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Erkältung homöopathisch behandeln

Nasses Wetter, eisiger Wind, hustende und schnupfende Mitmenschen – leicht fängt man sich in der kalten Jahreszeit eine Infektion ein. Nicht gleich ein Fall für eine Antibiotikatherapie! Im Akutfall rasch eingesetzt, verhindert die homöopathische Medizin eine Verschlimmerung der Erkrankung und lindert die Symptome.

Die Heftigkeit eines grippalen Infektes hängt mit dem Zustand des Immunsystems zusammen. Ebenso wie schlechte Ernährung und mangelnde Bewegung, machen uns Stress und Hektik krankheitsanfälliger. Daher gehört die Stärkung des Immunsystems zu den grundlegenden Präventivmaßnahmen: zuerst einmal durch gesunde, vitaminreiche Ernährung, ausreichend Bewegung an der frischen Luft, Abhärtung durch Sauna und Kneipen sowie durch ausreichend Ruhe und gesunden Schlaf. Bei den ersten Anzeichen einer Erkältung, wie zum Beispiel ‚Frösteln am Abend‘, sollte so rasch wie möglich mit der Gabe einer homöopathischen Arznei reagieren!

Die homöopathische Wirkung zielt nicht auf eine spezielle Erkrankung oder einen speziellen Erreger ab, sondern sie regt die Selbstheilungskräfte des Körpers an.

Erkältung – mit Homöopathie behandeln

Ein typisches Beispiel: Wie so oft im Herbst, kam die Erkältung ganz plötzlich. Tagsüber hat Julian noch fröhlich im Wind gespielt und Drachen steigen lassen, abends hat er bereits etwas gefröstelt, nachts wacht der Vierjährige mit trockenem, harten Husten auf und hat hohes Fieber. Die Heftigkeit des Infekts ist überraschend. Das Fieber ist auf 39,5 Grad Celsius, der Kopf des Buben ist rot, sein ganzer Körper trocken und heiß. Unruhig wirft er sich im Bett hin und her, strampelt die Bettdecke weg und hat großen Durst auf kaltes Wasser. Ängstlich fragt er seine Mutter: „Was ist mit mir los? Habe ich etwas Schlimmes?“
Aus homöopathischer Sicht liegt hier eindeutig ein Fall für Aconitum vor. Durch kalten Wind verursacht, im Verlauf brisant: Frösteln, nachfolgend rascher Fieberanstieg, hohes Fieber, roter Kopf, trockener Mund, großer Durst auf kalte Getränke, Angst und Unruhe.

Einmal bleibt es beim Kratzen im Hals, raue Stimme und leichte Schluckbeschwerden; nach ein paar Lutschbonbons ist der Spuk in zwei, drei Tagen vorbei. Ein anderes Mal verläuft die Krankheit heftiger mit starken Schmerzen und sogar Fieber. Und manchmal sind die Halsschmerzen nur der Auftakt für einen grippalen Infekt, der einen zu ein paar Tagen Bettruhe zwingt.
Genau dieses Krankheitsbild würde jeder Gesunde bekommen, wenn er die Blauer Eisenhut, Sturmhut (Aconitum napellus) in homöopathischer Zubereitung, einige Tage 5 Globuli in der D 30 zu sich nehmen würde. Wir nennen diesen Vorgang Arzneimittelprüfung.

Grippale Infekte homöopathisch behandeln - © Nico Bekasinski/stock.adobe.com
© Nico Bekasinski/stock.adobe.com

Häufigste Anwendungsgebiete für homöopathische Arzneimittel

Erkältungen und grippale Infekte (31 %), Husten (30 %) und Schnupfen (28 %) gehören zu den häufigsten Beschwerden und Krankheiten, bei denen Homöopathika zur Anwendung kommen. Das geht aus einer Studie hervor, die im Jänner 2012 von GfK Austria Health Care und der Dr. Peithner KG bei 2.000 ÖsterreicherInnen ab 15 Jahren durchgeführt wurde.

Homöopathie: Besonders beliebt bei Frauen und Familien

Besonders beliebt ist diese Behandlungsmethode beim weiblichen Geschlecht: Während im Jahr 2011 rund 36 Prozent der Männer zu Homöopathie gegriffen haben, waren es bei Frauen sogar 63 Prozent. Frauen zwischen 30-39 Jahre sind hier mit 71 Prozent Spitzenreiter. Rund zwei Drittel aller Familien mit Kleinkindern (69 %) und Schulkindern (62 %) haben im letzten Jahr homöopathische Mittel angewendet.

Ausführliche Anamnese ist immer wichtig

Bei akuten Krankheiten beachten wir das sogenannte „Vollständige Lokalsymptom“, das heißt: was ist das für eine Krankheit, seit wann besteht sie, was bessert/verschlechtert sie, unter welchen Umständen ist sie entstanden? Dann folgt ein ausführliches Gespräch über Allgemeinsymptome, wie Appetit, Schlaf, Wärme-/Kälteempfinden.

Bei länger bestehenden Erkrankungen fragen wir noch zusätzlich nach Vorerkrankungen, anderen Neigungen des Patienten, krank zu sein, nach Charaktereigenschaften, nach Ängsten des Patienten und finden für alle Beschwerden eine einzige Arznei. Es entsteht in unserem Kopf das Bild der Krankheit, das in Übereinstimmung zum Arzneimittelbild gebracht wird. Die Wahl der Potenz ist einerseits abhängig von der Ebene der Störung – körperlich oder psychisch – andererseits von der Energielage des Patienten.

Grenzen der Homöopathie

Durch den Einsatz homöopathischer Mittel lassen sich viele Symptome des grippalen Infekts gut behandeln – aber jede Heilmethode hat auch ihre Grenzen. Wir haben immer das Wohl des Patienten im Auge: Beispielsweise erfordert eine Angina mit dicken, weißen oder grünen Belägen die Gabe von Antibiotika. Liegt jedoch nur eine einfache Mandelentzündung vor, können homöopathische Arzneien gegeben werden. Unbedingt nötig ist jedenfalls eine Kontrolle am nächsten Tag, um den Verlauf der Erkrankung und das Ansprechen des Patienten auf die Behandlung sorgfältig überwachen und begleiten zu können.

Weitere Mittel gegen virale Infekte finden Sie in unserer Arzneimitteldatenbank

Autorin: Dr. Gloria Kozel
Ärztin für Allgemeinmedizin, Graz, ÖÄK Diplom Komplementäre Medizin: Homöopathie

 

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Der Bewegungsapparat – chronische Leiden

Funktionelle Störungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates und der Wirbelsäule zählen zu den häufigsten Ursachen für Krankenstände. Die Homöopathie kann auch hier bei akuten und chronischen Beschwerden wirksame Hilfe leisten. Sie ist gut verträglich und problemlos mit anderen Medikamenten kombinierbar.

Die Beschwerdebilder sind vielfältig: Das Spektrum reicht von Einschränkungen der Gelenksbeweglichkeit oder Verletzungen von Gelenkskapseln, Sehnen und Bändern bis zu Osteoporose, Arthrosen oder Bandscheibenvorfällen. Eine homöopathische Behandlung ist auch bei chronischen Erkrankungen sinnvoll. Dasselbe gilt für bestimmte Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, bei denen das Immunsystem körpereigene Strukturen und Gewebe angreift (sogenannte Autoimmunerkrankungen).

Homöopathie hilft!

In der Frühphase chronischer Erkrankungen kann die Chronifizierung mit Hilfe von Homöopatika vielfach verhindert, d.h. eine Umstimmung herbeigeführt werden. Häufig können aber auch herkömmliche Medikamente durch eine konsequente homöopathische Therapie reduziert und damit ihre oft schweren Nebenwirkungen ebenfalls verringert werden. Hier liegen auch die großen Vorteile homöopathischer Arzneimittel: Sie können problemlos mit herkömmlichen Medikamenten kombiniert werden und Unverträglichkeiten kommen so gut wie nie vor.

Chronische Leiden des Bewegungsapparats - © Екатерина Арцыбашева/stock.adobe.com
© Екатерина Арцыбашева/stock.adobe.com

Ganzheitliche Therapie

Oft führt die Kombination von Homöopathie und anderen (ganzheitlichen) Therapiekonzepten zum gewünschten Erfolgt. So können beispielsweise eine Sanierung der Darmflora – sie wird durch die Einnahme von herkömmlichen Arzneimitteln oft in Mitleidenschaft gezogen – und eine Entsäuerung des Organismus erforderlich sein. Bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises ist auch ein vernünftiges Ernährungskonzept wichtig.
In jedem Fall bedarf es bei chronischen Erkrankungen eines klaren Therapiekonzepts sowie Geduld und einer aktiven Beteiligung seitens der PatientInnen. Von einer Selbstmedikation ist hier auf jeden Fall abzuraten.

Weitere Mittel für Beschwerden am Bewegungsapparat finden Sie in unserer Arzneimitteldatenbank

Video: Dr. Peter Kurt Österreicher: Therapie von chronischen Beschwerden am Bewegungsapparat

Autor: Dr. Peter-Kurt Österreicher
Arzt für Allgemeinmedizin und Ganzheitsmediziner (ÖÄK-Diplome: Akupunktur, Homöopathie, Psychosoziale Medizin, Sportmedizin) in Traiskirchen sowie Leiter des Referats für Komplementärmedizin der Ärztekammer Niederösterreich

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Mit Homöopathie zur erfolgreichen Raucherentwöhnung

Rauchen ist nicht nur ungesund und teuer, sondern führt auch zu einer extrem schnellen Hautalterung. Obwohl das Wissen über die negativen Folgen des Nikotinkonsums weit verbreitet ist und der Körper Tabak nicht zum Überleben braucht, empfinden viele Raucher das Zigarettenrauchen als Grundbedürfnis. Wir klären darüber auf, warum das so ist und wie eine erfolgreiche Raucherentwöhnung mit Homöopathie gelingen kann.

Warum fällt Rauchern der Tabakstopp so schwer?

Der Grund, warum es so schwierig ist, mit dem Rauchen aufzuhören, ist das Nikotin – der eigentliche Suchtstoff in der Zigarette. Wird zu Tabak gegriffen, erreicht das Nikotin innerhalb weniger Sekunden das Gehirn. Dort werden Botenstoffe freigesetzt, die für die Effekte verantwortlich sind, welche Raucher so schätzen. Diese Hormone werden auch bei vielen anderen Gelegenheiten erzeugt, doch Raucher verbinden die dadurch hervorgerufenen angenehmen Gefühle mit dem Nikotinkonsum. Da die Wirkung von Nikotin rasch nachlässt, rutscht die Stimmung relativ schnell wieder in den Keller und die Lust auf die nächste Zigarette steigt.

Neben der körperlichen Tabakabhängigkeit macht auch die psychologische Abhängigkeit, also die Gewohnheit, eine erfolgreiche Raucherentwöhnung kompliziert.

Mit Homöopathie zur erfolgreichen Raucherentwöhnung - © Fukume/stock.adobe.com
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Die Folgen des Rauchens

Nikotin ist jedoch nicht nur ein Suchtmittel, sondern auch ein stark wirksames Gift. Die beim Rauchen aufgenommenen Mengen reichen zwar in der Regel nicht für eine lebensbedrohliche Vergiftung aus, sind aber grundsätzlich schädlich.

Die giftigen Stoffe im Zigarettenrauch schädigen beim Einatmen auf dem Weg durch den Körper so gut wie jedes Organ. Neben Zahnschäden und einer beschleunigten Hautalterung, setzen sich Raucher auch dem großen Risiko aus, abhängig und krank zu werden. Zu den möglichen langfristigen Folgen des Rauchens zählen unter anderem Krebserkrankungen, chronische Bronchitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Da sich schwere gesundheitliche Folgen häufig nur langsam entwickeln, wiegen sich Raucher oft viel zu lange in Sicherheit.

Gute Gründe für ein rauchfreies Leben

Der Rauchstopp ist für viele Menschen alles andere als leicht. Vor allem die ersten Tage nach dem Aufhören sind schwer. Doch im Körper läuft schon bald die Reparatur-Maschine an. Schon 20 Minuten nach der letzten Zigarette pendeln sich Puls und Blutdruck auf einem normalen Niveau ein und die Durchblutung verbessert sich. Innerhalb des ersten Tages steigt zudem auch die Sauerstoffversorgung der Organe und das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden geht bereits etwas zurück. In den nächsten Wochen normalisiert sich nicht nur der Geschmacks- und der Geruchssinn, es kommt auch zu Verbesserungen des Kreislaufs und der Lungenfunktion.

Bereits nach ein Jahr ohne Zigaretten sinkt das Risiko einer koronaren Herzkrankheit auf die Hälfte des Risikos eines Rauchers. Fünf Jahre nach der erfolgreichen Raucherentwöhnung ist auch die Gefahr an Mund-, Rachen- oder Speiseröhrenkrebs zu erkranken, nur mehr halb so groß. Nach 2-5 Jahren kann das Schlaganfallrisiko auf das eines Nichtrauchers fallen. Nach 10 rauchfreien Jahren ist auch das Lungenkrebsrisiko deutlich geringer. Die Wahrscheinlichkeit, an Lungenkrebs zu sterben ist dann nur noch etwa halb so hoch wie das einer Person, die noch raucht.

Es ist also nie zu spät, um mit dem Rauchen aufzuhören!

Wie die Raucherentwöhnung gelingen kann

Je nachdem, wie stark die Tabakabhängigkeit ausgeprägt ist und wie hoch die Motivation zum Aufhören vorhanden ist, gibt es verschiedene Ansätze wie Raucherentwöhnung erfolgreich sein kann.

Es ist empfehlenswert sich näher über die Raucherentwöhnung zu informieren, um gut auf den Rauchstopp vorbereitet zu sein. Dann muss ein Datum für den ersten Tag als Nichtraucher gefunden werden – je früher, desto besser! Die ersten Tage nach der letzten Zigarette sind wegen der Entzugserscheinungen die unangenehmsten. Doch Symptome wie erhöhte Reizbarkeit und das unbändige Verlangen zu rauchen, legen sich bereits nach kurzer Zeit.

Auch eine Verhaltenstherapie kann zu einem erfolgreichen Leben als Nichtraucher beitragen. Betroffene erarbeiten mit Therapeuten in Einzel- oder Gruppensitzungen, was bei ihnen das Verlangen nach einer Zigarette auslöst und wie Risikosituationen bewältigt und Rückfälle vermieden werden können.

Um eine Entwöhnung zu unterstützen, können in einigen Fällen auch Medikamente oder Nikotinersatzpräparate zur Anwendung kommen. Diese können helfen mit eventuell auftretenden Entzugssymptomen besser umzugehen. Ein Ersatz für eine aktive Veränderung des Rauchverhaltens stellen Medikamente zur Raucherentwöhnung und eine Nikotinersatztherapie jedoch nicht dar.

Hier können Anlaufstellen für die Raucherentwöhnung gefunden werden.

Nichtraucher werden mit Unterstützung durch Homöopathie

Auch in der Homöopathie haben sich Arzneimittel etabliert, die bei der Tabakentwöhnung unterstützend wirken können. Welches das individuell richtige Präparat ist, wird anhand der Arzneimittelbeschreibung ausgewählt. Zur Unterstützung einer erfolgreichen Raucherentwöhnung werden häufig folgende Arzneien verwendet:

  • Nux vomica: Bei Verlangen nach Zigaretten, Kopfschmerzen, Reizbarkeit, Übelkeit und Verstopfung.

Leitsymptome: Extrem reizbar, leicht zornig, sehr leicht beleidigt, sehr ehrgeizig, häufig erfolgloser Stuhldrang

  • Staphisagria (Staph.): Bei unterdrückter Wut, leichter Kränkbarkeit und Schlafstörungen.

Leitsymptome: Verlangen viel zu rauchen, der Betroffene will immer rauchen; Schlaflosigkeit nachts & sehr schläfrig tagsüber; Unterdrückung von Gefühlen: Kränkung, Demütigungen, Kummer, Ärger; sagt schwer „Nein“ und lässt Zorn schwer zu

  • Tabacum: Bei Schwindel, Blässe, starker Übelkeit und kaltem Schweiß.

Leitsymptome: Frische Luft wird als wohltuend empfunden

  • Ignatia: Bei wechselnden seelischen und körperlichen Beschwerden, starken Stimmungsschwankungen und Nervosität.

Leitsymptome: Auffallende, schnell wechselnde Gemütszustände; Der Betroffene will ständig seine inneren Konflikte lösen + denkt lange darüber nach; Seufzt häufig; Folge von enttäuschter Liebe, akutem Kummer; Hat das starke Gefühl, einen Fehler gemacht zu haben

  • Caladium seguinum: Bei Übelkeit und entzugsbedingten Gliederschmerzen.

Leitsymptome: Starkes Verlangen nach Nikotin & trinkt viel Kaffee

Leitsymptome: Nächtliche Ruhelosigkeit & häufiges Wälzen im Bett & Bedürfnis nachts öfter aufzustehen; Bewegungsdrang bei Schmerzen, da dies zu Besserung führt; Starkes Verlangen nach kalter Milch

Um dem nach Unterstützung suchenden Menschen bestmöglich helfen zu können, sollte immer die Gesamtheit von Körper, Geist und Seele betrachtet werden. Deshalb machen sich Homöopathen ein möglichst genaues Bild von ihren Patientinnen und Patienten. Ärztinnen und Ärzte mit Zusatzausbildung in Homöopathie können über die Arztsuche der ÖGHM oder die Ärzteliste der ÄKH gefunden werden.

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Wechselwirkung von Psyche und Körper – wie Homöopathie das Gleichgewicht unterstützt

Nach einer kurzen Atempause, in der die Pandemiebekämpfung die Welt zum Stillstand zwang, hat das Leben wieder sein gewohntes Tempo zurückgewonnen. Der Alltag der meisten Menschen ist hektisch und durchgetaktet. Von einem Meeting geht es zum nächsten Termin und nach der Arbeit warten Haushalt, Familie und Freizeittermine. Stress und Überforderung führen bei immer mehr Menschen zu einer seelischen Belastung. Zusammen mit grauem Herbstwetter und längeren Nächten zeigen sich bei Vielen immer häufiger Symptome psychischer Beschwerden. Diese äußern sich dann leider oft auch in körperlichen Leiden, wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Nervosität oder Magen-Darm-Beschwerden. Die Wechselwirkung von Psyche und Körper ist vielen Menschen nicht bewusst – aber ein essenzieller Bestandteil der homöopathischen Behandlung.

Die Wechselwirkung von Psyche und Körper

Die Homöopathie ist eine ganzheitliche Behandlungsmethode und bezieht neben der Betrachtung der akuten körperlichen Symptome auch das soziale Umfeld des Patienten und dessen seelisches Befinden mit ein. Nicht selten finden sich Ursachen körperlicher Beschwerden in der Psyche.

Psyche & Körper im Gleichgewicht - © peterschreiber.media/stock.adobe.com
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So beeinflusst der Körper die Psyche

Mobile Geräte und eine flächendeckende Internetverbindung verleiten dazu, ständig erreichbar zu sein. Aufgaben sollten am besten stets sofort erledigt werden und selbst im Feierabend sind unsere Gehirne durch Fernsehen oder soziale Medien einer ständigen Reizüberflutung ausgeliefert. Wirklich abzuschalten und zu entspannen fällt schwer. Oftmals scheint es schier unmöglich Familie, Haushalt, Arbeit und Freizeit unter einen Hut zu bringen. Ein gewisser gesellschaftlicher Druck und damit einhergehend ein permanenter Stress gehören dazu. Doch unterschätzt man oftmals, welche Auswirkungen eine andauernde Überforderung auf unseren Körper hat. Seelische Beschwerden und selbst traumatische Erfahrungen werden oft einfach unterdrückt oder heruntergespielt. Bis es zu chronischen körperlichen Leiden kommt, die immer wieder auftreten, deren Ursachen jedoch nicht gefunden werden können.

Beispiele körperlich-psychischer Leiden

Diese körperlichen Äußerungen psychischer Belastung sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich, doch häufig kommt es zu ähnlichen Symptomen. So kann Stress und Überforderung zu Kopfschmerzen, Nervosität und Unruhe führen. Unterdrückte Magenschmerzen von zu vielen Ängsten und Sorgen können nach einiger Zeit auch zu chronischen Erkrankungen wie Reizmagen oder Reizdarm führen. Als körperliche Beschwerden mit psychischem Ursprung bekannt sind Ess- oder Schlafstörungen. Weniger bewusst sind demgegenüber Allergien oder Hauterkrankungen, doch auch diese können ihren Ursprung in psychischer Belastung haben.

Homöopathie für die Psyche

In der Homöopathie werden Patienten ganzheitlich betrachtet und Symptome nicht isoliert behandelt. So wird das seelische Wohlbefinden, wie auch belastende Ereignisse im Umfeld des Patienten, in die ausführliche Anamnese miteinbezogen. Sollten Beschwerden, wie die oben genannten oder hier folgenden, öfter auftreten und die Leistungsfähigkeit maßgeblich beeinflussen, sollte umgehend ein homöopathischer Arzt aufgesucht werden. Bei anfänglichen Symptomen kann mit folgenden Arzneimitteln auch eine erste Selbstmedikation durchgeführt werden:

Schlafstörungen

Kann man die Schlafstörung auf ein akutes traumatisches Ereignis, verbunden mit Angst oder Schreck, zurückführen und tritt diese zusammen mit Unruhe, sowie heftigem Herzklopfen auf, so ist Aconitum die richtige Arznei. Im genauen Gegenteil, nach ungewohnter körperlicher Überanstrengung, bei Erschöpfung und Müdigkeit, bei der man trotzdem nicht zum Schlaf findet, hilft das Arzneimittel Arnica.

Burnout und Depression

Burnoutsymptome, durch ständige Überforderung und Nervosität begleitet, können ebenfalls zu Schlafstörungen führen. Bei zusätzlichem Schwindel, Vergesslichkeit und sozialem Rückzug hilft das Arzneimittel Ambra. Äußern sich die Symptome eher in Form von Konzentrationsschwierigkeiten, Erschöpfung, Teilnahmslosigkeit und Kopfschmerzen, so kann Acidum Phosphoricum Linderung verschaffen. Bei starken nervösen Depressionen mit Gedächtnisschwäche unterstützt Hypericum perforatum. Ist die Stimmung hingegen eher weinerlich, launenhaft und schwankend, so kann Pulsatilla dazu beitragen wieder mehr Stabilität zu finden.

Trauer und Kummer

Sind die Trauer und Stimmungsschwankungen hingegen auf Liebeskummer oder Heimweh zurückzuführen, so ist Ignatia das richtige Mittel. Ist der Kummer langfristiger und zieht bereits körperliche Leiden nach sich, so sollte man zu Natrium chloratum greifen.

Unsicherheit und Angst

Auch Unsicherheiten und Ängste, besonders vor schwierigen Aufgaben, können schnell mit körperlichen Beschwerden einhergehen. Viele Menschen reagieren auf solche Vorahnungen mit Durchfall, Bauchschmerzen oder vermehrtem Harndrang. In einem solchen Fall ist Argentum Nitricum die richtige Arznei. Ist es hingegen eine schreckhafte Angst, vor allem vor dem Alleinsein, verbunden mit innerlichem Zittern und Bewegungsdrang, so ist Phosphorus das passende Mittel.

Homöopathie für mehr Ausgeglichenheit und Wohlbefinden von Körper und Psyche

Mit dem richtigen Arzneimittel können diese und auch andere Leiden, die aus der Wechselwirkung von Psyche und Körper entstehen, behandelt werden. So gelangt man wieder zu mehr Kraft und Stabilität. Homöopathie kann aber auch unterstützend helfen das Gleichgewicht von Psyche, Körper und Geist zu erhalten und gegenüber äußeren Belastungen standfester zu werden. Hierfür ist im Rahmen einer Konstitutionsbehandlung eine noch ausführlichere Anamnese notwendig.

Die Konstitutionsbehandlung in der Homöopathie

Bei der Konstitutionsbehandlung wird der Gesamtzustand eines Menschen behandelt, unabhängig von akuten Symptomen. Es wird also nach einem Arzneimittel gesucht, welches das Gesamtbild des Patienten widerspiegelt. Dafür werden in einem ausführlichen Anamnesegespräch sämtliche Sorgen, Ängste, typische Beschwerden oder Eigenarten der Person, sowie deren Umfeld, gesammelt. Anhand von Ähnlichkeiten und Parallelen lässt sich ein Arzneimittelbild finden, welches zum geeigneten Konstitutionsmittel führt. Dieses kann als längerfristige Unterstützung eingenommen werden und verhilft zu mehr Stabilität von Körper und Psyche.

Zusätzliche Methoden für mehr Wohlbefinden und Ausgeglichenheit

Zusätzlich zu einer homöopathischen Behandlung können verschiedene andere Methoden angewandt werden. Die Psychotherapie beispielsweise hilft vielen Patienten, mit professioneller Unterstützung ihre Probleme, Sorgen oder Ängste zu diskutieren. Vor allem bei akuter seelischer Belastung, Trauma oder Depression, aber auch vorbeugend bereits bei leichter Überforderung, Sorgen oder Ängsten, kann eine psychotherapeutische Behandlung helfen, zu mehr Stabilität zu finden, um auch körperliche Reaktionen zu vermeiden. Aber auch eine ausgewogene, gesunde Ernährung hat erhebliche Auswirkungen auf unser seelisches Wohlbefinden. Schafft man es zudem, bewusst Entspannung und Bewegung in den Alltag zu integrieren, so ist man auf einem guten Weg seine Psyche und damit auch seinen Körper nachhaltig gesund zu halten.

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Homöopathie für die Psyche

Neben der körperlichen spielt auch die psychische Gesundheit eine große Rolle für unser allgemeines Wohlbefinden. Dennoch werden psychische Beschwerden oft unterschätzt und demzufolge seltener behandelt als körperliche. Wir haben daher einige homöopathische Arzneimittel zusammengefasst, mit denen man das psychische Wohlbefinden schnell wiederherstellen kann.

Homöopathie bei der Trauerbewältigung

Der Verlust eines geliebten Menschen kann plötzlich kommen und der Abschied den Betroffenen sehr schwer fallen. Manche finden dann Trost in Musik, Ruhe oder dem Beistand von Angehörigen. Anderen gelingt es jedoch nicht, die Trauer ohne medikamentöse Unterstützung zu bewältigen. Hierbei bietet sich beispielsweise die homöopathische Arznei Natrium muriaticum (Kochsalz) an. Diese unterstützt Betroffene bei der Trauerbewältigung und wirkt sich positiv auf das Gemüt aus. Für anhängliche und trostbedürftige Personen eignet sich zudem auch Pulsatilla (Kuhschelle).

Homöopathie bei depressiver Verstimmung

Eine depressive Verstimmung kennzeichnet sich vor allem durch Niedergeschlagenheit, Traurigkeit und innerer Leere. Betroffene verspüren oft keine Freude mehr und fühlen sich ausgelaugt und lustlos. Durch eine frühzeitige, homöopathische Intervention können positive Auswirkungen auf die Psyche gefördert werden. Sepia (Tintenfisch) kann hierbei depressive Verstimmungen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Erschöpfungszuständen lindern und sich somit positiv auf das zentrale Nervensystem auswirken.

Homöopathie für die Psyche - © fizkes/stock.adobe.com
© fizkes/stock.adobe.com

Homöopathie bei Liebeskummer

Früher oder später trifft er jeden: Der Liebeskummer. Er ist an keine Altersgrenze gebunden und beschäftigt nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene. Die Symptome unterscheiden sich jedoch von Mensch zu Mensch. Nach einer Trennung kommt es häufig zu Veränderungen der Gehirnregionen, welche für Emotionen, Antrieb, Motivation, Schlaf- und Essverhalten zuständig sind. Homöopathie kann dabei helfen, nach einer Trennung oder unerwiderter Zuneigung wieder zurück ins Leben zu finden. Die Arznei Strychnos Ignatia (Ignatius-Brechnuss) wirkt sich beispielsweise positiv auf den Gemütszustand aus und mindert Kummer sowie Beleidigungen und verletzende Kränkungen.

Homöopathie bei Stimmungsschwankungen

Mal ist man traurig und niedergeschlagen, mal glücklich und voller Lebensfreude. Dies ist nichts Ungewöhnliches und ändert sich je nach Lebenssituation. Jedoch gibt es neben „normalen“ Stimmungsschwankungen auch Formen der labilen Stimmungslage. Dazu zählen etwa wechselnde Stimmungen während der Pubertät, vor der Regelblutung und auch in der Schwangerschaft. Die homöopathische Arznei Aurum metallicum (Gold) gilt hierbei als wichtige Arznei zur Behandlung von depressiven Verstimmungen und starken Stimmungsschwankungen. Sie wirkt unterstützend und beruhigend auf das Gemüt.

Homöopathie bei Angststörungen

Angst ist ein normaler Gefühlszustand und evolutionär gesehen überlebensnotwendig. Dennoch erfasst sie unseren gesamten Körper und löst somit seelische und körperliche Reaktionen aus. Bei krankhaften Ängsten nimmt das Angsterlebnis im Verhältnis zur realen Situation aber Überhand. Der Betroffene ist hierbei nicht mehr in der Lage, diese Reizüberflutung zu bewältigen. Diese Art von Angst kann zu einer ständigen Vermeidungshaltung Betroffener und auf Dauer zu sozialer Isolation führen. Braucht der Betroffene Unterstützung bei der Angstbewältigung, bietet sich das Arzneimittel Aconitum (Eisenhut) an. Bei extremen Ängsten oder Schockzuständen unterstützt es den Betroffenen, diese zu überwinden und mildert die dadurch einhergehenden Beschwerdebilder.

Falls sich psychische Beschwerden nicht bessern oder gar verschlimmern, ist unbedingt ein Arzt zu konsultieren. Mit der Arztsuche der ÖGHM und der ÄKH findet man ganz leicht einen Arzt mit der Zusatzausbildung Homöopathie in der Nähe.

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Haltbarkeit, Lagerung und Einnahme – die richtige Handhabung homöopathischer Arzneien

Homöopathische Arzneimittel verfügen über einen Wirkmechanismus, der die Selbstheilung des Körpers anregt. Um diesen Wirkmechanismus nicht negativ zu beeinflussen und somit nicht die Wirkung der Mittel zu schwächen, gilt es hinsichtlich der Haltbarkeit, der Einnahme und vor allem der Lagerung, einige Dinge zu beachten.

Haltbarkeit

Aufgrund gesetzlicher Vorschriften sind die Hersteller vom homöopathischen Mitteln verpflichtet, ein Mindesthaltbarkeitsdatum anzugeben. Dieses liegt aktuell bei 5 Jahren. Bei richtiger Aufbewahrung sind dicht verschlossene Homöopathika und trockene Arzneiformen jedoch extrem lange haltbar. Sie zeigen bei sachgerechter Lagerung kein Nachlassen der homöopathischen Wirksamkeit.

Lagerung

Bei Homöopathika handelt es sich um feinstoffliche Arzneien, wobei bei dem Großteil der Arzneien die Ausgangssubstanzen durch chemische Analyse nachweisbar sind. Das heißt, nicht die Arzneien an sich, sondern der durch den homöopathischen Arzneireiz angeregte Selbstheilungsmechanismus in unserem Körper bewirkt die Heilung. So werden die Selbstheilungskräfte angeregt.

Homöopathische Arzneien sind sensibel und reagieren negativ auf äußere Energiequellen. Zu diesen Quellen zählen beispielsweise starke Sonnenbestrahlung, elektromagnetische Felder (durch z.B. Handys, Computer, Fernsehgeräten oder Mikrowellen) und auch extreme Hitze. Diese können erheblichen Einfluss auf die Wirkung der Mittel ausüben und sie abschwächen. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Arzneien fern jener Quellen oder in geeigneten Gefäßen, welche Strahlung und Hitze abschirmen aufzubewahren. Je länger die homöopathischen Arzneien solcher Energiequellen ausgesetzt sind, desto wahrscheinlicher kann es zu einem Wirkungsverlust kommen. Auf keinen Fall sollten die Mittel beispielsweise langfristig gemeinsam mit dem Handy in der selben Tasche aufbewahrt werden.

Bei der dauerhaften Lagerung wird es deshalb empfohlen, die Mittel in dunklen Behältern in Räumen fernab jeglicher Handy-, Funk- und anderer Strahlung aufzubewahren. Die Temperatur sollte 30 Grad Celsius zudem nicht übersteigen. Bei Globuli ist zudem die Einwirkung von Feuchtigkeit zu vermeiden.

Röntgenschleusen auf Flughäfen, Barcode-Scanner haben übrigens keine negativen Einflüsse auf die Wirksamkeit homöopathischer Arzneien!

Homöopathie: Lagerung Haltbarkeit Einnahme - © Initiative Homöopathie hilft
© Initiative Homöopathie hilft

Einnahme

Die Dosierung wird grundsätzlich nach der Anamnese, der Arzneimittelfindung und der klinischen Untersuchung durch einen Homöopathen festgelegt. Sie sollte unter allen Umständen eingehalten werden! Besonders bei der Einnahme von Globulis sollte zudem darauf geachtet werden, 15 Minuten vor und nach der Einnahme keine Nahrung und Getränke zu sich zu nehmen. Die vorgeschriebene Menge an Kügelchen sollte man einfach auf oder unter der Zunge zergehen lassen, damit die Wirkstoffe optimal von den Schleimhäuten aufgenommen werden können.

Idealerweise sollte eine Gabe einer Arznei eingenommen werden. Danach wird die Wirkung abgewartet. Eine Wiederholung der Arznei erfolgt, wenn keine Besserung mehr eintritt oder wenn sich nach einer Besserung wieder eine Verschlechterung bemerkbar macht. Bliebt aber die Besserung bestehen, so wird bis zur Heilung abgewartet. Tritt kein Erfolg ein, ist  ein Potenz- oder Arzneiwechsel in Betracht zu ziehen.

Im Gespräch: Dr. Fritz Gamerith zur Arzneiherstellung in der Homöopathie

Dr. Fritz Gamerith, Geschäftsführer der Dr. Peithner KG und Austroplant Arzneimittel GmbH der Unternehmensgruppe Schwabe, ist promovierter Biochemiker und unterrichtet Pharmamanagement an der Donau-Universität Krems. Dr. Gamerith leitet seit dem Jahr 2016 die Geschäfte der Schwabe-Töchter in Ungarn, in der Slowakei und in Tschechien. In diesem sehr persönlichen Interview spricht er über seine eigenen Erfahrungen mit Homöopathie sowie über die Herstellung von homöopathischen Arzneien als Marktführer der Homöopathie in Österreich.

Im Gespräch: Dr. Fritz Gamerith zur Arzneiherstellung in der Homöopathie - © Johannes Hloch/Schwabe Austria
© Johannes Hloch/Schwabe Austria

Was hat dazu geführt, dass Sie sich persönlich, wie auch beruflich der Homöopathie zugewandt haben?

Als ich vor 18 Jahren die Marketing-Leitung der Dr. Peithner KG  übernommen habe, wurde ich nicht nur sehr gut in die zahlreich vorhandenen Studien der Homöopathie eingeschult, auch die Begeisterung von Homöopathie-erfahrenen Kollegen hat mich gepackt, und diese trage ich auch jetzt gerne in meiner Funktion als Geschäftsführer an Mitarbeiter sowie unsere Kunden weiter.

Können Sie uns von einem persönlichen Erfolgserlebnis berichten, bei dem die Homöopathie bzw. homöopathische Arzneien eine Rolle gespielt haben?

Schon bald nachdem ich bei Dr. Peithner begonnen hatte, hat mich eine Erkältung gepackt – ich hatte Halsschmerzen, konnte nicht mehr sprechen, keinen Ton habe ich herausgebracht. Ein erfahrener Homöopath hat mir Phosphor empfohlen. Fünf Sekunden nach der Einnahme konnte ich wieder sprechen. Ein Sekundeneffekt, der mich verblüfft hat!

Nach welchem Reglement werden homöopathische Arzneien bei der Dr. Peithner KG hergestellt und worauf muss man beim Herstellungsprozess besonders achten?

Besonderes Augenmerk legen wir auf die Herstellungsvorschriften aus dem europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) und dem homöopathischen Arzneibuch (HAB). Weiters produzieren wir gemäß Arzneimittelbetriebsordnung, womit wir sicherstellen, dass alle GMP-Regulatorien eingehalten werden. Das sind gesetzliche Anforderungen für die sichere Herstellung von Arzneimitteln. Mit Ausnahme ganz weniger Mittel, bei denen es faktisch nicht möglich ist, die Ausgangssubstanz manuell zu verreiben, wird bei uns auch seit jeher handpotenziert.

Welche Unterschiede gibt es in der Anwendung von Komplexmitteln im Vergleich zu Einzelmitteln?

Für Kunden stehen beispielsweise während einer Erkältung die Erkältungssymptome im Vordergrund. Damit es im Rahmen der selbstverantwortlichen Behandlung möglich ist, schnell entgegenzuwirken, werden gerne Komplexmittel eingesetzt. Die für Erkältung zugelassenen Arzneien enthalten demnach Einzelmittel, die harmonisch aufeinander abgestimmt sind und die Erkältungssymptome im Arzneimittel-Bild aufweisen. Apotheker beraten die Kunden dabei fachgerecht. Einzelmittel werden in der Regel von Ärzten, die eine Zusatzausbildung in Homöopathie haben – das Homöopathie-Diplom der Österreichischen Ärztekammer (ÖAK) – individuell für den einzelnen Patienten verschrieben.

In welchen Fällen raten Sie zur Verwendung von Komplexmitteln und wo stoßen diese an ihre Grenzen?

Komplexmittel unterscheiden sich nicht von anderen Arzneien – sie werden gemäß ihrer zugelassenen Anwendungsgebiete eingesetzt. Wenn die Beschwerden sich nicht bessern, sollte auch hier ein Arzt aufgesucht werden, der über die weitere Therapie entscheidet.

Wie verläuft der Prozess bei der Einführung eines neuen Komplexmittels? Anhand welcher Kriterien wählt man Arzneien für das Produktsortiment aus?

Häufige Anwendungsgebiete, die Patienten gerne rasch behandeln möchten, versuchen wir abzudecken: Wir bündeln im Rahmen einer Neuproduktentwicklung unser Knowhow über die Bedürfnisse der Kunden einerseits und das forschungsbasierte Wissen über das Potential aus der Natur andererseits, um daraus wirksame Lösungen für die Patienten zu entwickeln.

Was wäre ihr größter Wunsch für die Profession Homöopathie?

Dass die Homöopathie so bleibt, wie sie jetzt ist: eine starke Therapie für viele Patienten, die den Menschen ganzheitlich sieht – wo Schulmedizin und Homöopathie sich verschränken und sich nicht gegenseitig ausklammern. Und ich wünsche noch vielen Ärzten, dass sie weiterhin die Möglichkeit haben, das ÖAK-Homöopathie-Diplom zu absolvieren. Und ein Wunsch ist bereits in Erfüllung gegangen: Dass die Homöopathie beliebter wird, hat sich gerade erst in der GfK-Studie gezeigt. Denn zwei von drei ÖsterreicherInnen haben 2017 ein homöopathisches Produkt verwendet – damit ist die Homöopathie so beliebt wie nie zuvor!

Wir bedanken uns für das Gespräch!

Herstellung

Herstellung homöopathischer Arzneimittel und deren Darreichungsformen sind streng nach dem Homöopathischen Arzneimittelbuch (HAB) geregelt. Diese sind für alle Hersteller verbindlich. Durch verschiedene Verfahren entstehen bei der Herstellung potenzierter Arzneimittel entweder Tropfen, Tabletten oder Streukügelchen (Globuli). Salben und Zäpchen gibt es zwar, sie sind in der Einzelmittelhomöopathie aber wenig gebräuchlich.
Manche Stoffe sind grundsätzlich giftig und können daher in konzentrierter Form starke Nebenwirkungen verursachen. Deshalb werden diese Ausgangsstoffe in der Homöopathie verdünnt und stufenweise verrieben bzw. verschüttelt. Dieser Verdünnungsvorgang wird in der Homöopathie Potenzierung (Dynamisierung) genannt.

Homöopathie – pflanzlich, mineralisch, tierisch gut!

Homöopathische Mittel werden aus pflanzlichen, mineralischen und tierischen Ausgangssubstanzen erzeugt, in manchen Fällen auch aus menschlichen oder tierischen Produkten. Sind diese Rohstoffe löslich, wird zunächst die Urtinktur hergestellt. Nicht-lösliche Ausgangssubstanzen werden verrieben und so in Pulverform gebracht. Dann wird die Urtinktur bzw. die Verreibung potenziert. Das heißt, sie wird schrittweise und in einem bestimmten Verhältnis verdünnt. Dies geschieht durch Verschüttelung oder Verreibung.

Verschüttelung

Bei der Verschüttelung wird ein Teil der Urtinktur mit einem Wasser-Alkohol-Gemisch im Verhältnis 1:10 (D-Potenz) bzw. 1:100 (C-Potenz) verschüttelt, es entstehen Tropfen in der Potenz D1 bzw. C1. Von diesen wird wieder ein Teil mit neun bzw. 99 Teilen des Lösungsmittels verschüttelt. Dieser Schritt wird bis zur gewünschten Potenz wiederholt. Die Potenzierung kann nach der Mehrglas-Methode, bei der für jede Verdünnung ein eigenes Gefäß benutzt wird, oder nach der Einglas-Methode (nach Korsakoff) im gleichen Gefäß erfolgen.
In qualitätsbewussten Betrieben, wie z.B. der DHU in Karlsruhe oder der Dr. Peithner KG in Wien, wird auch heute noch per Hand verschüttelt.

Verreibung

Analog zur Herstellung flüssiger Homöopathika wird hier ein Teil des Ausgangsstoffes mit neun Teilen (D-Potenz) bzw. 99 Teilen (C-Potenz) Milchzucker verrieben, um die Potenz D1 bzw. C1 zu erhalten. Diese wird wieder mit neun bzw. 99 Teilen Milchzucker verrieben und auch dieser Schritt wird wiederholt bis man die gewünschte Potenz erreicht hat. Aus Verreibungen werden Globuli oder Tabletten hergestellt.
Sind diese Substanzen erst verrieben, können sie jedoch auch in Alkohol gelöst und dann durch Verschüttelung weiter potenziert werden.

Homöopathie: Herstellung - © Initiative Homöopathie hilft
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Globuli

Sie sind die bekannteste und auch beliebteste Form homöopathischer Arzneimittel. Hergestellt werden sie indem Zuckerkügelchen (Rohr- oder Rübenzucker) mit dem potenzierten flüssigen Arzneimittel imprägniert werden.

Tropfen

Tropfen oder Dilutionen sind die flüssige Form der homöopathischen Arznei. Wegen des Alkoholgehaltes sind sie für Kinder und Alkoholkranke nicht geeignet.

Tabletten

Die Milchzuckerverreibung einer Arznei wird zu Tabletten gepresst. Bei bestehender Laktoseintoleranz sind die Tabletten nicht zu empfehlen.

Ausgangssubstanzen

Homöopathische Mittel werden nicht, wie fälschlicherweise oft angenommen, nur aus Pflanzen hergestellt. Auch Mineralien, tierische Substanzen oder Nosoden) werden verwendet. Einige der Substanzen, die in der Homöopathie zu Arzneimitteln verarbeitet werden, dienen als Nahrungsmittel (z.B. Weizen, Reis, Kartoffel), Genussmittel (z.B. Tabak, Kaffee), andere sind giftig (z.B. Tollkirsche, Schlangengift, Arsen), andere wiederum rufen in ihrer ursprünglichen Form keinerlei Reaktionen hervor..

Pflanzliche Substanzen

Heimische Heilkräuter, wie Kamille, Holunder oder Ringelblume, exotische und auch giftige Pflanzen, wie etwa die schon erwähnte Tollkirsche, sie alle finden Verwendung in der Homöopathie. Verarbeitet werden vor allem Frischpflanzen, seltener Pflanzen in getrockneter Form, ganze Pflanzen oder Pflanzenteile wie Blüten, Samen, Wurzelstock oder Baumrinde.

Mineralien

Anorganische Stoffe stehen ebenfalls in vielfältiger Form als Ausgangssubstanz für homöopathische Arzneimittel zur Verfügung. So werden beispielsweise Metalle wie Gold oder Kupfer verrieben. Aber auch nichtmetallische Substanzen wie Kohlenstoff und Schwefel oder Mineralverbindungen wie Kochsalz finden Verwendung.

Tierische Substanzen

Sowohl das ganze Tier, etwa die Honigbiene (Apis mellifica) oder die Rote Waldameise (Formica rufa), aber auch nur ein tierisches Produkt kann als Ausgangssubstanz für homöopathische Arzneimittel dienen. Dazu gehören etwa das Gift der Buschmeisterschlange (Lachesis) oder Milch von Säugetieren. Aus der Tinte des Tintenfisches wird beispielsweise Sepia gewonnen, das in der Homöopathie häufig bei Frauenleiden eingesetzt wird.

Nosoden

Nosoden werden aus menschlichen oder tierischen Absonderungen, gesundem oder krankem Gewebe oder Krankheiterregern hergestellt. Dazu benötigt man, wie auch bei der Herstellung von konventionellen Impfstoffen mit und ohne Lebendorganismen, gemäß den gesetzlichen Richtlinien ganz speziell ausgestattete Produktionsstätten (Reinraum-Labor).
Durch die homöopathische Arzneipotenzierung werden diese Substanzen so zubereitet, dass die in ihnen gespeicherte Information heilend wirkt. Das spezielle homöopathische Herstellungsverfahren unterliegt neben den Vorschriften aus dem Homöopathischen Arzneibuch (HAB) strengen gesetzlichen Richtlinien. Dadurch wird gewährleistet, dass alle homöopathischen Arzneimittel keimfrei und ungiftig sind.

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Komplexmittel

Komplexmittel enthalten eine Kombination bewährter homöopathischer Substanzen, deren Arzneimittelbilder einander ergänzen. Sie wurden von erfahrenen Homöopathen zusammengestellt. Das Mittel wird hier nach den Hauptbeschwerden gewählt, wie zum Beispiel „Erkältung“, „Husten“ oder „Heuschnupfen“. Homöopathische Komplexmittel wie etwa Traumeel bei Verletzungen oder Luffeel-Nasenspray zur Linderung von Heuschnupfensymptomen werden daher gerne in der Apotheke empfohlen oder von ÄrztInnen ohne Ausbildung in Klassischer Homöopathie verschrieben.

Komplexmittel eignen sich aber auch gut zur Selbstmedikation bei leichteren Beschwerden. Viele davon finden Sie auch in unserer Datenbank „Bewährte Indikationen“ bzw. in unserer Arzneimitteldatenbank.

Homöopathische Komplexmittel gibt es in Form von Tropfen, Tabletten, Salben oder Zäpfchen. Die Höhe der Dosierung ist von Arzneimittel zu Arzneimittel unterschiedlich und in der Gebrauchsinformation angegeben.

Bitte beachten: Bei Einnahme homöopathischer Arzneimittel können sich die vorhandenen Beschwerden vorübergehend verschlimmern (Erstreaktion, Erstverschlimmerung). Das Arzneimittel ist dann abzusetzen. Nach Abklingen der Erstreaktion kann das Arzneimittel wieder eingenommen werden. Bei neuerlicher Verstärkung der Beschwerden ist ein homöopathisch ausgebildeter Arzt aufzusuchen.

Jede längere Behandlung mit einem homöopathischen Arzneimittel sollte von einem homöopathisch erfahrenen Arzt kontrolliert werden, da bei nicht indizierter Einnahme unerwünschte Arzneimittel-Prüfsymptome (neue Symptome) auftreten können.

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