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Der Darm als Sitz des Immunsystems

Für eine geregelte und gute Verdauung sorgt der Darm. Eine weitere wichtige Aufgabe des Darms ist die Abwehr von Krankheitserregern, die Produktion von Antikörper und antibakteriellen Stoffen.

Der Darm ist das größte innere Organ des Menschen. Er ist bis zu 8 Meter lang und hat eine Oberfläche von ca. 400 m2. Der Darm setzt sich aus dem Dünndarm und dem Dickdarm zusammen. Ein kräftiges Muskelgewebe bildet den „verdauungsschlauch“, an der Innenseite ist der Darm von einer stark gefalteten Schleimhaut überzogen. Diese Schleimhaut ist je nach Darmabschnitt von Mikroorganismen, der Mikrobiota, überzogen. Die Mikrobiota, auch als Mikrobiom bezeichnet, besteht aus 500 bis 1000 unterschiedlichen Bakterienstämmen. So befinden sich in unserem Darm ca. 100 Billionen Bakterien. In einem komplex abgestimmten Zusammenspiel sind sie für unser Immunsystem von entscheidender Bedeutung.

Darmbakterien sind lebenswichtig

Unsere Darmbakterien erfüllen lebenswichtige Aufgaben: Sie bauen eine wirksame Barriere gegen fremde Keime auf, binden und transportieren Schad- und Giftstoffe ab und produzieren für den Organismus wichtige Vitalstoffe. Wenn die Verdauung nicht funktioniert, können aus der Nahrung nicht genügend Vitamine und Spurenelemente aufgenommen werden. Besonders bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie zum Beispiel gegen Fruchtzucker, Milchzucker oder glutenhältiges Getreide kommt es zur Schädigung der Darmbarriere. Krankheitserreger können leichter in den Körper eintreten.

Die bakterielle Besiedelung des Darms beginnt schon während der Geburt. Beim Durchtritt durch den Geburtskanal nimmt der Säugling die ersten Bakterien direkt auf. Kaiserschnittkindern fehlt diese Möglichkeit. Sie nehmen die notwendigen Bakterien in einem geringeren Ausmaß von der mütterlichen Haut beim Stillen auf. Die Folgen sind eine schwächere Besiedlung des kindlichen Darms und ein mühsamer Start des kindlichen Immunsystems. Zu beobachten ist bei Kaiserschnittkindern eine vermehrte Infektanfälligkeit und das verstärkte Auftreten von Allergien.

Lifestyle ist wichtig für den Darm

Ob unser Darm gesund ist, hängt stark von unserer Lebensweise ab. Falsche Ernährung mit vielen Konservierungs- und Zusatzstoffen, Dauerstress, Schlafmangel oder die Einnahme von Medikamenten können die Funktion des Darms negativ beeinflussen. Dadurch gerät das natürliche Gleichgewicht in der Besiedelung zwischen „guten“ und „schlechten“ Darmbakterien ins Ungleichgewicht, unsere Darmbarriere, die Darmschleimhaut wird durchlässig für Toxine, Allergene und krankmachende Keime und unsere Immunabwehr wird geschwächt. Bei den Medikamenten sind es hauptsächlich Antibiotika, Cortison und Protonenpumpenhemmer (Säureblocker), die für das Absterben der gesunden Bakterien verantwortlich sind. So dauert es nach einer Antibiotikaeinnahme bis zu 24 Monate bis sich das Mikrobiom von allein wieder erholt. Einige wichtige Bakterienstämme bleiben auch dann gänzlich verschwunden.

Der Darm ist wichtig für das Immunsyste

Wie können wir ein geschwächtes Immunsystem stärken und wieder ins Gleichgewicht bringen? Im menschlichen Darm sind rund 80% der Immunzellen beheimatet. Daher ist es besonders wichtig nach der Einnahme von Antibiotika, nach Durchfallerkrankungen und bei häufigem Einsatz von Abführmitteln wieder eine gesunde Darmflora herzustellen. Durch die Einnahme von lebensfähigen probiotischen Darmbakterien wird das Immunsystem gestärkt und wieder ins Gleichgewicht gebracht. Durch die Kombination mit Ballaststoffen (Präbiotika) wird das Wachstum natürlich vorkommenden Bakterien gefördert.

Zink ist wichtig für den Darm

Das Spurenelement Zink ist ein essentieller Bestandteil von mehr als 200 Stoffwechselprozessen. Zink ist der wichtigste Mikronährstoff zum Aufbau und zur Stabilisierung von Haut und Schleimhäuten, auch des Darmes. Wenn die Darmschleimhaut durch Stress belastet ist, reagiert sie besonders empfindlich. Bei Zinkmangel kommt es zur Reduktion der Gesamtzahl der Lymphozyten, der T-Killer und der T-Helfer Zellen. Das macht uns besonders anfällig für Erkältungen, Fieberblasen etc. Zink sollte idealer Weise am Abend eingenommen werden um den Organismus während des Schlafens in seiner Regeneration zu unterstützen.

So helfen Sie ihren Darm

Essen Sie möglichst frisch zubereitetes unbehandeltes Gemüse, Obst und Vollkornprodukte und verzichten Sie auf industriell verarbeitete Lebensmittel mit Konservierungs- und Zusatzstoffen. Trinken Sie täglich 2 Liter frisches Wasser um die Verdauung zu unterstützen. Bewegen Sie sich 30 Minuten pro Tag, schon ein leichter Spaziergang entlastet den Darm. Achten Sie darauf, Zeiten von Stress und Hektik auszugleichen, sei es durch ein entspannendes Hobby oder regelmäßige Ruhephasen im Alltag. Entgiften Sie Ihrem Darm – entweder einmal jährlich durch eine Fastenkur oder durch öfters durchgeführte Entlastungstage. Bei gesunden Menschen dient die Darmreinigung und Darmpflege zur Prävention, um die Selbstheilungskräfte des Organismus zu stärken. So wird unser Darm zu einem Zentrum unseres Wohlbefindens, wenn wir ihn angemessen behandeln und pflegen.

So kann die Homöopathie helfen

Die Bandbreite, in der homöopathische Therapien Anwendung finden, ist beeindruckend groß und umfasst sowohl die Linderung akuter Erkrankungen wie

  • Gastroenteritiden,
  • Vergiftungen durch Nahrungsmittel,
  • Entzündungen der Magenschleimhaut,

als auch die Unterstützung bei psychosomatischen Leiden wie dem Reizdarmsyndrom und entzündlichen Darmkrankheiten

  • Morbus Crohn und
  • Colitis ulcerosa

In vielen Fällen, wie beim Reizdarmsyndrom, Bauchschmerzen bei Schulkindern, Magenbeschwerden sowie bei den chronisch entzündlichen Darmkrankheiten wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, sind psychische Komponenten von erheblicher Bedeutung. Häufig berichten Betroffene, dass Magen-Darm-Probleme sie „schon immer“ begleitet haben oder in ihrer Lebensgeschichte signifikante Ereignisse eine Rolle spielen. In solchen Situationen ist die Durchführung einer auf den Einzelnen zugeschnittenen Behandlung durch einen versierten Therapeuten essentiell. Dieser bewertet die individuellen Symptome des Patienten sorgfältig, um darauf basierend ein spezifisches homöopathisches Arzneimittel auszuwählen.

Bewährte homöopathische Arzneimittel für die Behandlung akuter Magen-Darm-Erkrankungen

Leichte Symptome akuter Erkrankungen lassen sich oftmals erfolgreich selbst mit homöopathischen Mitteln behandeln. Sollte jedoch keine deutliche Besserung innerhalb von zwei Tagen eintreten, ist ein Arztbesuch wichtig. Besonders bei Durchfall ist es wichtig, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Die meisten Magen-Darm-Infektionen werden durch Viren verursacht und treten vermehrt in den Wintermonaten auf, wobei Übelkeit, Appetitverlust, Erbrechen und Durchfall typische Anzeichen sind.

Homöopathie gegen Übelkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen und Durchfall

Arsenicum album: Symptome verschlimmern sich oft nachts, mit gleichzeitigem Erbrechen und Durchfall in geringen, aber häufigen Mengen. Betroffene fühlen sich sehr schwach, frieren und sind unruhig. Geeignet auch nach Abklingen der akuten Phase, falls Schwäche und Appetitlosigkeit anhalten.

Nux vomica: Bei Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Krämpfen. Erleichterung durch Erbrechen und Entlüften. Schwierigkeiten beim Erbrechen, starkes Würgen, oft nach üppigem Essen. Patienten sind gereizt und kälteempfindlich.

Podophyllum peltatum: Starker, plötzlicher Durchfall, vor allem morgens und kurz nach dem Essen, begleitet von gurgelnden Bauchgeräuschen und einem Gefühl der Leere.

Colocynthis: Heftige, stechende oder schneidende Krämpfe, die sich durch Wärme und starken Druck bessern. Schon der geringste Versuch zu essen oder zu trinken verschärft die Symptome. Oft tritt dies nach Unterkühlung oder Ärger auf.

Homöopathische Mittel bei Verdauungsproblemen oder Darmerkrankungen auf Reisen

Auf Reisen können Erreger und Veränderungen in der Ernährung Verdauungsprobleme verursachen, einschließlich Durchfall und Erbrechen, aber auch Verstopfung und Blähungen.

Okoubaka: Gegen viele Blähungen, präventiv bei empfindlichen Personen.

Arsenicum album: Kann vorbeugend eingesetzt werden, wenn während einer Reise Verdacht auf Lebensmittelvergiftung besteht.

Calcium carbonicum: Bei Verstopfung während Reisen, geeignet für Personen, die sich schwer auf Neues einlassen können.

Natrium muriaticum: Für Personen, die zu Verstopfung oder unregelmäßiger Verdauung neigen, Heimweh haben und schlecht auf Reisen klar kommen.

Nux vomica: Bei Beschwerden durch Überessen, „All-inclusive“-Urlaub, Jetlag, Verstopfung und Hämorrhoiden. Hilft gegen nervöse Stimmung und Reizbarkeit.

Borax: Gegen Übelkeit in weich gefederten Fahrzeugen, beim Fliegen, besonders bei Abwärtsbewegungen.

Tabacum: Bei extremer Übelkeit, die sich durch Ruhe und frische Luft bessert.

Cocculus: Für Reise- und Seekrankheit mit Schwindel und Übelkeit, die durch Bewegung verschlimmert wird.

Zusätzlich zur homöopathischen Behandlung ist ein ganzheitlicher Ansatz mit Ernährungsberatung, Unterstützung der Verdauungsfunktion, Darmsanierung und Entspannungstechniken wichtig. Hahnemann betonte stets die Bedeutung der Lebensweise und der geistigen Haltung für die Genesung.

Dosierungsvorschläge variieren je nach Mittel und Situation, wobei generell für die Selbstbehandlung die Potenz C30 mit 1-2 Globuli, 1-2x bei Beschwerdebeginn, empfohlen wird. Bei Verwendung von C12 sollten 5 Globuli pro Gabe, 3-5x täglich eingenommen werden, bei starken Beschwerden anfangs auch stündlich, mit einer Reduktion bei Besserung der Symptome.

Strychnos Nux-Vomica bei Erkältung

Die Bedeutung von  bei Verdauungsbeschwerden durch Zuviel an Essen, Alkohol, Rauchen oder Medikamente, aber auch bei Stress und Ärger ist wohl bekannt. Als großes Polychrest kann die Arznei bei Erkältungsbeschwerden und grippalen Infekten ebenfalls angezeigt sein.

Man wacht matt und abgeschlagen auf und will sich gleich wieder hinlegen oder überhaupt im Bett liegen bleiben. Da wird sich doch wohl nicht eine Erkältung breit machen? Und dieses fröstelige Gefühl – da hilft nur warm zudecken. Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Husten, eventuell Fieber oder Bauchschmerzen ergeben im Laufe des Tages dann das Vollbild der Erkältung.

Strychnos nux-vomica, die Brechnuß, ist da vielleicht nicht gleich das erste homöopathische Arzneimittel, zu der man in der Hausapotheke greift. Dennoch sollte man sie nicht außer Acht lassen, den auch bei Erkältungskrankheiten mit den unten angeführten charakteristischen Symptomen erweist sie wertvolle Dienste.

Als Auslöser für die Beschwerden kommt ein durch Stress oder Schlafmangel geschwächtes Immunsystem in Betracht. Kalte Füße, nasse Füße, kalte Zugluft oder Klimaanlagen, z.B. während einer Zug- oder Flugreise, sind ebenfalls Ursachen dieser Erkältung. Bevorzugt treten die Infekte während kaltem, aber trockenen Wetter auf. Obwohl man sich so matt und schlapp fühlt, findet man nachts meist nur unruhigen Schlaf – sei es wegen der verstopften Nase, die die Atmung deutlich erschwert, wegen einer Übelkeit bis zum Brechreiz oder einem unangenehmen, beklemmenden Völlegefühl im Bauchraum.

Tagsüber hingegen verbessern kurze Schläfchen – warm eingepackt und ungestört – deutlich das Befinden. Allerdings ist man in diesem Krankheitsbild meist überempfindlich und leicht gereizt, vor allem auf äußere Sinneseindrücke wie Licht, Lärm oder Berührungen. Besonders Gerüche werden schlecht vertragen.

Dabei möchte man doch einfach nur seine Ruhe haben!

Schnupfen – vor allem nachts ist die Nase verstopft

Stockschnupfen, verstopfte Nase, juckende Nase und ständiges Schniefen sind bei dieser Arznei in den Arzneimittellehren angeführt. Die Nase kann zwischendurch auch rinnen, doch meistens – vor allem nachts – hat man ein verstopftes Gefühl. Besonders im warmen Zimmer geht die Nase zu, bei der Nachtruhe oder beim kurzen Schläfchen wird deshalb hörbar geschnarcht. Frische Luft macht die Nase hingegen frei. Beim Schnupfen kann auch Nasenbluten auftreten.

Heiserkeit und rauer Hals

Der Hals fühlt sich rau, wund an und man ist heiser. Vereinzelt sticht es vom Rachen bis ins Ohr hinein. Wärme und warme Anwendungen werden als wohltuend empfunden.

Hustenanfälle und Kopfschmerzen

Der trockene, quälende Husten fängt oft morgens an und nimmt bei Stress oder Zeitdruck zu. Die Hustenanfälle können von einem engen, beklemmenden Gefühl in der Brust begleitet werden. Öfter klagen Betroffene jedoch über Kopfschmerzen beim Husten. Ein charakteristisches Symptom für Strychnos nux-vomica ist, wenn beim Husten der Kopf gehalten oder aufgestützt wird. Auch hier können als Begleitsymptom Magen- oder Bauchbeschwerden auftreten. Die Hustenanfälle können sich bis zum Brechreiz oder Erbrechen steigern. Warme Getränke bringen eine Erleichterung und lindern den Hustenreiz. Bei der Atmung hat man das Gefühl, schwerer Luft zu bekommen. Diese unangenehme Empfindung wird oft von einem Völlegefühl im Magen oder Bauchraum begleitet.

Fieber mit Schüttelfrost

Der Mangel an Lebenswärme, der sich durch das gesamte Arzneibild von Strychnos nuxvomica zieht, zeigt sich auch beim Fieber. Obwohl Betroffene gelegentlich über ein Arzneimittelbild: Strychnos nux-vomica bei Erkältungskrankheiten brennendes Gefühl am ganzen Körper klagen, auch der Kopf kann rot sein, frieren sie und wollen zugedeckt sein. Zu enge Kleidung hingegen wird vehement abgelehnt. Fieber mit Schüttelfrost – und trotzdem reichlicher, sauer riechender Schweiß ist ein weiteres Symptom, das für die Arznei spricht. Im Gegensatz zu anderen Arzneien bringt Schwitzen aber keine Verbesserung oder Erleichterung. Das Fieber steigt bevorzugt in den Morgenstunden. Bei Fortbestand oder Verschlechterung der Beschwerden, bei hohem Fieber, starken Schmerzen oder Husten, Kurzatmigkeit, Katarrh der oberen Atemwege, plötzlichem Verlust des Geschmacks- oder Geruchssinnes ist unbedingt ärztliche Hilfe aufzusuchen!

Wollen Sie mehr über den homöopathischen Einsatz der Arznei Strychnos nux-vomica wissen? Im Mitgliederbereich finden Sie das ausführliche Arzneibild.

Homöopathie und Pferde: So kann Calendula bei Wunden helfen

Die Wundheilung beim Pferd, besonders an den Beinen, bereitet leider oftmals Probleme. Mit der Heilpflanze Calendula, auch als Ringelblume bekannt, kann die Heilung aber hervorragend verbessert werden. Doch die orange Blüte kann noch viel mehr für unsere Pferde tun – und gehört eigentlich in jede Stallapotheke.

Wundheilung bei Pferden verläuft (leider) manchmal anders als bei den Kleintieren wie Hund und Katze. Viele Pferde haben Probleme bei der Heilung, sei es die Bildung von Phlegmonen bei kleinen Wunden, ein verlangsamtes Zusammenziehen der Wundränder oder auch die Bildung von sogenanntem „wilden Fleisch“ bei klaffenden Wunden. Diese Heilung verläuft je nach Körperregion mal besser oder auch schlechter. Wunden am Kopf, in der Halsregion, am Torso oder auch im oberen Bereich der Beine machen meist wenig bis keine Probleme. An den unteren Extremitäten allerdings kann selbst die kleinste Wunde zu größeren Problemen führen. Warum? Erstens weil die Haut an den Beinen natürlich unter großer Spannung steht. Zweitens gibt es kaum Unterhaut (Subcutis) und drittens liegen diese Wunden oft in Bereichen, die permanent bewegt und/oder belastet werden.

Calendula: Die Wunderblume für Wunden

Selbstverständlich müssen vor allem tiefere und größere Wunden immer von einem Tierarzt behandelt werden. Die klassische Behandlungsweise besteht im Idealfall aus einem primären chirurgischen Wundverschluss, viele Wunde heilen auch gut unter feuchten Verbänden. Um Infektionen vorzubeugen muss der Veterinär auch immer die Entscheidung über eine begleitende Antibiotika-Therapie treffen. Doch es gibt weitere Möglichkeiten, die Wundheilung positiv zu beeinflussen. Calendula officinalis, also der Wirkstoff aus der Ringelblume, kann die Wundheilung positiv beeinflussen. Es gibt bereits einige sehr interessante, internationale Studien zu Calendula, die allesamt eine beschleunigte Wundheilung beschrieben haben. Die arzneilich wirksamen Stoffe Faradiolpalmitat und Faradiollaurat der Calendula, sie befinden sich übrigens vor allem in den Blütenblättern, werden bereits seit den 1990er Jahren wissenschaftlich untersucht. Dabei wurde die entzündungshemmende, antiödematöse und granulationsfördernde Eigenschaft wiederholt bestätigt. Bereits 2009 untersuchte das Forscherteam Preethie und Kuttan die Wirkung von Calendulaextrakt bei Schnittwunden. Im Ratten-Versuch zeigte sich, dass bei Wunden, die mit Calendulaextrakt behandelt nach fünf Tagen zum Wundschluss kam. Bei der Kontrollgruppe ohne Calendula erst am Tag Neun. Nach 14 Tagen war die Wunde bei den behandelten Tieren verschlossen, bei der Kontrollgruppe nach 17,7 Tage. Ein Ergebnis, dass die potente Wundheilungsaktivität von Calendula zeigt.

So konnte die Ringelblume helfen – ein Fallbericht

Auch wir konnten schon große Erfolge bei verletzten Pferden mit Calendula erzielen. Hier ist ein Galopper besonders in Erinnerung geblieben. Er verletzte sich in der Startmaschine am hinteren Bein. Die Wunde wurde sechs Monate klassisch mit Verbänden behandelt – doch die Wunde verheilt nicht, im Gegenteil sie wurde immer schlimmer (siehe Bild links). Schließlich wurden wir – in diesem Fall Erich Scherr – Pferdetierarzt mit Zusatzausbildung für Homöopathie zugezogen. Initial wurde Nux vomica C 1000 gegeben, danach Calendula D200. Bereits nach einer Woche war eine sichtbare Verbesserung zu sehen (Bild mitte). Danach wurde zwei Wochen Calendula D 30 zweimal pro Woche für weitere vier Wochen verschrieben. Nach fünf Wochen war eine deutliche Heilung zu sehen (Bild rechts). Das Pferd wurde übrigens verbandsfrei therapiert.

Ein weiterer Vorteil von Calendula: Es wurde beobachtet, dass bei offenen Wunden die Behandlung mit Calendula zu einer Einsparung von Antibiotikaverbrauch führt und sich die Zeitspanne der Verbandstherapie verkürzt. Eine kürzere Zeitdauer von Verbandstherapie hat den Vorteil, Verbandsdruck als sekundäre Komplikation vorzubeugen und spart Kosten für den Besitzer.

Die Ringelblume in der Stallapotheke

So ist Calendula grundsätzlich das Mittel der Wahl bei oberflächlichen Wunden, Quetschungen, Rissen, Bissen, schon infizierte Stiche und auch bei älteren bereits infizierten Wunden. Die antiseptische und antientzündliche Wirkung unterstützt die Wundheilung sehr gut. Die Ringelblume sollte daher in keiner Stallapotheke fehlen und kann in unterschiedlichen Darreichungsformen angewendet werden.

Essenz oder Tinktur

Das ist ein alkoholischer Auszug aus den Ringelblumenblüten und in der Apotheke oder im Drogeriemarkt (z. B. von Weleda) in sehr guter Qualität erhältlich. Grundsätzlich wird die Calendula-Tinktur immer verdünnt mit Wasser verwendet. Am besten man mischt 1:25 – also einen Teil Calendula mit 25 Teilen Wasser. Diese Mischung wird mit Umschlägen äußerlich auf die Wunde aufgetragen, mit einer getränkten Mullbinde die Wunde abgetupft oder auch beträufelt. Auch Angussverbände mit dieser Mischungen haben sich bei Wunden sehr gut bewährt.

Kleine oberflächliche Verletzungen an den Beinen zeigen sich oftmals mit einer Schwellung. Unbehandelt kann hier leicht eine Phlegmone entstehen, also eine eitrige Entzündung der Unterhaut, die im schlimmsten Fall auch zur Sepsis werden kann. Auch hier kann Calendula helfen. Die erste und beste Maßnahme bei einem geschwollenen Bein ist ein Angussverband mit einer Calendula-Wasser-Mischung. Wenn aber trotz des Angussverbands eine Lahmheit, Fieber oder Schmerzen dazu kommen, dann ist selbstverständlich umgehend ein Fachtierarzt zu konsultieren.

Getrocknete Blüten

Eine Handvoll der getrockneten Blüten können als Futterzusatz gegeben werden. Eine Zufütterung mit Ringelblumen hat sich bei chronischen Erkrankungen der Schleimhäute oder auch bei Husten durchaus bewährt.

Aus den Blüten kann man auch sehr einfach eine Sud oder eben eine „starken Tee“ machen, der äußerlich angewendet ebenfalls die Wundheilung gut unterstützt und als „Fußbad“ schon so manche Mauke verbessern oder kurieren konnte.

Die Salbe

Auch die altbekannte Ringelblumen-Salbe kann bei Wunden aller Art sehr gute Dienste leisten. Sowohl in der Humanmedizin, als auch in der Veterinärmedizin werden sogar OP-Wunden mit der Ringelblumen-Salbe versorgt. Grundsätzlich gibt es sehr viele unterschiedliche Salben im Handel, es sollte immer auf eine gute (Apotheker-)Qualität geachtet werden. Die Salbe kann ebenfalls die Heilung von oberflächliche Wunden fördern und macht zudem die vernarbende Haut „weicher und elastischer“, so kann die Wunde nicht nur besser heilen, sondern die Narbe heilt auch schöner.

Globuli

Grundsätzlich sollten Globuli natürlich immer in Absprache mit dem homöopathisch arbeitenden Fachtierarzt erfolgen. Doch bei Hautverletzungen hat Calendula immer einen großen Wundheileffekt, stärkt die lokale Abwehrkraft der Haut und die allgemeine Abwehrkraft des Pferdes sehr. Patientenbesitzer können bei Hautverletzungen zweimal täglich fünf Calendula Globuli D8 geben. So wird die Wundheilung optimal von innen gefördert und das Pferd bestens unterstützt.

Autoren: Dr. med. vet. Petra Weiermayer, Dr. med. vet. Barbara Wieser, Dr. med. vet. Erich Scherr

So kann Homöopathie bei Zahnschmerzen helfen

Viele Menschen haben schon von Kindesalter an Probleme mit den Zähnen, wenige Beneidenswerte erst im fortgeschrittenen Alter. Aber eigentlich bleibt keiner so recht verschont. Die Leiden, die unsere Zähne betreffen können, sind vielfältig: Schmerzhaftes Zahnen im Säuglingsalter, Zahnfleischbluten, Entzündungen, Abszesse und Fisteln am Zahnfleisch, Karies, Eiterherde an der Zahnwurzel, Parodontose sowie neuralgische Zahn- oder Kieferschmerzen. Ursache für die meisten Erkrankungen der Zähne sind Bakterien, die sich im Zahnbelag, auf Zahnstein mit rauer Oberfläche und in tiefen Zahnfleischtaschen ungehindert vermehren. Die Bakterien ernähren sich von den Kohlenhydraten, vor allem von Zucker, die nach dem Essen im Mundraum verbleiben. Als Stoffwechselprodukt scheiden sie Säuren, z.B. Milchsäure aus, diese greift wiederum Zahnfleisch, Zahnschmelz und Zahnbein an. Der Grundstein für Parodontose, Karies und Zahnwurzelentzündungen ist gelegt. Die erste und wichtigste Methode, um die Gesundheit der Zähne und des Zahnfleisches zu erhalten, ist und bleibt das regelmäßige und gründliche Zähneputzen, um Speisereste und zu Zahnbelag (Plaque) entfernt. Eine weitere vorbeugende Maßnahme ist die regelmäßige Kontrolle durch den Zahnarzt, um kariöse Stellen und Entzündungen rechtzeitig zu behandeln und den Verlust des Zahnes zu verhindern. Die Mundhygiene beim Zahnarzt ist ebenfalls ein sinnvolles Mittel gegen Zahnverfall. Dabei wird Zahnstein gründlich und schonend entfernt, etwaige Zahntaschen untersucht und gereinigt. Gerade Personen, die zu häufigem Zahnfleischbluten neigen, sollten einen regelmäßigen Besuch, meist zweimal jährlich für die Mundhygiene einplanen.

Zähne in der Naturheilkunde

Aus naturheilkundlicher Sicht besteht eine enge Wechselbeziehung zwischen Zähnen und Körperorganen. Oftmals finden sich gerade bei chronisch kranken Personen Störzonen (Herde) bei den Zähnen. Potentielle Störfaktoren können Zahnfüllungen und Zahnersatzmaterialien sein (Amalgam, Legierungen, bestimmte Kunststoffe). Aber auch „tote“ Zähne nach Wurzelbehandlung, chronische Zahnfleischentzündungen (Zahnfleischtaschen) oder überkronte Zähne können zu einer Dauerbelastung für den Organismus führen. Das Immunsystem wird durch diese Dauerbelastung erschöpft (Immunschwäche) oder überreizt (Allergie). Besonders bei chronischen unklaren Beschwerden oder Therapieblockaden sollte ein (naturheilkundlich tätiger) Zahnarzt aufgesucht werden.

Erschwertes Zahnen bei Babys

Schon Babys und Kleinkinder leiden oft unter Schmerzen, wenn die Zähne kommen. Als Lokalsymptome treten rotes, geschwollenes und schmerzhaftes Zahnfleisch auf. Der gesamte, empfindliche Organismus kann mit Bauchschmerzen bis zum Durchfall, Ohrenschmerzen, Fieber oder großer Unruhe zusätzlich reagieren.

Homöopathische Arzneien wie Chamomilla recutita, Atropa belladonna oder Pulsatilla pratensis können da wertvolle Hilfe bieten. Wenn sich der Zahndurchbruch verzögert, die Zähne schon krank durchbrechen oder sich beginnende Zahnfehlstellungen abzeichnen, ist eine Konstitutionsbehandlung bei einer Homöopathin oder einem Homöopath sinnvoll. Nach einer ausführlichen Anamnese und Untersuchung kommen dann Arzneien wie Calcium carbonicum, Calcium phosphoricum, Calcium fluoratum, Acidum silicicum und noch viele mehr in Betracht.

Diese homöopathischen Arzneimittel können bei Zahnschmerzen helfen

Die Homöopathie bietet einige bewährte Mittel, um Zahnschmerzen zu lindern. Der Weg zum Zahnarzt bleibt nicht erspart, aber man kann sich mit dem richtigen Mittel gut helfen, bis man die Zahnärztin oder den Zahnarzt seines Vertrauens aufsuchen kann – treten Schmerzen doch gerne mitten in der Nacht, am Wochenende oder im Urlaub auf.

Beginnen intensive Zahnschmerzen plötzlich, vor allem nachts und ist kalter Wind oder kalte Zugluft eine mögliche Ursache der Schmerzen, kann Aconitum napellus rasch Abhilfe schaffen. Zähne und Zahnfleisch sind sehr kälteempfindlich, Betroffene fühlen sich fröstelig und sind sehr unruhig vor Schmerzen.

Treten die pulsierenden Schmerzen ebenso plötzlich auf, das Zahnfleisch ist aber stark entzündet und die betroffene Gesichtshälfte rot, heiß und gar geschwollen, ist Atropa belladonna die richtige Wahl. Auch hier tritt eine Verschlechterung nachts auf.

Chamomilla recutita passt bei Zahnschmerzen, die so heftig und intensiv empfunden werden, dass sie kaum ertragen werden. Eine Wange ist dabei rot und heiß, die andere blass und kühl. Betroffene sind äußerst gereizt und zornig vor Schmerzen und überempfindlich auf Berührung jeglicher Art. Auslöser für diese Zahnschmerzen sind kalter Wind oder eine beginnende Erkältung. Sie treten auch bei schmerzempfindlichen Zahnhälsen auf.

Haben die Zahnschmerzen keine für die Betroffenen ersichtliche Ursache, erscheinen die Zähne eigentlich gesund, dann sollten Sie an Plantago major denken. Dabei strahlen die Zahnschmerzen über das Gesicht bis zu den Ohren aus. Bei warmen oder kalten Speisen und Getränken, Berührung oder Liegen auf der betroffenen Seite werden die Schmerzen stärker. Trotzdem wird die Arznei den Gang zum Zahnarzt nicht verhindern, Ursache kann nämlich eine beginnende Zahnwurzelentzündung oder ein beherdeter Zahn sein.

Unterstützung bei Zahnbehandlung

Auch als Begleitung zu einer zahnärztlichen Behandlung bietet die Homöopathie viele Möglichkeiten. Bei Schmerzen, empfindlichem Zahnfleisch und Zahnfleischbluten nach der Mundhygiene wird Arnica montana helfen. Um die Heilung nach Operationen und Eingriffe im Kieferbereich positiv zu beeinflussen, kommen Arnica montana (Wunden), Hypericum perforatum (Nervenverletzung), Ruta graveolens (Knochen, Knochenhaut), Delphinium staphisagria (Schnittverletzung) oder Symphytum (Knochenaufbau) zur Anwendung.

Arzneimittelbild: Plantago Major – der große Wegerich, Breitwegerich

Die Blätter des Breitwegerichs erinnern in ihrer Form an die menschliche Fußsohle und so leitet sich der Namen Plantago vom Lateinischen „planta“ = Fußsohle ab. Das ebenfalls lateinische Wort „major“ bedeutet „größer“. Wegerich weist auf sein Vorkommen entlang von Wegen hin.

Der Breitwegerich gehört zur Familie der Plantaginaceae (Wegerichgewächse) und ist eine widerstandsfähige, um nicht zu sagen „trittfeste“ krautige Pflanze. Dank seiner bis zu 80 cm langen Wurzeln kann er auf häufig begangenen Wiesenwegen, verdichteten Böden und selbst in Pflasterritzen wachsen. Wegerichpflanzen stammen ursprünglich aus Europa und sind heute weltweit verbreitet. Bodenständige löffelförmige, bis zu handtellergroße und flaumig behaarte Laubblätter bilden eine grundständige Blattrosette. Aus ihr wachsen die Blütenschäfte bis zu 25 cm hoch empor. Sie tragen walzenähnliche, geruchlose und grüngelbe Blütenähren, die bis zu 3 Millionen Pollen pro Ähre produzieren. Diese Pollen werden durch den Wind verbreitet und können Auslöser von Heuschnupfen sein. Blütezeit ist in unseren Breiten von Juni bis Oktober. Die Fruchtstände tragen ab Juli zahlreiche Samen, die als Futterkörner von vielen Vogelarten geschätzt werden.

Inhaltstoffe des Breitwegerich

Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind die Iridoide Aucubin und Catalpol, die zur Abwehr von Fressfeinden dienen und eine antimikrobielle Wirkung haben. Weiters sind Schleimstoffe, Bitterstoffe, Gerbstoffe und Phenolsäuren enthalten. Sie sind für die entzündungshemmende und wundheilungsfördernde Wirkung verantwortlich. Eine antivirale und immunmodulatorische Wirkung legen neuere Studien nahe.

Verwendung der Pflanze

Die gesamte Pflanze kann verzehrt werden. Die Wurzeln werden am besten zu schmackhaftem Wurzelgemüse gekocht. Junge, zarte Blätter als Salat, ältere Blätter in Suppen und Eintöpfen versorgen uns mit Calcium, Mineralien und Vitamin A. Die proteinreichen getrockneten Samen sind eine gesunde Zutat für Müsli und Frischkornbrei. Breitwegerich und der nahe Verwandte Spitzwegerich mit lanzenförmigen Blättern sind verbreitete Volksheilmittel. So soll ein Blatt des Breitwegerichs, als Sohle in die Schuhe gelegt, müde Füße bei Wanderungen erfrischen und schmerzhafte Blasen vermeiden. Bei Wunden, Entzündungen der Haut und Insektenstichen legt man zerquetsche Spitzwegerich- oder Breitwegerichblätter auf die betroffene Stelle. Innerlich werden Zubereitungen der Pflanzen bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut, bei Husten, Bronchitis und Asthma eingenommen.

Plantago in der Homöopathie

Die ganze Pflanze wird gemäß dem Homöopathischen Arzneibuch zur Urtinktur verarbeitet und zum Arzneimittel Plantago potenziert. Die Arznei hat einen Bezug zu neuralgischen Schmerzen im Kopfbereich und zur Blase. Sie gilt als Linksmittel, die Beschwerden treten gehäuft auf der linken Körperseite auf.

Schmerzen im Kopfbereich

Die Arznei hat sich schon vielfach bei Nervenschmerzen im Kopfbereich bewährt, vor allem, wenn sie linksseitig auftreten. Das können z.B. quälende Zahnschmerzen infolge kariöser Zähne oder einer Zahnwurzelentzündung sein. Die Zähne sind empfindlich gegen Berührung und kalter Luft. Die Zahnschmerzen strahlen entweder zum Gesicht oder schießen bis zu den Ohren. Schlechter werden die Schmerzen beim Liegen auf der betroffenen Seite, durch warme oder kalte Getränke. Besser werden die Schmerzen beim Draufbeißen auf den Zahn, also beim Essen. Zusätzlich können Zahnfleischbluten und vermehrter Speichelfluss auftreten. Auch die Kopfschmerzen und Nervenentzündungen des Gesichts treten bei Plantago eher linksseitig und meist im Zusammenhang mit einem Zahnherd auf. Die Schmerzen ziehen bis in die Augen, die Augen tränen verstärkt und Betroffene sind sehr lichtempfindlich.

Blasenbeschwerden

Vermehrte Bildung von Harn und reichlicher Abgang von blassem Harn treiben Betroffene zum häufigen Wasserlassen. Eine mögliche Indikation für Plantago wäre daher Reizblase mit reichlichem Urinieren. Auch in der Nacht stört der Harndrang den Schlaf, durch eine Schwäche der Blasenschließmuskulatur kann noch nächtliches Bettnässen dazu kommen. Laut Arzneibild sind Betroffene sehr durstig und trinken auch viel, was an einen Bezug zu Diabetes denken lässt.

Modalitäten
Verschlechterung durch Zimmerwärme, Hitze, Kälte oder kalter Luft; Berührung, Bewegung; nachts
Besserung durch Essen; Schlaf

Plantago major in der Hausapotheke

Zahnschmerzen

Heftige Zahnschmerzen, Gesichtsneuralgien durch einen Zahnherd, Zahnfleischentzündungen, Zahnwurzelentzündungen; die Ursache wird oft erst durch den Zahnarzt festgestellt; sehr empfindlich gegen Berührungen, bei kalter Luft; Schmerzen strahlen bis zu den Ohren aus
Verschlechterung durch warme oder kalte Getränke; beim Liegen auf der betroffenen Seite Besserung beim Draufbeissen, Essen

Bettnässen

Vermehrte Harnbildung tagsüber und nachts mit häufigem Harndrang; beim Urinieren geht reichlich blasser Harn ab; durch eine Schwäche der Blasenschließmuskulatur auch Bettnässen; Betroffene sind sehr durstig und trinken auch viel

Arzneimittelbild: Carduus Marianus – Mariendistel

Die Mariendistel hat eine lange Tradition in der Kräuterheilkunde bei der Behandlung von Beschwerden der Leber und Galle. Auch in der Homöopathie ist sie als potenzierte Arznei Silybum marianum unverzichtbar bei der Behandlung von Leber– und Gallenwegserkrankungen.

Der Name Mariendistel geht auf eine Legende zurück. Auf der Flucht von Maria, Josef und dem neugeborenen Jesus nach Ägypten sind beim Stillen des Jesuskindes einige Tropfen Muttermilch auf eine unscheinbare Distel am Wegesrand getropft. Seitdem sind die Blätter dieser schönen Pflanze weißgrün marmoriert. Eine weitere Herleitung stammt möglicherweise aus dem Lateinischen. Das Wort „silibon“ bedeutet Quaste und bezieht sich auf die kugelförmige Blüte dieser Distel.

Mariendistel kann eine stattliche Größe bekommen

Die Pflanze gehört zur großen Familie der Asteraceae (Korbblütler), die mit geschätzten 24.000 Arten als eine der größten Pflanzenfamilien gilt. Die ein- bis zweijährige Mariendistel kann eine stattliche Höhe von bis zu 1,5 Metern erreichen. Die großen, dornig gezackten und weiß marmorierten Blättern bilden eine grundständige Rosette mit einem Durchmesser von über einen Meter aus. Der aufrechte Stängel kann verzweigt sein und hat wenige und kleinere Laubblätter.

Die Blüte ist kugelig und erinnert an eine purpurrote Quaste. Blütezeit ist Juli und August. Die befruchteten Blüten bilden schwarzbraunen Samen, die von seidigen, weißen Flughaaren ähnlich den Löwenzahnsamen vom Wind verteilt werden. Die Mariendistel wächst ursprünglich in Südeuropa, Nordafrika und Kleinasien auf warmen, trockenen Plätzen. Sie wird inzwischen weltweit kultiviert. In Österreich zählt die Mariendistel zu den wichtigsten großflächig kultivierten Arzneipflanzen, die größten Anbaugebiete sind im Waldviertel zu finden. Die Mariendistel wurde im Jänner zur Arzneipflanze des Jahres 2021 in Österreich gekürt.

Die Mariendistel liefert viele wichtige Inhaltstoffe

Die heilende Wirkung der Pflanze geht auf die Inhaltstoffe Silymarin und anderen Flavonoiden, Ölen, Schleimstoffen und Bitterstoffen zurück. Sie schützt die Leberzellen vor Vergiftungen (Alkohol, Medikamente, Nahrungs- und Umweltgifte), fördert die Ausheilung geschädigter Leberzellen und regt die Neubildung von Leberzellen an. Die Mariendistel zählt zu den am besten wissenschaftlich untersuchten Heilpflanzen bei Lebererkrankungen.

So kann Carduus Marianus unterstützen

Schon in der Antike war die Mariendistel zur Behandlung von Gelbsucht, Nierensteinen und bei „verstopfter Leber“ als galletreibendes Mittel bekannt. Im Mittelalter wurde die Heilpflanze wahrscheinlich von Mönchen aus dem Mittelmeergebiet über die Alpen gebracht und seitdem hat die Mariendistel ihren festen Platz im Kräutergarten und in der Klosterheilkunde gegen Leberleiden.
In der modernen Phytotherapie, der Heilpflanzenkunde, werden die Samen verwendet, ihre leberheilende Wirkung ist wissenschaftlich anerkannt.

Standardisierte Extrakte aus den Samen haben ihren Einsatz bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen (z.B. Hepatitis), bei degenerativen Prozessen (z.B. Leberzirrhose) und zur Verbesserung der Leberwerte. Bei Knollenblätterpilzvergiftungen als Fertigpräparat in Infusionen innerhalb der ersten 24 Stunden verabreicht, ist die Mariendistel lebensrettend. Begleitend bei der Chemotherapie kann die Heilpflanze vor der Schädigung der Leber schützen und das Allgemeinbefinden und die Lebensqualität deutlich verbessern. Der Tee aus den gemörserten Samen zubereitet lindert Verdauungsbeschwerden und Beschwerden im Zusammenhang mit der Gallenblase.

Silybum marianum – so kann das homöopathische Arzneimittel helfen

Für die homöopathische Arznei werden die reifen, getrockneten Samen gemäß dem Homöopathischen Arzneibuch (HAB) zu einer Tinktur verarbeitet und zur gewünschten Potenz potenziert. Bei der Prüfung des Arzneimittels hat sich der deutliche Organbezug zur Leber, Gallenblase und dem Pfortadersystem bestätigt. Die Arznei gilt als Rechtsmittel, die Beschwerden treten vornehmlich auf der rechten Seite auf. Die Arznei wird meist in den tiefen Potenzstufen D1 bis D6 verwendet.

Geist und Gemüt

Die Arznei wird für Personen mit Cholerischer Konstitution, welche leicht ärgerlich oder gar zornig werden, beschrieben. Im Krankheitsfall kann die Stimmung in eine müde, niedergeschlagene und traurige Verfassung umschlagen, in weiterer Folge werden Betroffene vergesslich und teilnahmslos.

Bei Leberbeteiligung

Der sogenannte Leberkopfschmerz fällt in das Arzneibild von Silybum marianum. Die migräneartigen Kopfschmerzen treten meist halbseitig über dem rechten Stirn- und Schläfenbereich auf. Die Zunge ist weißlich belegt und ein unangenehmer bitterer Geschmack im Mund sind dabei zu beobachten. Begleitend wird ein Schwindel mit dem Gefühl nach vorne zu fallen beschrieben. Trockener Husten, Atemnot und Seitenstechen bei Zwerchfellhochstand und als sogenannter Stauungshusten bei Pfortaderstau und Lebererkrankungen können mit der Arznei gemildert werden. Die Hautsymptome im Arzneibild entsprechen dem Erscheinungsbild der Gelbsucht mit einer schmutzig-gelben Hautfarbe und einem lästigen Juckreiz. Treten blutende, vorfallende Hämorrhoiden oder ein Unterschenkelgeschwür (Ulcus cruris varicosum) im Zusammenhang mit einer Lebererkrankung auf, so ist auch hier eine Verbesserung durch die Arznei zu erwarten.

Verdauung-Leber-Galle

Ein wie schon beschriebener bitterer Geschmack im Mund, unangenehmes Völlegefühl und Übelkeit mit Würgen und Erbrechen einer scharfen, gallenartigen Flüssigkeit sind oft Hinweise auf Leber- oder Gallenblasenerkrankungen und werden in den Arzneimittellehren bei den Verdauungssymptomen aufgezählt. Meist besteht auch eine Abneigung bis zum Ekel gegen Fleisch und gepökelte oder gesurte Fleischprodukte.
Betroffene leiden unter Verstopfung, manchmal im Wechsel mit Durchfall, und aus dem Bauchraum sind rumpelnde und kollernde Darmgeräusche zu hören. Gerade bei Verstopfung sind dann schmerzhafte, blutende Hämorrhoiden die Folge. Die Leber selbst ist gestaut, geschwollen und die Lebergegend ist druckschmerzhaft.
Mögliche Indikationen mit dem beschriebenen Gesamtbild sind Hepatitis, toxische Leberschäden und auch die Folgen einer Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber). Symptome einer Gallenkolik wie bei Gallensteinen mit den heftigen stechenden Schmerzen unter dem rechten Rippenbogen und hoher Berührungsempfindlichkeit werden ebenfalls im Arzneimittelbild aufgezählt.

Modalitäten

Verschlechterung bei Liegen auf der linken Seite; bei Bewegung und Berührung; nach dem Essen und dem Genuss von Bier
Verbesserung bei Ruhe; durch warme Umschläge

Silybum marianum in der Hausapotheke

Der Einsatzbereich der Hausapotheke beschränkt sich auf die begleitenden Behandlung der ärztlichen Therapie bei Leber- oder Gallenwegserkrankungen.

Leberbeschwerden

Drückende Schmerzen, die vom rechten Rippenbogen zum linken Rippenbogen ausstrahlen; die Lebergegend ist druckschmerzhaft; zusätzlich gelbliche Haut mit Juckreiz; auch bei Leberschädigung durch Einnahme chemischer Arzneimittel Verschlechterung bei Druck auf dem Bauch Besserung durch warme Umschläge und Ruhe

Gallenblasenbeschwerden

Heftige kolikartige Schmerzen, die vom rechten zum linken Rippenbogen ausstrahlen; dabei bitterer Geschmack im Mund, Völlegefühl, Übelkeit/Erbrechen Verschlechterung bei Druck auf dem Bauch Besserung durch warme Umschläge und Ruhe

Homöopathie bei Leber- und Gallenbeschwerden

Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung, Verdauungsstörungen und Kopfschmerzen werden meist mit Stress und beruflicher Überforderung in Zusammenhang gebracht. Man sollte bei diesen Symptomen aber auch an eine Störung der Leber denken. Wird nach gründlicher Untersuchung tatsächlich eine Erkrankung der Leber oder Gallenblase festgestellt, kann die Homöopathie wertvolle Unterstützung bieten.

Schon in der Antike galten die Leber als lebensspendendes Organe im menschlichen Körper. Prometheus, der nach der griechischen Mythologie das Feuer zu den Menschen brachte, wurde von Zeus dafür qualvoll bestraft. Der Göttervater kettete Prometheus an den Kaukasus und Tag für Tag fraß ein großer Adler die Leber aus dem Körper von Prometheus, in der Nacht wuchs die Leber wieder nach. Wie in vielen Sagen steckt auch in dieser Überlieferung ein Körnchen Wahrheit, indem die „sagenhafte“ Regenerationsfähigkeit dieses Organs bildlich beschrieben wird.

Zentralorgan Leber

Die Leber ist mit einem Gewicht von 1,5 kg bis 1,8 kg die größte und schwerste Drüse im menschlichen Körper und liegt im rechten Oberbauch. Alles, was wir essen oder trinken landet als Speisebrei in den Darm, wird durch die Darmwand in das Blut aufgenommen und gelangt über das Pfortadersystem in die Leber. Dort wird alles gefiltert, Nützliches gespeichert und umgebaut, Schädliches abgebaut beziehungsweise der Ausscheidung zugeführt.

Einige der umfangreichen Aufgaben der Leber:

  • Entgiftung für körperfremde Substanzen (Alkohol, Medikament, Pestizide) oder körpereigene Substanzen (Ammoniak aus dem Eiweißstoffwechsel; Abbau von Hormonen und verbrauchten Blutkörperchen); wasserlösliche Substanzen werden über die Nieren ausgeschieden, fettlösliche über die Gallenflüssigkeit
  • Stoffwechsel von Kohlenhydraten, Eiweiß und Fetten
  • Speicherorgan für Zucker in Form von Glykogen; Umbau von überschüssigem Zucker in Fette und Speicherung zwischen den Leberzellen; Speicherort für Eisen und fettlösliche Vitamine
  • Synthese von Cholesterin als Ausgangsstoff für Hormone, Gallensäure und Bestandteil der Zellmembranen; Synthese der Blutgerinnungsfaktoren
  • Bildung von bis zu 1 Liter Gallenflüssigkeit pro Tag zur Fettverdauung

Was die Leber krank machen kann

Gelegentliche Notzeiten kann die Leber gut vertragen, der dauerhafte Überfluss macht ihr aber zu schaffen. Und so ist es sehr oft die Lebensführung, die dieses wichtige Organ heutzutage schädigt: ein Zuviel an Süßem und Kohlenhydraten, Fetten und Alkohol, ein Zuwenig an Bewegung und Entspannung. Die Leber verfügt über eine enorme Regenerationskraft, bei einer entsprechenden Ernährungsumstellung zeigt sich oft schon nach wenigen Wochen ein Erfolg. Galle und Gallenblase Die Gallenflüssigkeit wird in der Leber gebildet und in der Gallenblase gespeichert. Nach Bedarf wird sie in den Zwölffingerdarm abgegeben. Sie besteht neben Wasser hauptsächlich aus Gallenfarbstoff (Bilirubin), Homöopathisches: Leber- und Gallenbeschwerden Gallensäure und Cholesterin. Die Gallensäure emulgiert im Darm die Fette aus der Nahrung zu feinsten Tröpfchen, die dann mittels fettspaltenden Enzymen weiter abgebaut und über die Darmwand aufgenommen werden können. Weiters werden über die Galle schwer wasserlösliche Stoffwechselprodukte, Abbauprodukte von Medikamenten sowie nicht benötigte Hormone ausgeschieden.

Gallensteine sind relativ häufig, Frauen sind öfter betroffen als Männer. Sie bilden sich, wenn die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit aus dem Gleichgewicht kommt und Cholesterin oder Bilirubin auskristallisiert. In den meisten Fällen, man schätzt rund 80 %, machen sie jedoch keine Beschwerden und werden zufällig entdeckt. Gelangt ein Gallenstein jedoch aus der Gallenblase in die engen Gallengänge, so tritt typischerweise eine Gallenkolik mit heftigen, krampfartigen Schmerzen im rechten Oberbauch auf. Ist der Abfluss der Gallenflüssigkeit durch einen Gallenstein behindert, staut sich die Flüssigkeit in die Leber zurück und Erkrankungen wie Gelbsucht oder eine Gallenblasenentzündung sind die Folge.

Homöopathie als gute Begleitung bei Erkrankungen von Leber und Galle

Erkrankungen von Leber und Galle sind schwerwiegend und müssen ärztlich abgeklärt und therapiert werden. Therapiegestützt, d.h. zusätzlich zu den verschriebenen Medikamenten, können jedoch homöopathische Arzneimittel eingenommen werden. Sprechen Sie mit einer homöopathisch arbeitenden Ärztin oder Arzt.

Einige der möglichen Arzneien werden im Folgenden kurz vorgestellt.

Silybum marianum (Carduus marianus) kommt zum Einsatz, wenn die Schmerzen im rechten Oberbauch lokalisiert sind und zum linken Rippenbogen ausstrahlen. Zusätzlich tritt Verstopfung oder harter, knolliger Stuhl auf. Die Ursachen sind eine Leberbelastung, eine Vergiftung oder eine Leberentzündung (Hepatitis). Die Lebergegend ist sehr druckempfindlich, das Liegen auf der linken Seite verstärkt die Beschwerden. Ein warmer Umschlag wird lindernd empfunden. Bewährt hat sich die Arznei als Begleitbehandlung bei schulmedizinischen Arzneien, die die Leber belasten.

Gehen die Beschwerden von Leber oder Galle mit Durchfall einher, dann kann Podophyllum peltatum helfen. Dabei tritt der Durchfall vor allem morgens auf, ist wässrig, gelbbraun und schleimig. Das Reiben oder Massieren der Lebergegend wird als wohltuend empfunden.

Bei Schmerzen im Oberbauch und einem Wechsel von Durchfall und Verstopfung kommt Chelidonium majus in Betracht. Die drückenden Schmerzen ziehen sich wie ein Band über den Oberbauch. Zusätzlich wird ein gelblicher Zungenbelag, ein bitterer Geschmack und gelbliche Hautfarbe im Arzneibild beschrieben. Ursache sind Leberschwäche, ein Gallenstau oder eine Hepatitis. Verschlechterung tritt beim Liegen auf der rechten Seite und Druck auf den Bauch auf. Eine Besserung bringen warme oder heiße Speisen und Getränke oder das Liegen auf der linken Seite mit angezogenen Beinen.

Sind die Schmerzen eher im linken Oberbauch und zusätzlich leiden Betroffene unter starken Blähungen, kann Taraxacum helfen. Die Zunge hat einen grauen Belag. Ursache bei Taraxacum ist eine Leberbelastung (falsche Ernährung, Fettes, Alkohol). Bewährt wird die Arznei zur Begleitbehandlung bei Leberentzündung (Hepatitis) eingesetzt. Die Symptome verschlechtern sich in Ruhe, beim Sitzen oder Liegen. Abneigung besteht gegen fettes Essen. Als angenehm wird Berührung und Bewegung empfunden.

Daneben kommen natürlich auch Arzneien wie Bryonia, Lycopodium, Berberis, Belladonna, Chamomilla, Colocynthis oder Dioscorea villosa in Betracht.

 

Neue Studie zur Wirksamkeit von Homöopathie bei Reizdarmsyndrom

Homöopathie wirkt über den Placebo-Effekt hinaus – das belegen zahlreiche hochwertige wissenschaftliche Studien. In unserer Reihe Studien-Monitor stellen wir Forschungsbeispiele vor, die die Wirksamkeit der Homöopathie jenseits des Placebo-Effekts belegen.

Nun gibt es eine weitere interessante Studie aus dem Jahr 2023, die die Wirksamkeit individualisierter homöopathischer Behandlung bei Reizdarmsyndrom beschreibt.

Studie „Homöopathie und Reizdarmsyndrom“ – Thema und Hauptautor 

„Wirksamkeit individualisierter homöopathischer Arzneimittel bei Reizdarmsyndrom“ von Aakash Deep Das, Assistenzprofessor, Department of Repertory, JIMS Homeopathic Medical College & Hospital, Shamshabad, Telangana, Indien

Worum geht es in der Studie und was ist der Mehrwert der homöopathischen Behandlung?

Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist eine der häufigsten Magen-Darm-Erkrankungen mit einer geschätzten weltweiten Prävalenz von 10-20 %[1]. Die klinischen Symptome reichen von chronischen Unterleibsschmerzen bis hin zu verändertem Darmverhalten, ohne dass eine physische oder strukturelle Erkrankung des Darms nachweisbar ist. Ein schweres Reizdarmsyndrom kann die Lebensqualität und den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Und es verursacht überhöhte Kosten im Gesundheitssystem: zum einen durch höhere medizinische Ausgaben (z. B. für diagnostische und therapeutische Verfahren) und zum anderen durch zusätzliche nichtmedizinische Kosten (z. B. für Transporte, familiäre Betreuung oder besondere diätische Anforderungen). Zwar gibt es zahlreiche konventionelle Behandlungsmöglichkeiten für RDS. Diese sind jedoch für viele Patienten nicht zufriedenstellend, weshalb sich Reizdarm-Patienten oft komplementärmedizinischen Verfahren wie der Homöopathie zuwenden.

Die Forschung zu Homöopathie bei RDS umfasste bislang nur eine kleine Anzahl von randomisierten, kontrollierten Studien von nicht sehr hoher Qualität. Aus diesem Grund wurde nun diese hochwertige klinische Studie mit placebokontrolliertem Design durchgeführt.

Wie wurde die Studie durchgeführt? 

  • 60 RDS-Patienten zwischen 18 und 65 Jahren wurden nach dem Zufallsprinzip entweder mit individuell verordneten homöopathischen Arzneimitteln  (n=30) oder mit Placebo (n=30) behandelt.
  • Das Hauptziel der Studie bestand darin, die Lebensqualität der Teilnehmer anhand eines speziell für Patienten mit RDS entwickelten Fragebogens zu bewerten.
  • Ein weiteres Ziel bestand darin, den Schweregrad des Reizdarmsyndroms in beiden Gruppen klinisch zu beurteilen und zu vergleichen. Dazu wurde eine Skala für den Schweregrad der Reizdarmsymptome verwendet, die anhand von Parametern wie Schmerz, Blähungen, Darmstörungen und allgemeinem Wohlbefinden eine Gesamtbewertung erlaubte.
  • Die Patienten wurden 3 Monate beobachtet, die Parameter wurden monatlich bewertet.

Homöopathie bei Reizdarmsyndrom: Was sind die wissenschaftlichen Ergebnisse? 

  • In den Monaten 1, 2 und 3 zeigte sich ein statistisch signifikanter Unterschied im RDS-bezogenen Lebensqualitäts-Score zugunsten der Homöopathie -Gruppe[2] (p<0,001 zu allen drei Zeitpunkten).
  • Der Schweregrad der RDS-Symptome war in der Homöopathie-Gruppe im Vergleich zur Placebogruppe zu allen drei Zeitpunkten[3] signifikant niedriger (Monat 1, p=0,032; Monate 2 und 3, p<0,001).

Warum sind die Ergebnisse dieser Studie wichtig und was tragen sie zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen bei?

Die Studienergebnisse deuten auf eine positive Wirkung einer individualisierten homöopathischen Behandlung bei Patienten mit RDS hin: Im Vergleich zu Placebo war die Lebensqualität besser und der Schweregrad der RDS-Symptome geringer. Angesichts der beeinträchtigenden Symptome des Reizdarmsyndroms und der geringen Patienten-Zufriedenheit mit der konventionellen Behandlung[4] ist es nicht überraschend, dass etwa 50 % der Patienten mit RDS eine komplementärmedizinische Behandlung[5] in Betracht ziehen. Aufgrund der Häufigkeit des Reizdarmsyndroms sind diese Studienergebnisse wichtig, da sie darauf hindeuten, dass Homöopathie eine mögliche Behandlungsoption für viele dieser Patienten sein könnte.

Bislang fehlten qualitativ hochwertige Evidenz für die Wirksamkeit von Homöopathie bei Reizdarmsyndrom, da Studien mit geringer Teilnehmerzahl (kleiner Stichprobenumfang) und kurzen Nachbeobachtungszeiträumen durchgeführt worden waren. Hingegen wurde bei der hier vorgestellten aktuellen Studie das wissenschaftliche Goldstandard-Design der doppelblinden, placebokontrollierten RCT-Studie (randomisierte kontrollierte Studie) angewendet. Die angemessene Stichprobengröße und Nachbeobachtungszeit minimiert Verzerrungen und Störfaktoren, die die Ergebnisse verfälschen könnten. Mit ihrer wissenschaftlich soliden Methodik ist diese Studie ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Evidenzbasis für die homöopathische Behandlung des Reizdarmsyndroms. Die Autoren sprechen sich für die Durchführung weiterer hochwertiger Studien dazu aus.

Wo wurden die Ergebnisse veröffentlicht?

Das AD, Ghosh S, Palanisamy C, Guha N, Mandal S, Maiti S et al. Efficacy of individualized homeopathic medicines in irritable bowel syndrome: A double-blind randomized, placebo-controlled trial. Explore 2023;19:519-527.

  • [1] Basseri RJ, Weitsman S, Barlow GM et al. Antibiotics for the treatment of irritable bowel syndrome. Gastroenterol Hepatol 2011;7(7):455-493.
  • [2] Monat 1: -14.4 ± 3.8, Monat 2: -27.0 ± 4.8, Monat 3: -29.4 ± 5.1
  • [3] Monat 1: -32.4 ± 14.7, Monat 2: -68.0 ± 17.4, Monat 3: -99.5 ± 19.5
  • [4] Shen Y-H, Nahas R. Complementary and alternative medicine for treatment of irritable bowel syndrome. Can Fam Physician 2009;55: 143-148
  • [5] Kong SC, Hurlstone DP, Pocock CY, Walkington LA. The incidence of self-prescribed oral complementary and alternative medicine use by patients with gastrointestinal diseases. J Clin Gastroenterol 2005;39:138-141.

Systematisches Review zur Wirksamkeit der Homöopathie

Dieses Review unter dem Titel Efficacy of homoeopathic treatment systematic review of meta-analyses of randomised placebo-controlled homoeopathy trials for any indication (Systematische Überprüfung von Meta-Analysen von randomisierten placebokontrollierten Homöopathie-Studien für jede Indikation) präsentiert einmal mehr gute Ergebnisse für die Homöopathie

Die wichtigsten Aussagen dieses Systematischen Reviews 

Dies ist das erste systematische Review zu allen 6 vorhandenen Meta-Analysen (MA) von Placebo-kontrollierten Homöopathiestudien für jegliche Indikation. Homöopathie zeigte bessere Ergebnisse als Placebo:

  • 5 der 6 MA enthielten eine Effektschätzung für alle eingeschlossenen Studien. Alle 5 zeigten signifikant positive Effekte der Homöopathie, im Vergleich zu Placebo.
  • 4 MA enthielten eine Effektschätzung nach Beschränkung auf Studien mit höherer methodischer Qualität. In 3 dieser 4 MA blieb die signifikanten positiven Effekte der Homöopathie erhalten, in 1 MA war positive Effekt nunmehr nicht signifikant.
  • Die methodische Qualität der Homöopathiestudien war ähnlich wie bei anderen klinischen Studien mit gleichem Design, aus einem vergleichbaren Zeitraum und bewertet nach gleichen Kriterien. 
  • Die Qualität der Gesamtevidenz für positive Homöopathie-Wirksamkeit in diesem systematischen Review war ebenfalls ähnlich wie in systematischen Reviews zu anderen Interventionen aus einem vergleichbaren Zeitraum und eingestuft anhand desselben Bewertungsinstruments (GRADE).

Systemische Review zeigt gute Ergebnisse für die Homöopathie

Hintergrund und Zielsetzung Seit 1997 wurden mehrere Meta-Analysen (MA) von randomisierten, placebokontrollierten Wirksamkeitsstudien zur Homöopathie bei allen Indikationen (PRETHAIs) mit unterschiedlichen Methoden, Ergebnissen und Schlussfolgerungen veröffentlicht. Eine formale Bewertung dieser Meta-Analysen wurde bisher nicht durchgeführt. Das Hauptziel dieser systematischen Überprüfung dieser Übersichtsarbeit war es, die Wirksamkeit der homöopathischen Behandlung zu bewerten.

Methoden Die Einschlusskriterien waren wie folgt: MAs von PRETHAIs beim Menschen; alle Altersgruppen, Länder, Settings, Publikationssprachen; und MAs, die zwischen dem 1.1.1990 und dem 30.4.2023 veröffentlicht wurden. Die Ausschlusskriterien waren wie folgt: systematische Übersichten ohne MAs; MAs, die auf Alters- oder Geschlechtsgruppen spezifische Indikationen oder spezifische homöopathische Behandlungen beschränkt waren; und MAs, die keine Wirksamkeitsbewertung vornahmen. Wir durchsuchten 8 elektronische Datenbanken bis zum 14. Dezember 2020, mit einer Aktualisierungssuche in 6 Datenbanken bis zum 30. April 2023.

Das primäre Ergebnis war der Effektschätzer für alle eingeschlossenen Studien in jeder MV und nach Einschränkung der Stichprobe
auf Studien mit hoher methodischer Qualität gemäß den vordefinierten Kriterien. Das Risiko einer Verzerrung wurde für jede MA mit dem ROBIS-Instrument (Risk Of Bias In Systematic reviews) bewertet. Die Qualität der Nachweise wurde anhand des GRADE-Rahmens bewertet. Es wurden statistische Analysen durchgeführt, um den Anteil der Studien zu ermitteln, die einen signifikanten positiven Effekt der Homöopathie im Vergleich zu keinem signifikanten Unterschied zeigten.

Ergebnisse Es wurden sechs MAs eingeschlossen, die individualisierte Homöopathie (I-HOM, n = 2), nicht individualisierte Homöopathie (NI-HOM, n = 1) und alle Homöopathiearten (ALL-HOM = I-HOM + NI-HOM, n = 3) abdecken. Die MAs umfassten zwischen 16 und 110 Studien, und die eingeschlossenen Studien wurden zwischen 1943 und 2014 veröffentlicht. Die mittlere Stichprobengröße der Studien lag zwischen 45 und 97 Patienten.

Das Risiko einer Verzerrung (niedrig/unklar/hoch) wurde für drei MAs als niedrig und für drei MAs als hoch eingestuft.
Die Effektschätzer für alle Studien in jeder MV zeigten einen signifikant positiven Effekt der Homöopathie im Vergleich zu Placebo (5 von 5 MV, keine Daten in 1 MV). Sensitivitätsanalysen mit Einschränkung der Stichprobe auf qualitativ hochwertige Studien lagen aus 4 MV vor; der Effekt blieb in 3 der MV signifikant (2 MV bewerteten ALL-HOM, 1 MV bewertete I-HOM) und war in 1 MV (die NI-HOM bewertete) nicht mehr signifikant.

Hier finden Sie die Studie

Hamre HJ, Glockmann A, von Ammon K, Riley DS, Kiene H. Efficacy of homoeopathic treatment: Systematic review of meta-analyses of randomised placebo-controlled homoeopathy trials for any indication. Syst Rev 2023; 12(191). DOI 10.1186/s13643-023-02313-2

Rheuma – eine Krankheit mit vielen Gesichtern

Rheuma, auch rheumatoide Arthritis genannt, bezeichnet eine entzündliche Erkrankung der Gelenke. Der Begriff „Rheuma“ (griechisch ρηειν = fließen) kann übersetzt werden mit „fließenden Schmerzen“. Dabei handelt es sich aber nicht um eine bestimmte Erkrankung, sondern vielmehr um einen Sammelbegriff für die verschiedenartigsten Schmerzen im Bewegungsapparat.

Laut Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger leiden rund zwei Millionen Österreicherinnen und Österreicher an rheumatischen Schmerzen. Betroffen sind dabei vor allem ältere Menschen, bei über 50-Jährigen wird offiziell von 10 % gesprochen, die an der Krankheit leiden, die Dunkelziffer dürfte allerdings deutlich höher liegen. Experten gehen davon aus, dass rund 25 % der +50-Bevölkerung von rheumatischen Beschwerden betroffen sind. Im Alter von 80 Jahren ist fast jeder Mensch von Rheuma betroffen. Zudem gibt es auch die juvenile Arthritis, eine rheumatische Erkrankung, die im Kinder- und Jugendalter auftritt.

Rheuma kann durch viele Faktoren begünstigt werden

Die Ursache für diese Entzündung ist bisher ungeklärt, es wird eine Reaktion des eigenen Immunsystems gegen Gelenkbestandteile angenommen. Rheuma gehört damit zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen. Obwohl Rheuma nicht erblich ist, scheinen erbliche Faktoren das Krankheitsrisiko zu erhöhen. Manche Formen der Arthritis sind auch auf eine Infektion zurückzuführen. Dennoch können die einzelnen Rheuma Formen nicht auf eine einzige Ursache reduziert werden, die Entstehung der Arthrose wird als multifaktorieller Prozess bezeichnet.

Primäre Arthrose und sekundäre Arthrose

Im Hinblick auf die Arthrose-Ursachen wird die sogenannte primäre und sekundäre Arthrose unterschieden. Insgesamt überwiegt die primäre Form, wobei bestimmte Gelenke vorrangig von der sekundären Arthrose befallen werden.

Primäre Arthrose

Bei der primären (idiopathischen) Arthrose ist keine konkrete Ursache für die Krankheit ermittelbar. Dennoch kommt es zu Degenerationsprozessen in den Gelenken und den genannten Beschwerden. Die primäre Arthrose tritt z. B. besonders oft in den Finger- und Kniegelenken auf.

Sekundäre Arthrose

Die sekundäre Arthrose entwickelt sich z. B. infolge von beruflichen oder sportlichen Überbelastungen, orthopädischen Fehlstellungen, Verletzungen oder anderen Grunderkrankungen (z. B. Rheuma, Gicht, Diabetes mellitus). Im Handgelenk und im Sprunggelenk tritt vornehmlich die sekundäre Form der Arthrose auf – in diesen Fällen spielen meist vorangegangene Verletzungen eine wichtige Rolle.

Die Symptome bei Rheuma sind vielfältig

Typische Symptome bei Rheuma sind Schwellungen, Überhitzung, Schmerzen und Steifigkeit der betroffenen Gelenke. Besonders heimtückisch ist dabei, dass die Krankheit, soweit sie nicht ausreichend behandelt wird, bereits innerhalb der ersten Jahre zu irreversiblen Gelenkzerstörungen führen kann. Im Krankheitsverlauf wird einen Teufelskreis in Gang gesetzt, bei dem es zu einem fortschreitenden Verlust der Knorpelsubstanz mit Freilegen des Knochens kommt. Darauf reagiert die Gelenkinnenhaut mit einer Entzündung – einer reaktiven Synovitis („aktivierte Arthrose”). Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen sind die Folge.

Ist die schützende Knorpelschicht völlig verschwunden, sprechen Experten von einer sogenannten Knorpelglatze. In der Folge entstehen knöcherne Veränderungen, die eine Verformung des Gelenks (Arthrosis deformans) verursachen.

Knorpelschaden: Klassifikation

Je nach Ausmaß des vorliegenden Knorpelschadens werden gemäß der Klassifikation nach Outerbridge vier Stadien unterschieden:

  • Stadium I: Knorpelerweichung, Oberfläche intakt
  • Stadium II: Oberflächlicher Knorpelschaden mit Einrissen
  • Stadium III: Tiefergehender Knorpelschaden
  • Stadium IV: Knochenglatze: Der Knorpel ist bis zum Knochen abgenutzt, der Knochen liegt frei.

Vielfältige Behandlungsmöglichkeiten

Heilbar ist Rheuma nicht, leider – aber es gibt sehr viele gute Methoden die Erkrankung im Zaum zu halten. Wie es zahlreiche Rheumaerkrankungen gibt, so gibt es auch zahlreiche Behandlungen. Die konventionelle Medizin setzt vor allem auf Cortison, Methotrexat und Biologika  – aber auch die Homöopathische Medizin kann der Erkrankung entgegenwirken. 

Dr. Erfried Pichler, er ist Arzt für Allgemeinmedizin und Homöopathie erklärt: „Unter dem Begriff ,Rheumatischen Formenkreis’ werden rund 400 klinische Diagnosen zusammengefasst. So vielfältig die Erkrankung, so vielfältig die Anwendung der homöopathischen Arzneimittel. Der entzündliche Rheumatismus muss im Sinne der Integrativen Medizin therapiert werden, das bedeutet, konventionelle und komplementäre Medizin müssen gut zusammenarbeiten. Dadurch lassen sich die Wirkungen der Behandlungen verbessern sowie die Nebenwirkungen vermindern. Der degenerative Rheumatismus (Abnützungen an Sehnen, Bändern, Gelenken, – Arthrosen) spricht aufgrund meiner jahrzehntelangen Erfahrung sehr gut auf homöopathische Behandlungen an.“

Homöopathische Behandlung bei Rheuma ist kostengünstiger

Ein weiterer Vorteil der Zusammenarbeit von konventioneller und komplementärer Medizin ist die Kostenfrage. Denn Rheumapatienten müssen oftmals Therapien selbst bezahlen. „Diese Therapien können ziemlich teuer sein“, weiß Dr. Pichler, „Medikamentenkosten von 300,- Euro pro Woche sind hier keine Seltenheit!“ Die Kosten für homöopathische Arzneimittel machen hingegen häufig nur einen Bruchteil aus.

Tipps des Mediziners

Ein gesunder Lifestyle ist auch für Rheumapatient:innen wichtig. Viel Trinken, ausreichend Bewegung und kluge Ernährung sind die Basis für eine gesunde Zukunft. Darüber hinaus können manche Probleme mit Hausmittel verbessert werden: Umschläge mit Kohlblätter , Topfen und Heilerde sind oftmals hilfreich.

Und  natürlich kann auch die Homöopathie unterstützen. Zur Verfügung stehen verschiedene homöopathische Arzneimittel, die erfahrungsgemäß  bei Rheuma eine gute Hilfe bieten. Das gilt vor allem im frühen Stadium der Erkrankung. Das heißt, wenn die jeweilige Rheuma-Erkrankung noch nicht sehr weit fortgeschritten ist.

Homöopathisch kann man im Grunde genommen verschiedene schmerzhafte Rheuma-Beschwerden und Erkrankungen der Muskeln, Sehnen und Gelenke behandeln. Hingegen gibt es bei Versteifungen, Muskelatrophien sowie Gelenkdeformationen keine Hilfe. Allerdings lässt sich durch die Homöopathie auch das Entzündungsgeschehen gut beeinflussen.

So kann die Homöopathie bei Rheuma helfen

Wichtig: Gerade bei schwerwiegenden Erkrankungen ist von einer Selbstbehandlung abzusehen. Bitte wenden Sie sich an eine(n) erfahrene Ärztin/Arzt mit Zusatzausbildung Homöopathie – die Wahl der richtigen homöopathischen Arzneimittel entscheidet über Erfolg oder Misserfolg.

Dr. Erfried Pichler betreut seit vielen Jahren Menschen mit rheumatischen Erkrankungen durch den Einsatz mit Homöopathie. Er hat für die Initiative „Homöopathie hilft”! eine Auswahl gängiger Homöopathika zusammengefasst, die bei rheumatischen Erkrankungen infrage kommen können.

  • Caulophyllum thalictroides Wenn die Schmerzen dazu neigen, von einer Körperpartie zur anderen zu wandern, die kleinen Gelenke (Finger-, Hand-, Zeh-, Fußgelenke) sowie die Bandscheiben öfter betroffen sind. Die Schmerzen treten zeitweise unerträglich auf, werden in der Kälte heftiger, wohingegen sie sich in der Wärme oder während der monatlichen Blutung vermindern.
  • Dulcamara Wenn feuchte Kälte größere Schmerzen auslöst, die Schmerzen in den Muskeln oder den Gelenken sitzen, die entzündeten Partien kalt sind und der Betroffene /die Betroffene häufig das Bedürfnis hat, die schmerzenden Partien zu bewegen. Es sind stumpfe Schmerzen, und wenn die Muskeln befallen sind, werden die Glieder schwach und schwer empfunden.
  • Formica rufa Gilt als das Mittel der Wahl bei Rheuma in den kleinen Gelenken.
  • Kalium jodatum Wenn die Schmerzen nachts bei warmem und feuchtem Wind verstärkt auftreten. Bewegung schafft Erleichterung.
  • Kalium sulfuricum Wenn der Betroffene/die Betroffene längere Zeit in einem Zimmer ist und dabei die chronischen Schmerzen schlimmer sind. Sie lassen nach, wenn er an die frische Luft geht.
  • Kalmia Wenn sich die stechenden Schmerzen auf alle Gelenke erstrecken und nicht genau zu lokalisieren sind.
  • Ledum palustre Wenn die Schmerzen durch die Wärme des Bettes stärker werden. Kälte und kalte Umschläge verschaffen hier Erleichterung. Oft ist die Haut der betroffenen Körperpartien geschwollen, bläulich und wie geädert. Die Erkrankung fängt in der Regel an den Füßen an und steigt – insbesondere die kleinen Gelenke werden dann von stechenden Schmerzen befallen. Auch ein Kältegefühl in den betroffenen Körperteil wird immer wieder verspürt.
  • Natrium sulfuricum Wenn die Schmerzen chronisch sind und bei Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit sich verstärken. Nimmt der Betroffene abrupt eine andere Körperhaltung ein, werden die Schmerzen oft stärker. Nicht selten ist der/die Kranke reizbar.
  • Toxicodendron quercifolium (Rhus toxicodendron) Wenn die chronischen Schmerzen in Sehnen und Gelenken auftreten, morgens die ersten Bewegungen besonders schmerzhaft sind, wenn der Betroffene oft das Bedürfnis hat, seine Körperhaltung zu ändern. Nicht selten werden seine Schmerzen nach Mitternacht und bei bedeckten Himmel stärker und nehmen nach einer Massage ab.
  • Artemisia abrotanum Wenn der Betroffene schwach und abgemagert ist, die entzündeten Gelenke starr und geschwollen sind. Die Beschwerden treten häufiger auf, wenn die Luft kalt und feucht ist und Nebel herrscht.
  • Bryonia alba Wenn die entzündeten Gelenke blass und glänzend sind und jegliche Berührung, Bewegung sowie Wärme stärkere Schmerzen auslösen, der Betroffene Fieber hat und schwitzt. Das Schwitzen kann jedoch (bei kühler Temperatur) eine gewisse Linderungen bringen. Vor allem Ruhe bessert die Beschwerden.
  • Causticum Hahnemanni Wenn die betroffenen Gelenke steif, entstellt, schwach sind und eine leichte Lähmung aufweisen. Die Symptome sind bei kalter Witterung schlimmer (häufig sind dann auch die Muskeln steif)
  • Colchicum autumnale Wenn das Gelenk geschwollen ist und bei Berührung sehr empfindlich reagiert, die geringste Bewegung Schmerzen auslöst. Durch warme Umschläge und Wärme insgesamt tritt eine Besserung auf. Oft ist der Patient entkräftet und leidet unter Muskelkater.
  • Ginseng Wenn der/die Betroffene schwach und steif ist und die Gelenke stets verspannt sind.
  • Lithium carbonicum Wenn die chronischen Gelenksschmerzen häufig von Depression und von ergiebigem (manchmal trüben) Harnlassen begleitet werden. In einigen Fällen ist die Haut trocken. Außerdem neigen besonders die kleinen Gelenke dazu, deformiert zu werden. Oftmals ist auch die Nasenspitze rot und geschwollen.

So hilft Homöopathie bei Rheuma: zwei Fallbeispiele von Dr. Pichler

Anhand von zwei Fallbeispielen kann Dr. Erfried Pichler zeigen, wie hilfreich die richtig gewählten homöopathischen Arzneimitteln sind.

Fallbeispiel 1: Entzündliches Rheuma einer 32-jährigen Sportwissenschaftlerin

Dr. Erfried Pichler: „Als Hauptmittel bekam sie Toxicodendron quercifolium in C12 und Hochpotenzen. Dieses Arzneimittel kann sowohl im Akutzustand als auch bei chronischen Erkrankungen eingesetzt werden, wenn Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparates vorhanden sind, die sich bei Bewegung und Wärme bessern. Begleitend bekam die Patientin noch verschiedene andere Homöopathika.

Ergebnis: Innerhalb kurzer Zeit trat eine so deutliche Verbesserung der gesamten Entzündungssymptomatik ein, dass die junge Frau bereits nach wenigen Monaten wieder in der Lage war, mehrere Kilometer zu joggen. Im weiteren Behandlungsverlauf traten Schmerzen in den Zähnen auf, wobei ein Zahn gezogen werden musste. In der Folge der Zahnsanierung und mit homöopathischer Unterstützung gingen die Entzündungen der Gelenke fast vollständig zurück, sodass die Patientin bereits wieder einen Halbmarathon laufen konnte.

Kosten: Die Behandlungsdauer betrug sieben Monate, die Kosten für die homöopathischen Arzneien lagen im zweistelligen Euro-Bereich. Die Kosten für Arztkonsultationen sind bei herkömmlichen und homöopathischen Therapien vergleichbar. Da die Patientin gewerblich versichert ist, entstanden ihr keine zusätzlichen Ausgaben.

Fallbeispiel 2: rheumatoide Arthritis, pensionierte Chefsekretärin, Jahrgang 1940

Dr. Erfried Pichler: „Seit 1995 sind Morgensteifigkeit und schmerzhafte Schwellungen der Finger- und Handwurzelgelenke sowie der Schultergelenke allgegenwärtig. Durch Bewegung und Wärme verbessern sich die Symptome. Die Patientin leidet aber auch unter einer inneren Unruhe.

Therapie mit Toxicodendron quercifolium D 12 2×5 Globuli. Dadurch kommt es zur wesentlichen Bewegungsbesserung und Reduktion der Schwellungen. Bei starken Schmerzen, die ein- bis zweimal pro Woche eintraten, zusätzlich ein sehr niedrig dosiertes Nichtsteroidales Antirheumatikum.

Ab 2007 wegen Schlafstörungen, Herzbeschwerden (Abklärung: milder Hypertonus) zusätzlich Kalium carbonicum C 12 morgens. Die Gelenksdeformationen haben seit 1995 kaum zugenommen.

Die konventionelle Schmerzmedikation ist gleichgeblieben.

2016: Die homöopathische Medikation ist unverändert. NSAR wird in der kalten Jahreszeit etwas öfter benötigt (ca. 3x/Woche).

Fazit: Es kam zu keiner wesentlichen Verschlechterung des Rheumas innerhalb von zwanzig Jahren durch homöopathische Therapie.