Homöopathische und pflanzliche Arzneimittel weisen Unterschiede in mehrfacher Hinsicht auf: Sie können nicht nur unterschiedliche Inhaltsstoffe beinhalten, die Herstellungsverfahren, die rechtlichen Bedingungen und auch die Sachlage bei Nebenwirkungen weichen stark voneinander ab.
Oft wird angenommen, dass homöopathische Mittel nur aus Pflanzen hergestellt werden. Aus diesem Grund werden sie auch mit pflanzlichen Arzneimitteln verwechselt. Diese Annahme ist jedoch schlicht und einfach falsch! Denn die Ausgangssubstanzen homöopathischer Arzneimittel können ebenso aus dem Tierreich stammen wie es zum Beispiel bei Lachesis muta, dem potenzierten Gift der Buschmeisterschlange der Fall ist. Auch aus organischen und anorganischen Stoffen werden Homöopathika hergestellt. Dazu zählen beispielsweise Mineralien wie Natrium chloratum (Kochsalz) oder Metalle wie Aurum metallicum (Gold). Pflanzliche Arzneimittel bestehen hingegen ausschließlich aus einer Pflanze beziehungsweise Pflanzenteilen.
Die Unterschiede in der Herstellung
Ebenso wie die Inhaltsstoffe unterscheiden sich auch die Herstellungsverfahren stark voneinander: Die Herstellung von homöopathischen Arzneimitteln erfolgt streng nach den Regeln des Homöopathischen Arzneibuchs (HAB). Ihr Wesensmerkmal ist die Potenzierung – also die Verdünnung und Verschüttelung oder Verreibung der Ursubstanz bis zur gewünschten Potenz.
Bei pflanzlichen Arzneimitteln werden die Wirkstoffe hingegen mittels eines Extraktionsmittels und eines Extraktionsverfahrens aus der Pflanze gelöst und weiterverarbeitet. Diese können je nach Produkt und/oder produzierendem Unternehmen unterschiedlich sein, da die einzelnen Produktionsschritte nicht in einem bestimmten und allgemein zugänglichen Arzneibuch geregelt sind. Sie unterliegen aus patentrechtlichen Gründen oft dem Firmengeheimnis.
Homöopathische Arzneimittel – seien es nun Einzel- oder Komplexmittel – sind sehr nebenwirkungsarm. Hier ist vor allem die Erstreaktion hervorzuheben. So kann es sein, dass sich die Symptome zuerst verstärken. In diesem Fall wird die Einnahme zunächst meist unterbrochen und nach Abklingen der Erstreaktion fortgesetzt. Bei Niedrigpotenzen können auch Überempfindlichkeiten gegen einen Inhaltsstoff auftreten.
Bei pflanzlichen Arzneimitteln sollte die Gebrauchsinformation genauer durchgelesen werden. Sie können einerseits stärkere Nebenwirkungen als Homöopathika entfalten (z.B. Durchfall, Übelkeit oder auch Hautreaktionen – je nach Arzneimittel). Andererseits können sie mit anderen Arzneimitteln interagieren. Ein bekanntes Beispiel ist Johanneskraut, da es die Wirkung hormoneller Verhütungsmittel wie der Pille oder Anti-Virus-Medikamente herabsetzen kann. Johanneskraut oder (=“Hypericum“) kann aber in homöopathischer Zubereitung bei psychischen und physischen Nervenbeschwerden und ohne Bedenken von Nebenwirkungen angewendet werden.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Homöopathische Einzelmittel können in einem vereinfachten Verfahren registriert werden. In diesem Fall wird kein Anwendungsgebiet angegeben. Dies wäre auch nicht möglich, da zum Beispiel für Pulsatilla einige tausend Symptome bekannt sind. Komplexmittel werden normalerweise mit einer Indikation zugelassen. In jedem Fall müssen aber Unbedenklichkeit und Sicherheit gewährleistet und nachgewiesen werden.
Auch für pflanzliche Arzneimittel gibt es mehrere Möglichkeiten der Zulassung. So können sie als „traditionelles, pflanzliches Arzneimittel“ registriert werden. In diesem Fall muss es nachweislich mindestens 30 Jahre, davon 15 Jahre innerhalb der EU, erfolgreich in einem Anwendungsgebiet verwendet worden sein. Klinische Studien müssen keine vorgelegt werden, sondern nur die langjährige Verwendung, Plausibilität und Unbedenklichkeit nachweisbar sein.
Werden klinische und bereits publizierte Studiendaten ebenfalls eingereicht, kann das Phytotherapeutikum als „well established“ (bewährt, etabliert) zugelassen werden. Die dritte Möglichkeit ist eine Vollzulassung: Diesem Antrag müssen auch umfangreiche Daten zur nicht-klinischen und klinischen Forschung beigelegt werden. Viele pflanzliche Produkte sind heute als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Sie unterliegen jedoch nicht den strengen Richtlinien des Arzneimittelgesetzes wie homöopathische Arzneien, sondern dem Lebensmittelgesetz. Das bedeutet, dass die Menge der Inhaltsstoffe, die die Wirksamkeit bestimmen von Charge zu Charge variieren kann. Daher ist die Wichtigkeit des Medikamentenstatus der Homöopathika besonders wichtig, um eine optimale und gleichbleibende Qualität der homöopathischen Arzneien zu gewährleisten.
Übrigens: Auch die Bachblütentherapie und Schüsslersalze sind nicht der Homöopathie zuzurechnen! Sie folgen ebenfalls einem völlig anderen Therapiekonzept.
Für wissenschaftlich denkende Menschen ist es unvorstellbar, dass homöopathische Arzneimittel, die wenige oder keine Moleküle des ursprünglichen Wirkstoffes enthalten, Wirkungen haben. Sie glauben deshalb, dass die nachweisbaren Wirkungen der Homöopathie „Placebo-Wirkungen“ seien. Das ist unwissenschaftlich. Die Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel wurde in klinischen Studien mit den gleichen Methoden untersucht, wie schulmedizinische Medikamente geprüft werden. Studien vergleichen die Homöopathie-Wirkung mit Placebo. Eindeutiges Ergebnis: Homöopathie ist mehr als Placebo!
Die Grundlagenforschung ist ein wichtiges Argument gegen den Placeboeffekt. Tiere, Pflanzen, Zellen, Enzyme und physikalische Messungen glauben an kein Placebo. Im Reagenzglas gibt es keinen Placeboeffekt!
Es gibt 2.400 homöopathische Experimente. Bis zu 90% dieser Forschungsarbeiten weisen Homöopathie-Wirkungen im Vergleich zu unbehandelten Kontrollgruppen nach. Diese Experimente beweisen die biologischen, biochemischen, immunologischen und physikalischen Wirkungen der Homöopathie.
Neugeborene
Die Wiener Kinderärztin und Spezialistin für Kinder mit Downsyndrom Dr. Bettina Baltacis hat ihre homöopathischen Erfahrungen in der Fachliteratur veröffentlicht: Neugeborene und Frühgeborene sprechen gut auf Homöopathie an. Das ist kein Placeboeffekt: Frühchen im Brutkasten wissen nicht, dass sie ein homöopathisches Mittel bekommen, das sie heilt. Wenn Babys mit Homöopathie geheilt werden, ist das eine Heilwirkung und kein Placeboeffekt!
Intensivstation
Professor Michael Frass hat 2005 am Wiener Allgemeinen Krankenhaus zwei Homöopathie-Studien durchgeführt. 70 kritisch kranke Sepsis-Patienten, die in einer ausweglosen Situation schon monatelang auf der Intensivstation lagen und 50 Lungenkranke, bei denen die künstliche Beatmung wegen Schleim in der Luftröhre nicht entfernt werden konnte, erhielten homöopathische Mittel zusätzlich zur schulmedizinischen Therapie.
Beide hochwertige Studien zeigen, dass Homöopathie auch bei schwersten Erkrankungen hilft. Die homöopathisch Behandelten konnten die Intensivstation früher verlassen und der Beatmungsschlauch konnte rascher entfernt werden als bei Kranken, die Placebo erhielten. Damit wurde der Placeboeffekt ausgeschlossen!
Homöopathie wirkt
Der Experte für evidenzbasierte Medizin Professor Harald Walach hat 2018 ein starkes Argument gegen den Placeboeffekt veröffentlicht: Kranke reagieren nicht auf jedes homöopathische Mittel. Nur das richtige Mittel heilt!
In schwierigen Fällen werden häufig mehrere homöopathische Arzneimittel erfolglos verordnet, bis der Arzt das passende Mittel findet. Dabei lässt die Erwartungshaltung nach. Der Placeboeffekt wird von Arztbesuch zu Arztbesuch immer schwächer. Wenn nach dem vierten oder fünften Arztbesuch das richtige homöopathische Mittel eine Heilung bewirkt, spricht das gegen den Placeboeffekt.
Nebenwirkungen
Der Arzt Dr. Friedrich Dellmour berichtet: „Ich habe zwei homöopathische Nebenwirkungen nach einer einzigen Einnahme von Sulfur D200 erlebt. Schlafstörungen, wodurch ich ein Jahr lang keine Nacht mehr durchschlafen konnte. Und eine massive Verschlimmerung der Neurodermitis bei meinem Neffen, sodass die Eltern mit dem Baby das Krankenhaus aufsuchen mussten.“
Nebenwirkungen der Homöopathie sind keine Placeboeffekte!
Unverstandener Placeboeffekt
Die Deutsche Bundesärztekammer hat 2011 zugegeben, dass der Placeboeffekt nicht erklärt werden kann. Man glaubte früher, der Placeboeffekt sei „stark“ und man könne mit Placebos 35% der Patienten behandeln, bei manchen Erkrankungen sogar bis zu 100%. Neue Studien widerlegen diese Ansicht: Die internationalen Studienexperten Asbjørn Hróbjartsson und Peter C. Gøtzsche zeigten 2001, dass die Wirksamkeit von Placebos und Nichtbehandlung kaum unterscheidbar ist. Das weltgrößte Studienzentrum Cochrane Collaboration bestätigte das Ergebnis 2010: Es gibt nur wenige Bereiche, wo Placebo eventuell einen Nutzen hat, z.B. in der Schmerztherapie.
Das ist für die Placebofrage entscheidend: Placebos wirken am ehesten bei akuten Störungen. Das bedeutet: Homöopathische Heilungen chronischer Krankheiten können nicht als Placeboeffekte erklärt werden!
Zusammenfassung
Die Wissenschaft versteht den Placeboeffekt nicht. „Den“ Placeboeffekt gibt es nicht. Jeder Patient reagiert anders auf Placebo. Daher ist der Placeboeffekt nichts Eindeutiges. Der Placeboeffekt ist keine fixe Größe, die man in Studien rechnerisch von der Gesamtwirkung abziehen darf, um die Wirkung des Wirkstoffes zu erkennen. Die Placeboeffekte verschiedener Studien sind nicht vergleichbar.
Aufgrund dieser Unsicherheiten kann das Placebo-Argument nicht über die Wirksamkeit oder den Wirkmechanismus der Homöopathie entscheiden.
Bei seinen Forschungen entdeckte der Arzt Samuel Hahnemann Ende des 18. Jahrhundert das Ähnlichkeitsprinzip „Similia similibus curentur“. Auf diesem Grundsatz, Ähnliches mit Ähnlichem zu heilen, basiert die Homöopathie. Etwa 200 Jahre nach ihrer Geburtsstunde wird die Heilmethode weltweit praktiziert. In einer Reihe von Ländern ist die Homöopathie ein fester Bestandteil des nationalen Gesundheitssystems. Als Spitzenreiter bei der Anwendung von Homöopathie gilt Indien.
Die indische Heilkunst
Indien verfügt über ein reiches Erbe an medizinischer Weisheit, die sich aus den Veden, einer Sammlung religiöser Texte im Hinduismus, ableitet und die sich als Ayurveda durchgesetzt hat. Eine zusätzliche Bereicherung erfuhr dieses Erbe durch Siddha und Yoga. Zusammen waren dies über Jahrhunderte die wichtigsten medizinischen Praktiken des Landes. Bis heute sind sie fest in der indischen Kultur verankert. Im 8. Jahrhundert fand Unani, die Medizin in der mittelalterlichen islamischen Welt, ihren Weg nach Indien. Einige Zeit später kam auch die westliche Medizin, die gemeinhin als Allopathie bekannt ist, in das Land und wurde ebenfalls in die indische medizinische Praxis integriert.
Die Homöopathie, ein im 18. Jahrhundert in Deutschland entwickeltes Heilverfahren, wurde etwa 1830 von dem Siebenbürger Arzt Dr. Honigberger nach Indien gebracht. Dort fiel die Lehre auf fruchtbaren Boden – denn die Simile-Idee findet sich bereits in den uralten Veden.
Zunächst florierte die Homöopathie in der Region Bengalen, bevor sie sich schließlich erfolgreich in ganz Indien verbreitete. Zu Beginn ihres Siegeszugs in Indien wurde die Homöopathie, die Hilfe zur Selbsthilfe bot, noch in großem Umfang von medizinischen Laien praktiziert. Doch schon bald wurden medizinische Hochschulen für Homöopathie gegründet. Der erste Inder, der homöopathischer Arzt wurde, war Mahendra Lal Sircar. Inzwischen gibt es in Indien fast 300.000 Ärzte, die ihre Patienten mit homöopathischer Medizin behandeln. Seit 1973 ist die Homöopathie im öffentlichen Gesundheitswesen Indiens fest verankert und anerkannt.
AYUSH – Die ganzheitlichen medizinischen Konzepte
Die Abkürzung AYUSH steht für Ayurveda, Yoga, Unani, Siddha und Homöopathie. In Bezug auf Gesundheit und Krankheit basieren alle diese Konzepte auf etablierten, ganzheitlichen Behandlungsansätzen. Um diese Therapieverfahren optimal und gezielt weiterentwickeln zu können, wurde 1995 die Abteilung für indische Medizin und Homöopathie (ISM & H) im Ministerium für Gesundheit und Familie der Union geschaffen. Im Jahr 2003 wurde diese Abteilung in „Abteilung für AYUSH“ umbenannt.
Gesundheitspolitische Regelung der Homöopathie in Indien
Komplementäre Therapierichtungen, wie die Homöopathie, sind in Indien gesundheitspolitisch anerkannt. Die Ausbildung der Homöopathen ist staatlich geregelt und findet, ebenso wie das Studium der konventionellen Medizin, an offiziellen Ausbildungseinrichtungen, den Medical Schools, statt. Diese entsprechen unserer hiesigen universitären Ausbildung. Landesweit gibt es ungefähr 200 homöopathische Medical Schools, die jeweils an ein eigenes Lehrkrankenhaus angeschlossen sind und an denen, selbstverständlich, auch schulmedizinisches Basiswissen gelehrt wird. Die Ausbildung zum homöopathischen Arzt besteht aus einem vierjährigen Studium und einem darauffolgenden praktischen Jahr und dauert ebenso lange wie ein Studium der Schulmedizin. Landesweit ist etwa jeder sechste indische Arzt Homöopath.
Medizinischer Pluralismus
In der Gesundheitsversorgung wird von der Regierung ein pluralistischer Ansatz, bei dem sich jede Therapierichtung auf der Grundlage ihrer eindeutigen Stärken entwickeln kann, gefördert. So arbeiten in den Ambulanzen, in denen die medizinische Grundversorgung der indischen Bevölkerung stattfindet, häufig Ärzte unterschiedlicher Ausbildungsrichtungen unproblematisch und erfolgreich zusammen. Je nach Erkrankung und den Spezialgebieten der Ärzte überweisen sich Homöopathen, konventionelle Mediziner und andere Ärzte gegenseitig Patienten. Denn AYUSH-Medikamente, die in die Kategorie der Erfahrungsmedizin fallen, sind kostengünstig, für ihre Sicherheit bekannt und vielfach erprobt. Komplementäre Arzneimittel werden häufig als eigenständige Option oder als Ergänzung zur Allopathie bei verschiedenen Erkrankungen eingesetzt.
Die fachliche Qualität der Homöopathie in Indien
In den letzten Jahren hat sich die fachliche Qualität der Homöopathie deutlich verbessert, denn vom Central Council of Research, welches unter anderem für die Forschung in der Homöopathie zuständig ist, werden zunehmend strengere Auflagen beschlossen. Durch den Fokus auf Qualität verbessert sich die Forschung allgemein konstant. Das „Indian Journal of Research in Homoeopathy: IJRH“, das vom Central Council herausgegeben wird, hat inzwischen eine strenge internationale peer review eingeführt.
Die Zukunft der Homöopathie in Indien ist nicht nur aufgrund der zunehmenden fachlichen Qualität positiv zu sehen. Jährlich schließen etwa 12.000 Studierende ihre Ausbildung in der homöopathischen Medizin ab. Arbeitsplätze gibt es für die Absolvent:innen genug, denn nach wie vor hat die Homöopathie einen sehr hohen Stellenwert in der indischen Medizin.
Von den komplementär-medizinischen Heilmethoden in der Schweiz ist Homöopathie die am weitesten verbreitete. Die Homöopathie nimmt im Schweizer Gesundheitssystem bereits seit vielen Jahren eine wichtige Position ein. Wie es zu dieser Entwicklung kam und welche Vorteile sich daraus ergeben, erklärt dieser Artikel.
Die demokratische Etablierung der Homöopathie in der modernen Schweiz
Ein kurzer Ausflug in die Geschichte der Schweizer Homöopathie zeigt, wie es zu dieser besonderen Stellung im Gesundheitssystem kam:
1950er Jahre: Die Homöopathie findet erstmalige Verbreitung und Anerkennung in der Schweiz. Für frankophone und italienische Bundesländer machte sie der Genfer Arzt Pierre Schmidt bekannt. In den deutschsprachigen Bundesländern waren es die Ärzte Adolf Voegeli und Josef Künzli.
2005/2006: Der Nachweis der Wirksamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit (WZW) wurde erbracht. Damit wurde die Grundlage für eine Anerkennung im öffentlichen Gesundheitssystem geschaffen.
2009: In einem Referendum stimmte die Schweizer Bevölkerung eindeutig dafür, dass Homöopathie und drei andere Komplementärmedizin-Verfahren von der Krankenversicherung gedeckt werden sollen. 67 % der Schweizer und Schweizerinnen nahmen die Vorlage an.
2011: Die Schweizer Regierung bestimmt, dass homöopathische Behandlungen von der gesetzlichen Krankenversicherung bis Ende 2017 gedeckt werden. In dieser Probe-Phase sollte die Funktionalität der Entscheidung getestet werden.
2017: Galt die Aufnahme in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung vorerst nur temporär, so ist sie seit Mitte 2017 vollständig etabliert. Die Schweizer Regierung verlängert die Abdeckung komplementär-medizinischer Heilverfahren – darunter auch Homöopathie – ohne zeitliche Begrenzung. Diese Regelung ist seit 1. August 2017 in Kraft.
Nachweis der Wirksamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit von Homöopathie in der Schweiz
Bereits 2005 hat das Eidgenössische Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) im Zuge des Projekts „Evaluation Komplementärmedizin (PEK)“ die Wirksamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit von Homöopathie, sowie drei weiterer komplementärmedizinischer Therapieverfahren – Anthroposophische Medizin, Traditionelle Chinesische Medizin und Phytotherapie – untersuchen lassen. Bei der Evaluierung des Bereichs „Homöopathie“ wurden 22 Reviews von insgesamt 563 Studien analysiert. Der wissenschaftliche Nachweis der Wirksamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit (WZW-Nachweis) wurde dadurch erbracht.
Die Ergebnisse der Evaluation legten dann, in Kombination mit einer Primärstudie und der verbundenen Volksabstimmung, die Grundlage dafür, dass heute homöopathische Therapien Teil des allgemeinen Leistungskatalogs der Schweizer Grundversicherung sind. Freilich zählen nur solche Behandlungen dazu, die ein dafür zertifizierter Arzt oder eine zertifizierte Ärztin leistet. Dieser muss eine durch die nationale Ärzteorganisation FMH anerkannte Ausbildung absolviert haben.
Wie wird man in der Schweiz Arzt oder Ärztin für homöopathische Medizin?
Um in der Schweiz als Arzt oder Ärztin homöopathisch tätig zu werden, braucht es den erfolgreichen Abschluss einer mehrstufigen Ausbildung. Die Grundlage bildet das Studium der Medizin, sowie die mindestens 5 Jahre andauernde Facharzt-Ausbildung. In weiterer Folge ist eine mehrjährige Weiterbildung zu durchlaufen, deren erfolgreicher Abschluss zur Tätigkeit als homöopathischer Arzt beziehungsweise Ärztin befähigt.
Zentral zuständig für die Aus- und Weiterbildung in der Schweiz ist die SVHA Academy des Schweizerischen Vereins Homöopathischer Ärztinnen und Ärzte. Der Verein stellt sicher, dass die Ausbildung im Rahmen der schweizerischen sowie europäischen Richtlinien im Auftrag des Schweizerischen Instituts für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF) durchgeführt wird.
Ausbildung im veterinärmedizinischen Bereich für Homöopathie in der Schweiz
Auch in der Ausbildung für Tierärzte und Tierärztinnen nimmt die Schweiz eine Vorreiterrolle ein. Hierbei wird vorgeschrieben, dass generell alle Absolvent:innen eines veterinärmedizinischen Studiums Kenntnisse über Methoden und Therapieansätze der Komplementärmedizin besitzen müssen. Dies bietet ideale Voraussetzungen für die gemeinsame Arbeit von konventioneller und komplementärer Medizin mit Fokus auf das Wohl der Patient:innen, wie es in der integrativen Medizin maßgeblich stattfindet.
Was bedeutet das für die Patienten?
In der Schweiz bezahlt die Grundversicherung alle homöopathischen Leistungen eines ausgebildeten Arztes oder einer ausgebildeten Ärztin. Für die Patient:innen entstehen somit keine Zusatzkosten. Die Obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) zahlt jedoch keine Leistungen von Nichtärzten beziehungsweise nicht ausgebildeten Ärztinnen, zum Beispiel von Therapeut:innen oder Naturheilpraktiker:innen, die ebenfalls homöopathische Behandlungen vornehmen dürfen. Eine Zusatzversicherung jedoch kann auch solche Leistungen abdecken.
Integrative Medizin – Zusammenarbeit für das Patientenwohl
In einigen Spitälern der Schweiz gibt es bereits Institute für integrative Medizin. In ihnen verbinden Ärztinnen und Ärzte Maßnahmen aus der konventionellen und komplementären Medizin miteinander, um den Patient:innen bestmöglich helfen zu können. Der Hintergrund: konventionelle und komplementäre Medizin schließen einander nicht aus, sondern ergänzen sich. Solche Zentren existieren zum Beispiel an den Universitätsspitälern Zürich und Bern oder am Kantonsspital St. Gallen. Hierfür sind gerade in der Schweiz die Grundvoraussetzungen ideal, da das Vertrauen der Gesellschaft gegenüber Homöopathie sehr groß ist und jede medizinische Ausbildung ein Grundverständnis für komplementäre Methoden beinhaltet.
Die Homöopathie in der Schweiz nimmt daher auf der internationalen Bühne – neben z.B. den USA oder Indien – eine Vorreiterrolle ein. Dies zeigt sich auch aufgrund der nationalen Entwicklungen in den letzten 20 Jahren, die mit einer stark wachsenden Anerkennung der Homöopathie innerhalb der Schweizer Gesellschaft einhergehen, sowie der dadurch gegebenen guten Voraussetzung für eine integrativ-medizinische Behandlung im Sinne der Patien:innen.
Anlässlich des Auftritts eines deutschen Satirikers wurden erneut Unwahrheiten über die Homöopathie verbreitet. Zu unserem Bedauern wurden ein weiteres Mal altbekannte Mythen über die komplementärmedizinische Heilmethode verbreitet. Wir haben uns die Aufnahmen angesehen und möchten folgende Falschaussagen richtigstellen:
Falsch: Homöopathie wirkt nicht über den Placebo-Effekt hinaus
Aus der Placebo-Forschung ist bekannt, dass sich die Placebo-Wirkung rasch verliert. Homöopathie zeigt jedoch nachhaltigen Heilungserfolg bei chronischen Krankheiten. Placeboeffekte sind per Definition alle positiven psychischen und körperlichen Reaktionen, die nicht auf die spezifische Wirksamkeit einer Behandlung zurückzuführen sind, sondern auf den psychosozialen Kontext der Behandlung. Allerdings ist gerade bei Verabreichung der homöopathischen Arznei über das Trinkwasser – wie es in der Nutztierpraxis üblich ist – die Aussage, „die Wirkung der Homöopathie beruhe auf der Zuwendung zum Patienten“, definitiv nicht haltbar. In der Massentierhaltung und auch zum Beispiel bei Intensivpatienten kann der Placebo-Effekt und Placebo-by-Proxy somit ausgeschlossen werden, da keine Patienten-Arzt/Tierarzt Interaktion stattfindet.
Falsch: Es ist kein wissenschaftlicher Beweis zur Wirksamkeit der Homöopathie vorhanden
Es gibt zahlreiche Studien der Evidenzstufe 1a und 1b, die das Gegenteil beweisen:
In einer randomisierten, Placebo-kontrollierten, doppelblinden Studie (CAMERLINK et al., 2010) zur homöopathischen Behandlung von durch das Bakterium Escherichia coli (E. coli) hervorgerufenem Durchfall bei Ferkeln konnte gezeigt werden, dass in der homöopathisch Gruppe signifikant weniger Ferkel an durch E. coli bedingtem Durchfall erkrankten (p = 0,0024).
Die Wirksamkeit homöopathischer Arzneien bei Menschen mit Sepsis wurde zudem von FRASS et al (2005) untersucht. Siebzig Patienten mit schwerer Sepsis erhielten auf der Intensivstation im Rahmen einer randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studie zusätzlich zur Standardtherapie eine homöopathische Arznei oder Placebo. Am Tag 180 war die Überlebensrate in der homöopathisch behandelten Gruppe statistisch signifikant höher als in der Placebogruppe (P = 0,043).
Individualisierte Homöopathie konnte auch in einer randomisierten, Placebo-kontrollierten, doppelblinden Studie bei Schlafstörungen eine signifikante Wirksamkeit gegenüber Placebo zeigen (p < 0,01) (MICHAEL et al., 2019).
Die rezente Metaanalyse von MATHIE u. CLAUSEN (2015) zeigte ebenfalls eine Evidenz für die Wirksamkeit der veterinärmedizinischen Homöopathie gegenüber Placebo (p = 0,01 für n = 15, pooled OR 1,69 (95% CI, 1,12 – 2,56) ), p = 0,02 for n = 2, pooled OR = 2.62 (95% CI, 1.13 to 6.05)).
Der rezente 2014 durchgeführte Review von MATHIE et al. inklusive Metaanalyse hat eine signifikante Wirksamkeit für individualisierte Homöopathie im Vergleich zu Placebo ergeben (OR = 1.53 for n = 22, (95% confidence interval (CI) 1.22 to 1.91), OR = 1.98 for n = 3 (95% CI 1.16 to 3.38).
Die therapeutische Wirksamkeit der Homöopathie in Abrede zu stellen und wissenschaftliche Fehlinformationen zu lancieren, obwohl die hierzu publizierte Evidenz für eine Wirksamkeit spricht, kann als Ausdruck einer Ignoranz oder einer bewussten Stimmungsmache gegen die Homöopathie angesehen werden (MATTHIESSEN et al, 2018).
Falsch: Kein labortechnisches Verfahren kann Wirkstoffe nachweisen
Auch diese Aussage entspricht nicht der Wahrheit. Die Wirkstoffe sind zwar in abgeschwächter Form vorhanden, es ist jedoch nicht richtig, zu behaupten, es wären gar keine nachweisbar. Chrikamane et. al (2012) bewiesen dies mit speziellen Untersuchungsmethoden, wie z.B mit dem Transmissionenelektronenmikroskop die Existenz von identifizierbaren Nanostrukturen. Dabei untersuchte er die Präsenz metallischer Wirkstoffe in Hochpotenzen (C30 und C200), wie sie für gewöhnlich in homöopathischen Arzneien vorhanden sind. Seitdem bestätigten auch zahlreiche weitere Studien diese Ergebnisse. Dabei wurden die unterschiedlichsten Untersuchungsmethoden angewendet. Zu diesen zählen unter anderem TEM, Scanning EM, Nanoparticle Tracking, DLS, Zeta potential, Selected Area Electron Diffraction, Energy Dispersive X-ray Spectroscopy, Inductively Coupled Plasma Mass Spectroscopy.
Homöopathische Arzneimittel werden zudem aus homöopathischen Ursubstanzen durch spezielle homöopathische Zubereitungsverfahren hergestellt. Das heißt, eine spezielle Technologie wird angewendet, die für die Entstehung von Nanostrukturen verantwortlich ist. Diese konnten von diesem indischen Forschungsteam analysiert werden.
Falsch: Laut Gesetzgebung müssen homöopathische Arzneimittel keinen Wirkstoff enthalten, um als Arzneimittel zu gelten
Homöopathische Arzneimittel sind behördlich geprüfte, apothekenpflichtige Arzneimittel, welche die gesetzlichen Anforderungen an eine hohe pharmazeutische Qualität und Unbedenklichkeit und damit Sicherheit erfüllen. Sie stehen entweder als Einzelmittel oder als Komplexmittel (Kombinationen verschiedenerer homöopathischer Zubereitungen) zur Verfügung. Homöopathische Einzelmittel und Komplexmittel können entweder zum Teil in der Selbstmedikation oder nach tier-/ärztlicher Verordnung angewendet werden.
Eine Vielfalt an gesetzlichen Vorgaben und Gremien auf nationaler österreichischer und europäischer Ebene sichert eine solide Grundlage der Herstellung, Abgabe und Anwendung von homöopathischen Arzneimitteln, welche eine wichtige Basis in den Therapieoptionen für Tier-/Ärzte und Patienten darstellen.
Homöopathische Arzneimittel sind nach § 1 Abs. 10 Arzneimittelgesetz alle Arzneimittel, die nach einem Europäischen Arzneibuch oder in Ermangelung dessen nach einem in den aktuellen offiziell gebräuchlichen Pharmakopöen der Vertragsparteien des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum beschriebenen homöopathischen Zubereitungsverfahren aus Substanzen hergestellt worden sind, die „homöopathische Ursubstanzen“ genannt werden.
In der europäischen Gesetzgebung werden homöopathische Arzneimittel im Rahmen der Direktive 2001/83/EC einheitlich reglementiert. Im österreichischen Recht wird dies im Arzneimittelgesetz entsprechend abgebildet. Demnach gibt es zugelassene homöopathische Arzneimittel nach §9b und registrierte homöopathische Arzneimittel nach §11.
International werden Richtlinien für homöopathische Arzneien von den Heads of Medicines Agencies, einem Netzwerk von Leitern der „National Competent Authorities“ (NCA), deren Organisationen für die Regulierung von Human- und Tierarzneimitteln im Europäischen Wirtschaftsraum zuständig sind, überprüft.
Heads of Medicines Agencies (HMA) kooperiert mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und der Europäischen Kommission beim Betrieb des europäischen Arzneimittel-Regulierungsnetzwerks.
Homöopathische Arzneimittel sind Arzneimittel, die rechtlich gesichert und deshalb apothekenpflichtig sein müssen!
Falsch: Die Pharmaindustrie hat durch Homöopathie eine 30 bis 36%ige Gewinnmarge – normal sind 20%.
Medizinische Kosten für homöopathische Behandlungen sind niedriger als für herkömmliche Medikamente. Zudem sind sie schonender und nebenwirkungsärmer. Die größte Kostenstudie EPI3 (6.379 Patienten) in Frankreich 2014 ergab: Patientenbetreuung von homoöpathisch arbeitenden praktischen Ärzten erbrachte global gesehen (Konsultationskosten und
Verschreibungen) eine Ersparnis von 20% (GRIMALDI-BENSOUDA et al, 2014).
Falsch: Homöopathische Ärzte verdienen bis zu 160 € mehr pro Patient
Ärzte und Tierärzte mit Zusatzausbildung Homöopathie führen – neben der klinischen Untersuchung und etwaigen weiterführenden Untersuchungen – eine vollständige Anamnese durch, die bis zu zwei Stunden in Anspruch nehmen kann. Konventionelle Medizin und Homöopathie werden je nach Notwendigkeit zum Wohle des Patienten angewendet. Zudem entspricht der Stundensatz homöopathisch behandelnder Ärzte dem normalen durchschnittlichen Ordinationsaufwand.
Behauptungen wie diese sind es, die den Stellenwert der Homöopathie ständig in Frage stellen und dafür sorgen, dass sich Mythen und Unwahrheiten so hartnäckig halten. Deshalb haben wir es uns zur Mission gemacht, konsequent über die Homöopathie aufzuklären und Falschmeldungen richtig zu stellen. Wie man uns dabei unterstützen kann, erfahrt ihr auf unserer Website.
Mehr Wissenswertes und wertvolle aktuelle Informationen zum Thema Homöopathie, aktuellen Studien und ihren Anwendungsgebieten sind übrigens ebenfalls auf unserer Website und unserem Blog zu finden. Auf unserer Facebook Seite veröffentlichen wir zudem tagesaktuelle News und Informationen rund um das Thema Homöopathie!
Quellen:
CAMERLINK, I., ELLINGER, L., BAKKER, E.J., LANTINGA, E.A. (2010): Homeopathy as replacement to antibiotics in the case of Escherichia coli diarrhea in neonatal piglets. Homeopathy 99: 57-62.
MATHIE, R. T., CLAUSEN, J. (2015): Veterinary homeopathy: meta-analysis of randomised placebo-controlled trials. Homeopathy 104: 3-8.
FRASS, M., LINKESCH, M., BANYAI, S., RESCH, G., DIELACHER, C., LÖBL, T., ENDLER, C., HAIDVOGEL, M., MUCHITSCH, I., SCHUSTER, E. (2005): Adjunctive homeopathic treatment in patients with severe sepsis: A randomized, double-blind, placebo-controlled trial in an intensive care unit. Homeopathy 94(2): 75-80.
MATHIE, R.T., LLOYD, S.M., LEGG, L.A., CLAUSEN, J., MOSS, S., DAVIDSON, J.R., FORD, I. (2014): Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis. Syst Rev 3: 142.
MATTHIESSEN, P. (2018): Homöopathie und intellektuelle Redlichkeit – Eine Stellungnahme. Deutsche Zeitschrift für Onkologie 50: 172-177.
GRIMALDI-BENSOUDA L., BÉGAUD, B., ROSSIGNOL, M., AVOUAC, B., LERT, F., ROUILLON, F., BÉNICHOU, J., MASSOL, J., DURU, G., MAGNIER, A.-M., ABENHAIM, L., GUILLEMOT, D. (2014): Management of upper respiratory tract infections by different medical practices, including homeopathy, and consumption of antibiotics in primary care: the EPI3 cohort study in France 2007-2008. PLoS One 9(3): e89990.
Prashant S. Chikramane, Dhrubajyoti Kalita, Akkihebbal K. Suresh, Shantaram G. Kane, Jayesh R. Bellare, 2012 Department of Chemical Engineering and Department of Biosciences and Bioengineering, Indian Institute of Technology (IIT) Bombay, Adi Shankaracharya Marg, Powai, Mumbai −400076, Maharashtra, India
Schon bei der Entdeckung der Homöopathie war bekannt, dass Menschen auf unendlich viele Reize unterschiedlich reagieren. Hahnemann listete 1805 mehr als 120 physikalische, chemische, ernährungsmäßige, soziale, psychische, krankhafte und klimatische Einflüsse auf, die auf uns einwirken und auf die jeder anders reagiert. Kranke sind besonders empfindlich auf Reize, was für die Medizin von großer Bedeutung ist.
Reiz und Regulation
Das Regulationssystem des Körpers reagiert individuell auf krankmachende und heilende Reize. Das ist der Grund, warum die meisten Krankheiten individuell unterschiedlich sind und Kranke auf Medikamente unterschiedlich reagieren. Die Homöopathie nutzt dieses individuelle Regulationsverhalten der Kranken. Denn homöopathische Arzneimittel sind therapeutische Reize, die ähnliche Wirkungen (Symptome) wie der individuelle regulatorische Zustand (Krankheit) haben. Dieser Reiz regt die Selbstheilung an.
Die Selbstheilung
Selbstheilung ist die natürliche Fähigkeit des Organismus, auf störende oder heilende Einflüsse durch autonome Regulation (Selbstregulation) zu reagieren. Auf diese Weise erhält eine große Vielfalt an Regulationsprozessen das Gleichgewicht aller Lebensfunktionen und damit die Gesundheit. Die therapeutische Anregung dieser „Autoregulation“ unterstützt die Heilung bei Krankheiten.
Professor Dieter Melchart hat 1993 an der Ludwigs-Maximilians-Universität in München die „Naturheilverfahren“ systematisch untersucht. Seiner Forschergruppe gelang eine wissenschaftliche Sensation: Sie entdeckten einen gemeinsamen „Wirkmechanismus“ aller Naturheilverfahren. „Natürliche“ Therapiemethoden nutzen die „natürlichen Fähigkeiten des Organismus zur Regulation, Anpassung, Regeneration und Abwehr“. Diese körpereigenen Prozesse werden als Autoregulation bezeichnet.
Das Autoregulationssystem
Die Autoregulation vernetzt die körperlichen, vegetativen, immunologischen, emotionalen und mentalen Ebenen des Menschen zu einem funktionellen „Autoregulationssystem“. Die Regulation erfolgt im autonomen (vegetativen) Nervensystem, Zentralnervensystem (Gehirn, Rückenmark) und Bindegewebe durch chemische und physikalische Prozesse. Im Autoregulationssystem sind alle Zellen, Gewebe, Organe, Gehirn, Körper und Psyche miteinander verbunden. Erst 20 Jahre später wurde in der Schulmedizin das PNEI System (Psycho-Neuro-Endokrino-Immun System) zur Erklärung der ganzheitlichen Zusammenhänge eingeführt.
Der Arzt Samuel Hahnemann hatte das Wirkprinzip der Homöopathie 1790 durch einen Selbstversuch mit Chinarinde entdeckt. In einer Literatursuche erkannte er, dass fast alle Arzneistoffe homöopathische Wirkungen haben: Arzneimittel zeigen an Gesunden Wirkungen, die sie an Kranken heilen können. Deshalb begann er, Kranke „homöopathisch“ zu behandeln.
Wie ging Samuel Hahnemann dabei vor?
Samuel Hahnemann beobachtete die Beschwerden jedes Patienten ganz genau und forschte anschließend in der Literatur, ob ein Arznei- oder Giftstoff ein ähnliches Beschwerdemuster an gesunden Menschen bewirkt. Dieser Arzneistoff oder geringe Mengen des Giftstoffs wurden als „homöopathisches Arzneimittel“ verordnet. Der Reiz einer ähnlichen Arznei regt die Selbstheilung an. Damit sind rasche Heilungen möglich. Allerdings beobachtete Hahnemann starke „Erstreaktionen“, wenn die homöopathische Arznei genau zum Krankheitsbild passte. Krankheitssymptome verstärken sich anfänglich als Reaktion des Organismus auf die Arznei, bevor die Heilung beginnt. Um die Intensität von Erstreaktionen zu verringern, verordnete Hahnemann immer kleinere Arzneimengen.
Verschüttelung und Verreibung
Die kleinste Arzneimenge war ein Tropfen einer Arzneilösung oder pflanzlichen Tinktur. Diese geringe Menge wirkte zu intensiv, wenn die Wirkung der Arznei genau zur Krankheit passte. Daher begann Hahnemann, Arzneilösungen schrittweise zu verdünnen. Er benutzte das in der Pharmazie übliche Verfahren der „Verdünnungsreihen“, um rasch und exakt hohe Verdünnungen herzustellen. Da er auch trübe Arzneilösungen verarbeitete, wurden die Verdünnungen intensiv geschüttelt, um homogene Lösungen zu erzeugen. So entstand die „Verschüttelung“ als pharmazeutisches Potenzierungsverfahren flüssiger Lösungen. Feste Arzneistoffe (Mineralien, Metalle) werden schrittweise mit Milchzucker verrieben. Nach wenigen Verreibungsschritten ist die Teilchengröße so gering, dass Verreibungen (Triturationen) flüssig weiter potenziert werden können.
Im 19. Jahrhundert waren „Kräfte“ = „Potenzen“ wissenschaftliche Begriffe für alles, was Wirkungen hat. Arzneimittel, Gifte, Infektionen, Magnetismus und psychische Einflüsse haben das „Potential“, Wirkungen auszulösen. Deshalb wurden sie als „Potenzen“ bezeichnet. Aus diesem historischen Grund sind homöopathische Arzneimittel „Potenzen“. „Potenzierung“ bedeutet historisch „Kraftentwicklung“. Damit ist die Entwicklung der homöopathischen Wirkeigenschaften gemeint, wenn eine Arznei durch wiederholte Schritte von Verdünnung und Verschüttelung oder Verreibung potenziert wird.
Arzneistoffe und Arzneiformen
Homöopathische Arzneimittel werden aus pflanzlichen und tierischen Rohstoffen, organischen und anorganischen Reinstoffen (Metalle, Nichtmetalle, Salze, Säuren, Mineralien), biologischen Präparaten und selten aus Medikamentenwirkstoffen, Pollen und Antigenen hergestellt. Die Rohstoffe werden gelöst, verrieben oder als alkoholische Urtinktur zubereitet. Die Potenzierung erfolgt im Verhältnis 1:10 (Dezimalpotenzierung, D-Potenzen), 1:100 (Centesimalpotenzierung, C-Potenzen) und 1:50.000 (LM- oder Q-Potenzen) pro Potenzierungsschritt. Homöopathische Arzneimittel werden als Globuli (Saccharose), Dilutionen (Tropfen) und Tabletten (Milchzucker) eingenommen. Weitere Arzneiformen sind Triturationen (Milchzucker-Verreibungen), Nasenspray, Augentropfen, Zäpfchen, Salben und Injektionsampullen.
Arzneimittelrecht – die heutige Herstellung
Homöopathische Arzneimittel sind keine reinen Verdünnungen: Wird ein Tropfen einer Arznei in einem großen Flüssigkeitsvolumen vermischt, geht die Arzneiwirkung verloren. Homöopathische Wirkungen entstehen nur durch das pharmazeutische Verfahren der Potenzierung. Auf jeden Verdünnungsschritt folgt eine mechanische Verarbeitung durch Verschüttelung oder Verreibung. Die dabei gebildeten homöopathischen Wirkeigenschaften sind nicht an Moleküle gebunden. Die Vorschriften zur Herstellung stammen aus dem Europäischen Arzneibuch und Arzneimittelgesetz. Die Europäische Kommission hat 2001 homöopathische Arzneimittel in den Kodex der Humanarzneimittel aufgenommen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO anerkennt Homöopathie, Ähnlichkeitsprinzip und Potenzierung und hat 2009 Vorschriften zur Qualitätssicherung homöopathischer Arzneimittel erlassen.
Die Suche nach dem Wirkmechanismus der Homöopathie begann 1790 mit dem Chinarindenversuch: Samuel Hahnemann wollte das Wirkprinzip der Chinarinde an sich selbst beobachten. Entgegen der Lehrmeinung, dass bittere Chinarinde durch Magenstärkung wirkt, erwartete er ein Fieber. Als „Fieber“ wurde damals die Erregung eines typischen Krankheitsmusters im Körper bezeichnet. Genau das erlebte Hahnemann nach Einnahmen von 15 Gramm Chinarinde, einer damals üblichen, therapeutischen Dosis: Er bekam Symptome, die er von der Malaria kannte. Das führte zur Entdeckung der Homöopathie.
Prüfung an Gesunden
Die Prüfung homöopathischer Arzneimittel an Gesunden liefert drei Erkenntnisse:
Die in der Medizin seit Hippokrates bekannte „Ähnlichkeitsregel“ gilt für alle Stoffe. Jede Substanz kann an Gesunden Symptome auslösen, die durch diese Substanz an Kranken geheilt werden können.
Homöopathische Wirkungen sind von Molekülen unabhängig. Arzneimittelprüfungen werden häufig mit der Potenz C30 durchgeführt. Darin sind keine nachweisbaren Moleküle des ursprünglichen Wirkstoffs mehr enthalten. Dennoch bewirken diese „Hochpotenzen“ vergleichbare Symptome wie stoffliche Mengen.
Gesunde Menschen reagieren auf homöopathische Arzneimittel, sie können Arzneimittelprüfungssymptome entwickeln. Das spricht für einen physiologischen Wirkmechanismus der Homöopathie.
Der Arzt und Forscher Dr. Michael Teut an der Charité Universitätsklinik Berlin und Hochschulambulanz für Naturheilkunde erklärte 2016 das Wirkprinzip der Homöopathie: „Die physiologische Basis des Simile-Prinzips liegt in der Anpassungs- und Regulationsfähigkeit des lebenden Organismus.“ Werden Kranke mit homöopathischen Arzneimitteln behandelt, reagiert der Organismus auf den Arzneireiz mit regulativen Prozessen, um die Gesundheit wiederherzustellen. Diese Regulationsfähigkeit des Organismus ist die medizinische Grundlage der Homöopathie.
Selbstheilung
Die natürliche Fähigkeit des Organismus, auf störende und heilende Reize regulativ zu reagieren, wird als „Selbstheilung“ bezeichnet. Die Nutzung der Selbstheilung ist das Wirkprinzip der Naturheilverfahren und Homöopathie. Der Vergleich verschiedener Simile-Prinzipien zeigt: Menschen reagieren auf Materie (Arzneimittel, Heilpflanzen, Medikamente, Gifte), Energie (physikalische Methoden) und Information (Psychologie, Psychotherapie) mit homöopathischen Reaktionen. Jeder dieser Reize kann an Gesunden Symptome auslösen, die derselbe Reiz an Kranken heilen kann.
Die Vielfalt dieser Simile-Wirkungen löst das Rätsel um den Wirkmechanismus der Homöopathie. Homöopathische Wirkungen sind keine stofflichen Wirkungen. Die homöopathische Arznei liefert nur den Reiz, auf den die Autoregulation homöopathisch reagieren kann. Die eigentliche Heilwirkung wird durch Selbstheilungsprozesse des Organismus erbracht.
Arzneiinformation
Was wirkt in homöopathischen Arzneimitteln? Der Grazer Biologe und Forscher Christian P. Endler hat 1996 sensationelle Antworten auf diese Frage gefunden. Moleküle bestehen nicht nur aus Chemie, sondern tragen auch eine physikalische „Molekül-Information“, die losgelöst von den Molekülen digital gespeichert werden kann. Versuchstiere reagieren auf diese digitalen Reize mit signifikanten Wirkungen. Die Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel wird durch Hitze und starke elektromagnetische Felder gelöscht. Die Gesamtheit dieser Befunde weist auf die Existenz einer physikalischen Arzneiinformation als Wirkprinzip homöopathischer Arzneimittel hin.
Biologische Wirkungen
Homöopathie wirkt an Menschen, Tieren und Pflanzen. Die biologischen Wirkungen homöopathischer Arzneimittel wurden in über 2.400 Experimenten untersucht. Bis zu 90% der Forschungsarbeiten zeigen positive Ergebnisse. Homöopathische Arzneimittel haben biochemische, elektromagnetische, genetische, molekularbiologische, nanophysikalische und neurophysiologische Wirkungen. Diese nachgewiesenen Wirkungen sprechen dafür, dass homöopathische Mittel vielfältige Funktionen im Organismus anregen.
Wirkweisen
Die Homöopathie wirkt durch Anregung der körpereigenen Selbstheilung. Deshalb kann die Homöopathie keinen „Wirkmechanismus“ haben. Nur pharmakologische Medikamente haben Wirkmechanismen. Naturheilverfahren und die Homöopathie haben keine „Mechanismen“, sondern nutzen natürliche Funktionen des Organismus.
Aufgrund der Vielfalt dieser Funktionen sollte der Begriff „Wirkmechanismus“ vermieden und von „Wirkweisen“ der Homöopathie gesprochen werden. So viele Funktionen, wie es im Menschen gibt, die durch homöopathische Arzneimittel angeregt werden, so viele Wirkweisen kann die Homöopathie haben.
Gesundheit ist mehr als nur das Fehlen von Krankheiten und Gebrechen – unter dem Begriff versteht man einen Zustand von vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehen. Aus diesem Grund sollten nicht alleine naturwissenschaftliche und medizinische Aspekte für eine konstruktive Diskussion betrachtet werden. Vielmehr ist es wünschenswert, dass auch psychologische, soziologische, ökonomische und ökologische Faktoren Berücksichtigung finden. Der Mensch sollte im Mittelpunkt stehen und ganzheitlich aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und behandelt werden. Dies entspricht auch der Gesundheitsdefinition der WHO (Weltgesundheitsbehörde).
Angriffe auf die Homöopathie
Kritische Diskussionen zu Themen wie Homöopathie und komplementären Behandlungsansätzen sind wünschenswert und notwendig, um Ansichten und Meinungen auszutauschen und im Dialog Übereinstimmungen erzielen zu können. Bei den gegenwärtigen Angriffen auf die Homöopathie scheint jedoch nicht der Mensch mit seinen Bedürfnissen im Fokus zu stehen. Es wirkt, als solle ein vermeintlicher Gegner geschlagen und die eigene Position gegenüber einem entgegengesetzten Standpunkt durchgesetzt und auf eine konstruktive Diskussion verzichtet werden.
Die Argumente, die für die Angriffe auf die Homöopathie genutzt werden, wirken weitgehend konstruiert: Es geht dabei nie inhaltlich um ein homöopathisches Arzneimittel. Von den Gegnern wird die Wirksamkeit der Homöopathie an sich nicht anerkannt, obwohl es zahlreiche Studien der Evidenzstufe 1a und 1b (beste Beweislage!) gibt, die eine therapeutische Wirksamkeit beweisen. Wird die Homöopathie in Frage gestellt, kann dies als Ignoranz oder bewusste Stimmungsmache angesehen werden, die das Ziel des kompletten Ausschlusses einer traditionellen Richtung der Medizin verfolgt – ein entweder-oder.
Die Bedeutung der integrativen Medizin für ein modernes Gesundheitssystem
Das Konzept der Integrativen Medizin umfasst eine begründete und nachvollziehbare Koexistenz von Paradigmen im Sinne unterschiedlicher Denk- und Praxisansätze. Seit einigen Jahrzehnten setzt sich weltweit die Erkenntnis durch, dass eine moderne Gesundheitsversorgung eine Integrative Medizin als Grundlage benötigt. Denn diese ermöglicht es Patienten mit einer Vielzahl an individuell unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden.
Dem Leitbild der Integrativen Medizin (Traditionelle Medizin und Schulmedizin) folgend, treten Parteilichkeiten zwischen den einzelnen Richtungen in den Hintergrund. Zugunsten einer Integration, durch die ein unvoreingenommenes Ausschauhalten nach den besten Therapieansätzen für den jeweiligen Patienten möglich wird. In einer solchen medizinischen Praxis, die sich auf die ganze Person fokussiert, spielt die Bedeutung der Beziehung zwischen Arzt und Patient eine besondere Rolle. Gestützt auf Evidenz und alle angemessenen Behandlungsmöglichkeiten, können auf diese Art und Weise die bestmöglichen Ergebnisse erzielt werden. Zum Wohle des Patienten.
Die Beziehung zwischen Arzt und Patienten
Ärzte mit der Zusatzausbildung Homöopathie führen mit ihren Patienten ausführliche Gespräche, um das richtige homöopathische Arzneimittel zu finden. Ein intensiver Informationsaustausch, Zeit und Zuwendung spielen bei der Interaktion zwischen behandelndem Arzt und Patienten eine bedeutsame Rolle. Je nachdem wie der Patient von Seiten des Arztes informiert wird, kann auch bei konventionellen Behandlungsansätzen die Häufigkeit des Auftretens von Nebenwirkungen beeinflusst werden.
Prof. Jütte erklärt in einer Stellungnahme der deutschen Bundesärztekammer: „Die Arzt-Patienten-Interaktion ist ganz zentral. Mit seinem Verhalten kann der Arzt ungemein viel erreichen – mit Empathie, Vertrauen und dem therapeutischen Setting. All das muss stimmen, damit der Arzt mit seiner Maßnahme – auch wenn sie noch so evidenzbasiert sein mag – Erfolg haben kann. […] Es kommt also nicht selten vor, dass eine Maßnahme mit geringerer Evidenz effektiver ist, weil die Umstände besser passen und der Gesamteffekt damit größer wird.“
Anwendung von konventioneller Medizin und Homöopathie
Eine homöopathische Behandlung von Patienten, ist in Österreich ausschließlich Ärzten vorbehalten. Zahlreiche Mediziner haben eine Zusatzausbildung in Homöopathie, erworben über ein Diplom der (Akademie der Ärzte – einer Tochterorganisation der) Österreichischen Ärztekammer. Die Anwendung von Homöopathie und konventioneller Medizin steht hierbei nicht im Widerspruch – vielmehr können sich hier beide Behandlungsansätze gegenseitig ergänzen. Für die integrativ arbeitenden Mediziner ist die Homöopathie eine wertvolle Erweiterung des Arbeitsspektrums der Ärzte.
Für eine patientengerechte Versorgung ist Homöopathie von großer Bedeutung. Aufgrund unterschiedlicher Ideologien einen Streit vom Zaun zu brechen, ist nicht im Sinne der Patienten. Polemisch geführte Debatten können im schlimmsten Fall zur Verunsicherung kranker Menschen führen, ihnen das Vertrauen nehmen und heilende Effekte in schadende Nocebo-Effekte umkehren. Dies kann durch die Ideologie mancher Ärzte, aber auch durch negative Berichterstattung der Medien eintreffen. Hier sollte lieber eine konstruktive Diskussion im Sinne des Patientenwohls geführt werden.
Bezüglich der Integrativen Medizin sollten alle Beteiligten die eigenen persönlichen und emotionalen Vorstellungen außen vor lassen. Sämtliche Blickwinkel zum Wohle aller Patienten, sowie eines modernen Gesundheitssystems, sollten sachlich berücksichtigt werden. Denn nur durch gemeinsamen medizinischen Fortschritt können Gesundheit und Wohlergehen gewahrt und der kranke Mensch in den Mittelpunkt gestellt werden.
Doktor Samuel Hahnemann entwickelte zu Anfang des 19. Jahrhunderts die Homöopathie. Diesem Teilgebiet der Medizin, welches sich mit der schonenden Heilung und Linderung von Beschwerden befasst, liegt ein anderes Krankheitsverständnis zugrunde, als der Allopathie – sprich der konventionellen Medizin. Eines der wichtigsten Merkmale der Homöopathie ist die gezielte Arzneimittelwahl mit Hilfe der Ähnlichkeitsregel. Um euch einen genaueren Einblick in dieses medizinische Gebiet zu verschaffen, haben wir die wichtigsten Begriffe in unserem kleinen Homöopathie Lexikon für euch zusammengefasst:
Ähnlichkeitsregel
Similia similibus curentur bedeutet, dass Ähnliches durch Ähnliches geheilt werden möge. Dies gilt als Grundprinzip der Homöopathie. Es besagt, dass ein Patient mit dem Arzneimittel behandelt werden soll, das in der Arzneimittelprüfung am Gesunden die Symptome hervorgerufen hat, an denen der Erkrankte leidet.
Arzneimittelprüfung
Für die Anwendung homöopathischer Arzneien ist die wichtigste Grundlage die Arzneimittelprüfung. Zu diesem Zweck nehmen gesunde Prüfer ein Mittel so lange ein, bis bei ihnen Symptome auftreten. Die Änderungen des Befindens werden nach dem Kopf-zu-Fuß-Schema notiert und für die Erstellung des Arzneimittelbildes ausgewertet.
Ausgangsstoffe
Homöopathische Arzneimittel werden aus pflanzlichen und tierischen Ausgangsstoffen, aus einem anorganischen oder organischen Ausgangsmaterial oder aus Nosoden, die aus sterilisierten Krankheitserregern gewonnen werden, hergestellt.
Darreichungsform
Arzneien aus der Homöopathie sind als Globuli, Tabletten, Dilutionen, Injektionslösungen, Tinkturen, sowie als Cremes, Gels oder Salben erhältlich.
Dilution
Gemeinhin versteht man unter Dilution die Verdünnung eines Stoffes. Dabei handelt es sich um die flüssige Darreichungsform eines homöopathischen Arzneimittels, dessen Trägerstoff meist ein hoch potenziertes Gemisch aus Wasser und Alkohol ist.
Einzelmittel
Enthält eine homöopathische Arznei nur einen Wirkstoff, so spricht man von einem Einzelmittel. Diese werden in der klassischen Homöopathie verwendet und gehören in die Hand eines ausgebildeten und erfahrenen homöopathischen Arztes, welcher bei dem Patienten eine Anamnese durchführt.
Komplexmittel
Kombinations- oder Komplexmittel sind Gemische aus verschiedenen Einzelmitteln, die miteinander kombiniert werden. Im Gegensatz zur klassischen Homöopathie werden sie nicht nach der Ähnlichkeitsregel verordnet, sondern wie pflanzliche oder konventionelle Arzneien per Indikation.
Erstreaktion
Bestehende Beschwerden können sich zu Beginn einer homöopathischen Therapie als Erstreaktion kurzzeitig verstärken oder aber alte verborgene Krankheitsanzeichen wieder aufflackern. Dies wird als positives Zeichen für die richtige Arzneimittelwahl angesehen, da sie aufzeigt, dass die jeweilige Arznei mit dem kranken Organismus in eine heilende Resonanz tritt.
Globuli
Was viele nicht wissen: der Begriff Globuli selbst, weist nicht automatisch auf eine homöopathische Arznei hin. „Globulus“ oder wie in der Mehrzahl „Globuli“, beschreibt einfach nur eine Kugel oder eben mehrere Kugeln. In der Homöopathie haben diese einen Durchmesser von wenigen Millimetern und bestehen aus Saccharose (Zucker). Ihre Runde Form ist ideal für die Einnahme sowie die Präparierung mit einer arzneilichen Lösung. Die Kügelchen werden gleichmäßig mit dem jeweiligen Wirkstoff betropft und unter ständiger Bewegung Luftgetrocknet. Erst die vorgeschriebene Verarbeitung nach dem homöopathischen Arzneibuch lässt ein Globuli zu einer homöopathischen Arznei werden, die dann den Namen der verwendeten Arzneisubstanz erhält.
Die gesetzlichen Standards bzgl. des Herstellungsprozesses, bei homöopathischen und herkömmlichen Arzneien unterscheiden sich in keiner Weise.
Krankheit
Als Ursache für Krankheit wird die verstimmte oder aus dem Lot geratene Lebenskraft angesehen. D.h. aus dem homöopathischen Verständnis heraus ist im Falle einer Krankheit immer der gesamte Mensch aus dem Gleichgewicht geraten und nie nur eine Struktur oder ein Organ. Werden Symptome nur lokal behandelt oder unterdrückt, neigen sie aus diesem Grund dazu sich zu verschieben und an anderen Orten wiederaufzutauchen. Homöopathie hilft dabei die Lebenskraft wieder ins Gleichgewicht zu setzen und die Selbstheilungskräfte des Organismus anzuregen.
Materia Medica
Die Arzneimittellehre aller bekannten homöopathischen Arzneimittel mit komplettem Arzneimittelbild wird als Materia Medica bezeichnet. Die erste Materia Medica wurde von Hahneman selbst erstellt. Weitere umfangreiche Arzneimittellehren entstanden bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts.
Potenzierung
Bei dieser Tinktur handelt es sich um eine flüssige homöopathische Arznei, die noch nicht verdünnt wurde. Ausgehend von dieser Urtinktur erfolgen die weiteren Potenzierungen.