also 745 experimentelle Studien) mit Hochpotenzen zeigten positive Ergebnisse für die Homöopathie.
Erkenntnisse
Wie auch schon im letzten Beitrag erwähnt, gibt es weder einen hundertprozentigen Beweis für die Wirkung von Homöopathie noch für die konventionelle Medizin. Weil Studien immer nur die Wirksamkeit einer bestimmten Arznei bei einer bestimmten Erkrankung untersuchen. Die genannten Studien und Forschungsstände der aktuellen Studienlage nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin zeigen jedoch eindeutig die Wirksamkeit von Homöopathie.
Das hat auch die Allgemeinmedizinerin Dr. Melanie Wölk in ihrer Masterarbeit im Universitätslehrgang Natural Medicine an der Donau-Universität Krems bestätigt. Sie untersuchte die Frage, ob es Studien mit einem hohen Evidenzgrad (Ia, Ib) gibt, die die Wirksamkeit der Homöopathie nachweisen oder, ob in der Homöopathie bloß tradiertes Erfahrungswissen im Mittelpunkt steht. Das Ergebnis war eindeutig. Im untersuchten Zeitraum (2010 – 2016) sind so hochwertige Studien vorhanden, dass die wissenschaftliche Aussage berechtigt ist: „Die Homöopathie erfüllt alle Kriterien der evidenzbasierten Medizin!“ Die Forscherin hat aber auch die Hintergründe der Homöopathiediskussion in den Medien beleuchtet und herausgefunden: „Die Diskussion über die Existenzberechtigung der Homöopathie scheint nicht auf einer vorurteilsfreien und fairen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Thematik zu beruhen, sondern ein irrationaler und höchst emotionaler Streit um Weltbilder zu sein.“ Dr. Wölk wurde für diese Arbeit mit dem Dr. Peithner Sonderpreis für Forschung in der Homöopathie ausgezeichnet.
Trotz dieser eindeutigen Wirknachweise der Homöopathie gilt es, weiterhin Aufklärung hinsichtlich des Wirkmechanismus der homöopathischen Arzneimittel zu leisten und Menschen auf die Vorzüge dieser Behandlung aufmerksam zu machen.
Dr. Thomas Peinbauer, praktischer und homöopathischer Arzt, ist Leiter des Wahlfachs Komplementärmedizin auf der Johannes Kepler Universität in Linz und Mitbegründer des Praxisnetz Homöopathie Linz. In einem Interview berichtet er über seine Erfahrungen mit der Komplementärmedizin.
Welche Chancen hat die Integrative Medizin?
Die Chancen der Integrativen Medizin liegen darin, allen Aspekten der Evidenzbasierten Medizin gerecht zu werden. Man schaut sich ganzheitlich den Beratungsanlass, Werte, Wünsche und Erwartungen des Patienten an. Dazu ist es wichtig, dass der Patient über die existierende wissenschaftliche Evidenz informiert wird. Der Arzt muss selbst aber auch seine ganze klinische Kompetenz und Erfahrung einbringen, um dem Patienten sowenig invasiv wie möglich zu helfen.
Eine Erfahrungsmedizin also die auf Wissenschaft beruht?
Medizin ist keine reine Naturwissenschaft. Sie soll primär helfen, die Adaptionsfähigkeit des Menschen bzw. Tiers auf körperlicher, emotionaler und geistiger Ebene zu stärken. So wird Gesundheit definiert. Die wissenschaftliche Medizin bedient sich naturwissenschaftlicher Fächer und basiert dabei auf der Erfahrungsmedizin. In den letzten Jahren hat es auch noch einen Paradigmenwechsel gegeben.
Den Paradigmenwechsel hat es schon gegeben?
Ja, die integrative Medizin basiert auf diesem Paradigmenwechsel. Nämlich, dass man die Medizin und die Gesundheitsversorgung aus dem Blickwinkel des Patienten betrachtet. Prävention, Diagnostik und Therapie wird basierend darauf entwickelt. Im Rahmen eines wertschätzenden Arzt-Patienten-Gesprächs wird das Vorgehen geplant. Diese partizipative Herangehensweise ist aus meiner Sicht der Kern dieses Paradigmenwechsels.
In der aktuellen Diskussion will man ja den Patienten vor der Homöopathie „schützen“…
Das finde ich lächerlich. Homöopathie unterliegt in Österreich dem Vorbehalt des Arztes. Sowohl im humanmedizinischen, als auch im veterinärmedizinischen Bereich. Zudem wird Homöopathie im Rahmen einer standardisierten Ausbildung des ÖÄK-Diploms unterrichtet. Das ist der beste Schutz für Patienten.
Welchen Umgang mit der Komplementärmedizin wünschen Sie sich für Österreich?
Ich befürworte das Modell in den USA. Hier wird auf integrative Medizin mit großer Neugierde und Offenheit zugegangen. An allen renommierten Universitäten wird Lehre, Praxis und Forschung gefördert. Zum Wohle des Patienten.
Human-Homöopathie vs. Veterinär-Homöopathie – Wo sind die Unterschiede?
Bei beidem geht es um lebendige Organismen, die reaktions- und adaptionsfähig sind. Insofern sehe ich keinen Unterschied. Wie schon beim „Tag der integrativen Methoden“ zu sehen war: Egal, ob Phytotherapie oder Homöopathie, die meisten Methoden werden beim Menschen, Tier und auch bei Pflanzen eingesetzt. Deswegen war diese Veranstaltung auch so positiv, da ein interdisziplinärer Austausch über die Fachgrenzen hinweg stattgefunden hat.
Wie sind sie zur Homöopathie gekommen?
Mein Weg fing als junger Student beim 2. Internationalen Kongress für Ganzheitsmedizin in Wien an. Schon damals sind verschiedene komplementärmedizinische Methoden präsentiert worden. Darunter auch drei Vorträge zum Thema Homöopathie. Dort wurde meine Neugierde geweckt. Bereits als junger Student habe ich viele Praktika bei homöopathischen Ärzten gemacht. Was mich hier immer fasziniert hat, ist die große Zufriedenheit von Patienten und Ärzten, wenn zusätzlich zur Schulmedizin Homöopathie angewendet wurde.
Aus der Tiermedizin kennen wir das Phänomen: Von der Schulmedizin „austherapierte“ Patienten suchen Methoden der Homöopathie. Trifft das auch auf den Humanbereich zu?
Ich habe unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Seit Jänner 2018 leite ich gemeinsam mit zwei anderen Kollegen ein integratives Primärversorgungszentrum in Oberösterreich und wende dort Homöopathie hauptsächlich in der Akuttherapie an. Hierbei ist das eine gute Methode, da bei akuten Infekten, die Selbstheilungskräfte des Patienten unterstützt werden. In diesen Fällen muss ich immer seltener auf schulmedizinische Medikamente, wie Antibiotika oder NSAR, zurückgreifen. Dadurch sinkt das Nebenwirkungspotential. In die Privatarztpraxis kommen hauptsächlich Patienten mit chronischen Erkrankungen, bei denen viele schulmedizinische Methoden nicht greifen oder die einfach unzufrieden sind und in der Homöopathie Hilfe suchen.
Eine australische Studie zur Homöopathie hat im vergangenen Jahr Eingang in die Berichterstattung vieler Medien gefunden. Sie wurde als Beleg dafür angeführt, dass die Homöopathie unwirksam sei. Jetzt hat das Londoner Homeopathy Research Institute (HRI) eine Recherche veröffentlicht, die aufdeckt: Die australische Übersichtsstudie zur Homöopathie (Review) des National Health and Medical Research Council (NHMCR, Nationaler Rat für Gesundheit und medizinische Forschung), die vor zwei Jahren mit dem Ergebnis veröffentlicht wurde, Homöopathie wirke nicht besser als Placebo, weist extreme Mängel auf.
Die zentralen Ergebnisse der HRI-Recherche sind:
Das Review wurde zweimal durchgeführt. Da das erste Review nicht die gewünschten Ergebnisse hatte, wurde ein zweites erstellt.
Die Existenz des ersten Berichtes wurde der Öffentlichkeit nie mitgeteilt, sondern erst durch eine Anfrage entsprechend dem australischen Informationsfreiheitsgesetz aufgedeckt.
Statt wie angegeben 1.800 Studien (Angabe von NHMCR) wurden nur 176 Studien ausgewertet, davon wurden jedoch 171 ausgeschlossen, da sie weder in englischer Sprache verfasst, weniger als 150 Teilnehmer hatten oder nicht „vertrauenswürdig“ seien. Übrig blieben 5 Studien, auf der das Review basiert.
Die oben erwähnten Kriterien sind nicht nachvollziehbar und wurden vom NHMCR bei keinem anderen Review angewendet. Das NHMCR führt selbst Studien mit unter 150 Teilnehmern durch.
Bei der Erstellung des Reviews wurden gegen die NHMCR-eigenen Regeln verstoßen, auch gegen die, dass zumindest ein Experte – in diesem Fall ein Homöopathie-Experte – dem Ausschuss angehören müsse.
Der Vorsitzende des NHMCR-Ausschusses, der das Review verantwortet, ist Mitglied der politischen Lobby-Gruppe „Friends of Science in Medicine“ (FSM, Freunde der Wissenschaft in der Medizin), die sich aktiv gegen die Homöopathie einsetzt. Trotzdem unterzeichnete der Vorsitzende eine „Declaration of Interest“, die besagt, dass er nicht mit einer Organisation verbunden sei, „die sich für oder gegen die Homöopathie einsetzt“.
Daher wirft der Direktor des Londoner Homeopathy Research Institut (HRI), Dr. Alexander Tournier, dem staatlichen Forschungsrat Australiens „Täuschung der Öffentlichkeit“ vor.
Extreme Ungenauigkeiten in der Australischen Homöopathie-Studie
„Die Ungenauigkeiten im Bericht des NHMCR sind so extrem“, erklärt Tournier, „dass wir uns dazu entschlossen haben, eine gründliche Untersuchung durchzuführen, die die Hintergründe aufdeckt“. Das HRI hat eine Beschwerde bei einer offiziellen Commonwealth-Stelle eingelegt und aktuell erste Ergebnisse seiner Recherche veröffentlicht. „Es ist ungeheuerlich, dass mit derart verzerrten Daten weltweit politische Meinungsbildung betrieben wird“, sagt Cornelia Bajic, 1. Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ). „Wenn sich dieser schwere Verdacht weiter erhärtet, ist das ein handfester Skandal: Auch der Öffentlichkeit, universitären Einrichtungen und den politischen Entscheidungsträgern wurde auf dieser Weise suggeriert, die Homöopathie sei angeblich eine Placebo-Medizin. Die korrekte Studienlage, die deutlich die Wirksamkeit der homöopathischen Therapiemethode belegt, wird einfach verschwiegen“, so Bajic weiter.
Homöopathie weiterhin beliebt
„Wir fühlen uns an die 2005 im Lancet publizierte Studie von Shang et. al. erinnert, die bereits vor über einem Jahrzehnt das ‚Ende der Homöopathie‘ postulierten wollte“, erklärt Bajic, „auch damals wurden nicht 220 Studien ausgewertet, wie angegeben, sondern lediglich 6 konventionelle im Vergleich zu 8 Homöopathie-Studien“.
Ungeachtet solcher Versuche habe sich die Erfolgsgeschichte der Homöopathie in den letzten Jahren fortgesetzt – national wie global. Bajic: „In der Schweiz ist die Homöopathie beispielsweise seit dem letzten Jahr Regelleistung der obligatorischen Krankenversicherung.“
Therapeutische Nutzen durch klinische Forschungsdaten belegt
Bajic empfiehlt zum Thema Homöopathie-Forschung den Forschungsbericht „Der aktuelle Stand der Forschung zur Homöopathie“, der Mitte des letzten Jahres von der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) veröffentlicht wurde. Im Fazit kommen die Wissenschaftler und Ärzte der WissHom zu einer klaren Aussage: „Eine zusammenfassende Betrachtung klinischer Forschungsdaten belegt hinreichend einen therapeutischen Nutzen der homöopathischen Behandlung. Die Ergebnisse zahlreicher placebokontrollierter Studien sowie Experimente aus der Grundlagenforschung sprechen darüber hinaus für eine spezifische Wirkung potenzierter Arzneimittel.“ Download des kompletten Forschungsberichts unter: http://www.homoeopathie-online.info/category/forschung/
Erfreuliche Premiere für Univ.-Prof. Dr. Michael Frass, Facharzt für Innere Medizin an der MedUni Wien: Der Leiter der Spezialambulanz „Homöopathie bei malignen Erkrankungen“ erhielt im September 2011 den erstmals vergebenen Lifetime Achievement Award der Society for Airway Management (SAM).
Die SAM ist eine Non-Profit-Organisation und stellt ein weltweites, interdisziplinäres Forum für Experten für klinisches Atemwegsmanagement dar.
Der Lifetime Award wurde dem Forscher der MedUni Wien für seine Leistungen auf dem Gebiet des „Managements des schwierigen Atemwegs“ verliehen. Dabei wurden neben Frass‘ Erfindung des Combitube, eines Geräts zur Sicherung der Atemwege bei Notfällen, die zahlreichen Publikationen zum Thema und die vielen gemeinsamen Forschungsarbeiten mit Wissenschaftern im In- und Ausland berücksichtigt.
Der Kombinationstubus bietet die Möglichkeit, im Notfall die Atemwege zu sichern und zu beatmen: Er kann blind eingeführt werden und funktioniert in jeder Lage. Der Vorteil ist die leichte Erlernbarkeit der Handhabung. Vor 30 Jahren wurde das Gerät von Michael Frass, Reinhard Frenzer und Jonas Zahler entwickelt, auf der Konferenz der „American Heart Association“ (AHA) vorgestellt – und als erstes alternatives Atemwegsgerät in der AHA im Jahr 1992 übernommen.
Univ.-Prof. Dr. Michael Frass: „Ich habe diese Auszeichnung auch als einziger Repräsentant Österreichs bei SAM erhalten und ihn auch für die Medizinische Universität Wien entgegengenommen.“
Im Rahmen einer ganz besonderen digitalen Veranstaltung wurden von der ÖGHM gemeinsam mit Schwabe Austria gleich zwei herausragende Forschungsarbeiten im Bereich der Homöopathie mit dem Dr. Peithner Preis prämiert.
Normalerweise vergibt die Österreichische Gesellschaft für homöopathische Medizin (ÖGHM) den Dr. Peithner Wissenschaftspreis im Bereich der Homöopathie-Forschung im Rahmen ihrer Jahrestagung. Dieses Jahr ist das aufgrund der Covid-Einschränkungen nicht möglich gewesen. Daher gab es gleich zwei Besonderheiten im Rahmen der Verleihung des renommierten Forschungspreises: „Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht“, sagt dazu ÖGHM-Präsident Dr. Volker Neubauer und spricht damit die hochwertige Onlinetagung an, auf der dieses Jahr der Dr. Peithner Preis vergeben wurde. „Auch wenn ich den persönlichen Kontakt sehr schätze, ist der Vorteil einer solchen digitalen Veranstaltung nicht zu leugnen: Wir erreichen viel mehr Menschen, als es uns bei einer Veranstaltung vor Ort möglich gewesen wäre“, sagt dazu Neubauer, der ebenso Teil der Jury des Dr. Peithner Preises ist.
Und das Interesse an der diesjährigen digitalen Verleihung des Dr. Peithner Preises für Forschung war ein reges: Immerhin wurde der Preis heuer gleich zwei Mal verliehen. „Das ist eine Besonderheit, die darauf zurück zu führen ist, dass aufgrund des erstens Lockdowns im Frühjahr 2020 die Prämierung letztes Jahr ausgefallen ist“, erklärt Dr. Fritz Gamerith, Schwabe Austria Geschäftsführer und Jury-Mitglied des Dr. Peithner Preises die diesjährige Besonderheit. „So konnten wir den Dr. Peithner Preis nicht nur für zwei herausragende wissenschaftliche Arbeiten vergeben, sondern die Verleihung aufgrund intensiver Vorbereitungen und hochwertigen Digitalstrategien einem besonders großen, internationalen Teilnehmerkreis zugänglich machen.“
Evidenz homöopathischer Behandlungen von Infektionen
Eine der prämierten Arbeiten ist der narrative Review „Evidenzbasierte Veterinär-/Homöopathie und ihre mögliche Bedeutung für die Bekämpfung der Antibiotikaresistenzproblematik“, der im vergangenen Oktober in einem konventionellen peer-reviewed Journal veröffentlicht worden ist. Hauptautorin Dr. Petra Weiermayer stellte für die Arbeit gemeinsam mit Veterinärkollegin Dr. Liesbeth Ellinger und den Humanmedizinern Dr. Thomas Peinbauer sowie ao. Univ.-Prof. Dr. Michael Frass differenziert die Faktenlage der Evidenz für die Wirksamkeit der Human- und Veterinär-Homöopathie im Allgemeinen sowie die Evidenz homöopathischer Behandlungen von Infektionen im Speziellen dar. „Die Antibiotikareduktion ist eines der ganz wichtigen Themen in der heutigen Medizin“, sagt dazu Dr. Fritz Gamerith. „Alles, was es möglich macht, dass Patientinnen und Patienten ohne Antibiotika auskommen, hilft uns in der Zukunft. Und nachdem die Homöopathie in Österreich glücklicherweise in medizinischen Händen ist, können sich Patientinnen und Patienten überdies immer sicher sein, Antibiotika zu bekommen, sollten diese trotz homöopathischer Behandlung angezeigt sein.“
Homöopathie im Sinne einer integrativen Medizin verankern
„Neben der differenzierten Klarstellung der Faktenlage, die Evidenz für die Wirksamkeit der Human- und Veterinär-Homöopathie im Allgemeinen und im Speziellen bei homöopathischen Behandlungen von Infektionen zeigt, haben wir in dem Review auch noch evidenzbasiert Kritik an den Vorgehensweisen und der Wissenschaftskommunikation beim zweiten Australischen National Health and Medical Research Council-Report geübt“, so die Hauptautorin Dr. Petra Weiermayer, die als Fachtierärztin für Homöopathie tätig, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Veterinärmedizinische Homöopathie (ÖGVH) und ebenso Sprecherin der Sektion Forschung der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) ist. „Die Arbeit muss vor allem im Kontext des großen Problems der Antibiotikaresistenzen gesehen werden“, sagt dazu der ehemalige European Committee for Homeopathy (ECH)-Präsident und Arzt für Allgemeinmedizin Dr. Thomas Peinbauer, den zu Beginn seiner Karriere der wissenschaftliche Aspekt zur Homöopathie geführt und der den Review mit verfasst hat. „Ich hatte dabei nie einen Konflikt zwischen der konventionellen Medizin und der Homöopathie. Das ist für mich immer ganz selbstverständlich nebeneinander gestanden. Für mich war und ist seit jeher wichtig, dass wir es schaffen, uns im Sinne einer integrativen Medizin zu verankern“, so Dr. Peinbauer.
Es braucht gut gemachte Studien
Für diese Verankerung ist es laut Dr. Volker Neubauer auch von besonderer Wichtigkeit, „dass wir in der häufig aufgeheizten Diskussion rund um die Wirksamkeit der Homöopathie gut gemachte Studien zur Hand haben.“ Gerade der Bereich der Nutztierpraxis könne hier ein wichtiger für die fundamentale Homöopathie-Forschung sein, sagt dazu die niederländische Tierärztin Dr. Liesbeth Ellinger, die ebenfalls an dem Review mitgearbeitet hat: „Denn gerade in diesem Bereich der Veterinärmedizin sind große Studien möglich, die die Wirksamkeit der Homöopathie über den viel zitierten Placebo-Effekt hinaus zeigen können: Nutztiere leben meist unter identen Umständen zusammen, potenzielle Einflussfaktoren sind somit minimiert – hier können wir sehr gut überprüfen, welche Auswirkungen homöopathische Arzneimittel haben. Gerade in Anbetracht der Erfolge der veterinärmedizinischen Homöopathie, wobei der Verabreicher in vielen Fällen nicht direkt mit dem Tier in Verbindung tritt, zum Beispiel bei Verabreichung des homöopathischen Arzneimittels über das Trinkwasser – wie es in der Nutztierpraxis oftmals gängige Praxis ist – ist die Aussage, die Wirksamkeit der Homöopathie beruhe auf der Zuwendung zum Patienten‘, nicht haltbar.“
Hauptautorin Dr. Weiermayer betont darüber hinaus, dass sich Wissenschaft und die klassische homöopathische Arbeit sehr gut vereinen ließen. „Das beginnt bereits dabei, hochqualitative Fallberichte zu publizieren. Damit können Möglichkeiten aufgezeigt werden. Aber in einem Fallbericht lässt sich niemals ein Wirksamkeitsnachweis erbringen. Das gelingt nur durch randomisierte, doppelblinde und kontrollierte Studien, die in der Homöopathie herausfordernd, aber machbar sind. Für die Qualitätssicherung weiterer Studien ist deren Durchführung an universitären Einrichtungen eine Voraussetzung, was aber erst durch die bessere Integration der Homöopathie an den Universitäten möglich werden kann. Diese absolut notwendige Konsequenz ist in der Schweiz gemäß Medizinalberufegesetz für Unterricht und Forschung an der Universität gesetzlich verankert. Diese Forderung im Sinne der Patienten nach integrativer Medizin an den Universitäten ist unser großes Anliegen!“, so Dr. Weiermayer.
Dass die Durchführung hochqualitativer Studien im Bereich der Homöopathie möglich ist, beweist der Facharzt für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin ao. Univ.-Prof. Dr. Michael Frass immer wieder aufs Neue. Der Homöopath und Präsident des Österreichischen Dachverbands für Ärztliche Ganzheitsmedizin sowie Vorsitzender der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie, der für seine hochwertigen Forschungen rund um die Homöopathie international bekannt ist, ist nicht nur Co-Autor von Dr. Weiermayers Review, sondern wurde dieses Jahr selbst mit dem Dr. Peithner Preis ausgezeichnet. Er hat mit einer prospektiven, randomisierten, placebokontrollierten, doppelblinden, dreiarmigen und multizentrischen Studie belegt, dass die homöopathische Behandlung als Zusatztherapie bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs die Lebensqualität signifikant im Vergleich zur Placebo-Gruppe verbessert und das Überleben in der Homöopathie-Gruppe im Vergleich zur Placebo- sowie zur Kontrollgruppe ein signifikant längeres ist. „Der in der Wissenschaft geforderte Goldstandard von Studien sagt sich immer so leicht“, sagt dazu Prof. Frass. „In Wahrheit ist das allerdings äußerst aufwändig. Wir sind dabei auch auf alle Verzerrungseventualitäten eingegangen, die häufig im Bereich der Homöopathie genannt werden. Etwa, dass es ausschließlich die vermehrte Zuwendung der Ärzte in der Homöopathie sei, die für Verbesserungen sorge. Darum haben wir natürlich auch mit den Patienten der Kontroll- und der Placebogruppe Gespräche im gleichen Ausmaß geführt“, so Prof. Frass, der sich besonders über die Auszeichnung seiner Arbeit mit dem Dr. Peithner Preis freut: „Es ist eine schöne Würdigung meiner letzten großen Arbeit am AKH Wien.“
„Professor Michael Frass gebührt der Preis schon alleine als Anerkennung seines Lebenswerkes“, sagt dazu ÖGHM-Präsident Dr. Volker Neubauer. „Es ist beeindruckend, in welchem Ausmaß er so viele hochwertige, wissenschaftlichen Studien allen Widrigkeiten zum Trotz im Laufe seiner Karriere durchgeführt hat. Es sind genau diese Studien, die aus der häufig weltanschaulich geführten Diskussion um die Homöopathie einen wissenschaftlichen Diskurs machen. Skeptiker überzeugt man auch nicht mit derart gehaltvollen Studien. Aber wir wollen unsere Arbeit an Patientinnen und Patienten überprüfbar und nachvollziehbar machen. Es ist für uns daher besonders erfreulich, dass in den vergangenen beiden Jahren gleich zwei so hochwertige Arbeiten für den Dr. Peithner Preis eingereicht wurden.“
Der Dr. Peithner Preis
Der Dr. Peithner Preis ist ein mit 3.000 Euro dotierter Preis, der ursprünglich etabliert wurde, um die wissenschaftliche Forschung im Bereich der Homöopathie zu fördern. Prämiert werden können eingereichte Arbeiten, die einem internationalen wissenschaftlichen Standard entsprechen und offiziell publiziert wurden. Die Fachjury, die aus den eingereichten Arbeiten die beste auswählt, setzt sich aus der Geschäftsleitung von Schwabe Austria sowie aus Vertretern der ÖGHM zusammen. Verliehen wird der Dr. Peithner Preis regulär auf der Jahresversammlung der ÖGHM. Diesmal fand die Verleihung im Rahmen einer hochwertigen Onlineveranstaltung statt.
Die ÖGHM – Österreichische Gesellschaft für Homöopathische Medizin
Die Österreichische Gesellschaft für Homöopathische Medizin ist die größte Vereinigung homöopathischer Ärzte Österreichs. Ziele der ÖGHM sind die Aus- und Weiterbildung von Ärzten auf Europastandard, die Repräsentation der Homöopathie gegenüber Öffentlichkeit und Medien, die EU-weite Vertretung auf politischer und wirtschaftlicher Ebene sowie die Förderung von Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Homöopathie.
Die Homöopathie erfüllt alle Kriterien der evidenzbasierten Medizin! Zu diesem Ergebnis kommt die Allgemeinmedizinerin Dr. Melanie Wölk, die im Rahmen ihrer Masterarbeit zur Erlangung des akademischen Abschlusses Master of Science im Universitätslehrgang Natural Medicine, Donau-Universität Krems, die Frage untersucht hat, ob die Homöopathie den Regeln der Evidence based Medicine (EbM) entspricht. Für diese Arbeit wurde Wölk mit dem Dr. Peithner Sonderpreis für Forschung in der Homöopathie ausgezeichnet.
„Gibt es Studien mit Evidenzgrad Ia und Ib, die die Wirksamkeit der Homöopathie nachweisen? Oder steht tradiertes Erfahrungswissen, die Eminenz, vor der wissenschaftlichen Evidenz?“, diese Fragen stellte die Ärztin Melanie Wölk an den Anfang ihrer Recherche und untersuchte Metaanalysen und Reviews der Evidenzklasse Ia, alle zwischen Jänner 2010 und Februar 2016 publizierten randomisierten doppelblinden und kontrollierten klinischen Studien der Evidenzklasse Ib, der Schweizer HTA-Bericht 2006 und die Studie der Australischen Gesundheitsbehörde NHMRC 2015, sowie je zwei populäre Studien, die von Kritikern (Shang 2005, Ernst 2002) und Verteidigern (Frass Sepsisstudie 2005, Linde 1997) der Homöopathie häufig zitiert werden. Ihre Literaturrecherchen erfolgten in speziellen Datenbanken: MEDLINE, Pub-Med, Cochrane Database of Systematic Reviews sowie Cochrance Central Register of controlled Trials.
Das Ergebnis steht fest. Die Homöopathie erfüllt alle Kriterien der evidenzbasierten Medizin! Wölk: „Die Diskussion über die Existenzberechtigung der Homöopathie scheint nicht auf einer vorurteilsfreien und fairen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Thematik zu beruhen, sondern ein irrationaler und höchst emotionaler Streit um Weltbilder zu sein.“
Übergabe Dr. Peithner Sonderpreis
Am Freitag, 23. März, überreichten Mag. Martin Peithner, Geschäftsführer der Dr. Peithner KG und Vorsitzender des Ausschusses OTC, Homöopathie und Phytopharmaka bei der Pharmig und Dr. Erfried Pichler, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin (ÖGHM), im Rahmen einer Feier den mit 3.000 Euro dotierten Dr. Peithner Sonderpreis für Forschung in der Homöopathie. Peithner: „Eine hervorragende Arbeit, die zeigt, dass die Wirksamkeit der homöopathischen Therapie sehr wohl in Metaanalysen und Reviews des Evidenzgrades Ia und klinischen Studien des Evidenzgrades Ib, die dem Goldstandard der evidenzbasierten Medizin entsprechen, bewiesen werden kann.“
Erfried Pichler gratulierte der Preisträgerin im Namen der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin: „Für die Homöopathie ist das eine sehr wichtige Arbeit, die wieder zeigt, was wir in der ärztlichen Praxis täglich erleben, nämlich dass homöopathische Arzneimittel wirken. Wölks Untersuchung zeigt weiters deutlich, dass es sehr wohl hochqualitative Homöopathie-Studien gibt und es an der Zeit ist, die Hexenjagd zu beenden, mit der eine wirksame medizinische Therapie diskreditiert werden soll. Konventionelle Medizin und Homöopathie sollten endlich Hand in Hand arbeiten – zum Wohle der Patientinnen und Patienten.“
Die Preisträgerin
Dr. Melanie Wölk wurde in Mistelbach geboren, in Wien hat sie Medizin studiert. Nach dem Turnus und während ihrer Arbeit als Vertretungsärztin in Wien und Niederösterreich absolvierte die Allgemeinmedizinerin das Studium „Natural Medicine“ an der Donau-Universität Krems. Am 1. April 2018 wird die junge Ärztin in die Ordination von Dr. Matthias Messner in Gerasdorf einsteigen, gemeinsam bietet das Team integrative Medizin zum Wohle ihrer PatientInnen an.
Der Preis
Der Dr. Peithner Preis für Forschung in der Homöopathie wurde 2003 von der Dr. Peithner KG, dem führenden Hersteller homöopathischer Arzneien in Österreich, ins Leben gerufen. Ziel ist die Förderung der Forschung auf dem Gebiet der Homöopathie in Österreich. Der Preis wird jährlich ausgeschrieben und ist mit 3.000 Euro dotiert.
Die ÖGHM – Österreichische Gesellschaft für Homöopathische Medizin
Die Österreichische Gesellschaft für Homöopathische Medizin ist die größte Vereinigung homöopathischer Ärzte Österreichs. Ziele der ÖGHM sind die Aus- und Weiterbildung von Ärzten auf Europastandard, die Repräsentation der Homöopathie gegenüber Öffentlichkeit und Medien, die EU-weite Vertretung auf politischer und wirtschaftlicher Ebene sowie die Förderung von Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Homöopathie.
Wölk, Melanie: Eminenz oder Evidenz: Die Homöopathie auf dem Prüfstand der Evidence based Medicine.
Masterarbeit zur Erlangung des akademischen Abschlusses Master of Science im Universitätslehrgang Natural Medicine. Donau-Universität Krems, Department für Gesundheitswissenschaften und Biomedizin. Krems, Mai 2016.