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Wie werde ich Fachtierarzt für Veterinärhomöopathie?

Bevor sich ein Tierarzt „Fachtierarzt für Homöopathie“ nennen darf, muss er eine langjährige intensive Ausbildung absolvieren. Sie folgt genauen Richtlinien und umfasst sowohl Theorie als auch Praxis. Doch der Einsatz lohnt sich, denn die Homöopathie ist beliebt: Nicht nur in der Humanmedizin, auch in der Veterinärmedizin kommt sie immer häufiger zum Einsatz.

Die Liste der Themengebiete, die während der theoretischen Ausbildung durchgenommen werden muss, ist lang. Neben der Geschichte der Homöopathie und einem Überblick über die unterschiedlichen Strömungen umfasst die Einführung Grundlagenwissen. Dazu gehören die Ähnlichkeitsregel, die Arzneimittelprüfung, die homöopathische Pharmazie, die Potenzierung, das Arzneimittelbild, die Symptomklassifizierung und vieles mehr.

Theorieschwerpunkt: Methodik der Homöopathie

Bei der Methodik der Homöopathie ist das Inhaltsverzeichnis noch länger: Es beginnt – wie jede homöopathische Behandlung – mit der Anamnese und führt über die Hierarchisation der Symptome zu einer Anleitung, auf welchen Wegen der Homöopath die individuell passende homöopathische Arznei, das Simile finden kann. Akute, chronische und epidemische Erkrankungen in der Veterinärhomöopathie werden ebenfalls besprochen.

Einen weiteren großen Teil dieses Schwerpunktes bildet die Arzneimittellehre. Von den Prüfungskandidaten wird detailliertes Wissen über 45 Arzneimittel und Basiswissen über weitere 59 Arzneimittel verlangt. Die Arzneimittelbilder dieser Einzelmittel werden auch in verpflichtenden Arbeitskreisen erarbeitet. In diesen geht es zudem um das gemeinsame Erarbeiten wichtiger Literatur und um den Erfahrungsaustausch. Diese Arbeitskreise müssen von einem Fachtierarzt für Homöopathie geleitet werden und werden von der ÖGHM regelmäßig organisiert (zum Teil auch online). Die Ausbildung der EAVH, die mit dem Diplom abschließt, bietet eine ausgezeichnete Grundlage für den Fachtierarzt für Homöopathie. Es werden aber auch andere Kurse und Veranstaltungen von der ÖGVH anerkannt. Welche dazuzählen, ist der Ausbildungsrichtlinie zum Fachtierarzt zu entnehmen.

Ausbildung Fachtierarzt für Veterinärhomöopathie - © New Africa/stock.adobe.com
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Ausbildungsschwerpunkt: Praxis der Veterinärhomöopathie

Besonders wichtig ist die praktische Ausbildung zum Veterinärhomöopathen. Diese kann auf unterschiedlichen Wegen absolviert werden: Einerseits kann das praktische Wissen in einem mindestens dreijährigen Dienstverhältnis bei einem Fachtierarzt für Homöopathie gewonnen werden. Andererseits kann man es im Rahmen einer Supervision von 50 eigenen Fällen innerhalb von drei Jahren und der Teilnahme an einer 20-stündigen Lehrpraxis erwerben. In der Lehrpraxis wird das „Case Management“, welches die Anamnese, die Arzneifindung, die Folgeordination und theoretische, jedoch praxisrelevante Themen umfasst, behandelt.

Die Prüfung zum Fachtierarzt für Homöopathie

Bevor man zur Prüfung antreten kann, ist noch eine Hürde zu meistern: Das Verfassen einer Facharbeit zu einem Thema der veterinärmedizinischen Homöopathie. Diese Facharbeit muss allen wissenschaftlichen Kriterien entsprechen. Erst nach Absolvieren der theoretischen und praktischen Ausbildung sowie der positiven Beurteilung der Facharbeit, darf zur Prüfung angetreten werden. Zum Nachweis der praktischen Ausbildung sind der Anmeldung zur Prüfung zehn selbständig erarbeitete und gut dokumentierte, akute und chronische Fälle von mindestens zwei Tierarten beizufügen. Die Prüfung selbst besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Ersterer umfasst einen Fall, den der Prüfungskandidat analysieren und repertorisieren muss. Der mündliche Teil besteht aus Fragen zu Theorie und einem Fall aus der Praxis.

Die Ausbildung zum Fachtierarzt für Homöopathie ist zwar umfangreich, doch sie zahlt sich definitiv aus: Immer mehr Tierbesitzer wünschen sich eine homöopathische Behandlung ihrer Tiere. Außerdem wird die Homöopathie neben der Phytotherapie in der Bioverordnung der Europäischen Kommission für die biologische Nutztierhaltung sogar empfohlen. Eine Ausbildung zum Fachtierarzt für Homöopathie ist also eine gute Investition in die eigene Zukunft.

Die Ausbildungsrichtlinie zum Fachtierarzt für Homöopathie (Stand November 2016) kann bei der Österreichischen Tierärztekammer angefordert werden und enthält alle Details zur Ausbildung. Auch die Webseite der ÖGVH fasst die Anforderungen des Fachtierarztes zusammen.

Was hat es mit der Materia medica auf sich?

Textsammlungen, die sich mit der Wirkung von Heilmitteln befassen, wurden im historischen Kontext als „Materia medica“ bezeichnet. Im Laufe der Zeit wurde der Begriff allmählich durch „Arzneimittellehre“ oder „Pharmakopoe“ ersetzt. In der Homöopathie wird die Lehre aller bekannten homöopathischen Arzneimittel mit komplettem Arzneimittelbild nach wie vor als Materia medica bezeichnet. Die erste derartige Arzneimittellehre wurde von Hahnemann selbst erstellt.

Die Entdeckung der Ähnlichkeitsregel

Samuel Hahnemann (geb. 10.04.1755) war ein deutscher Arzt, Übersetzer und medizinischer Schriftsteller. Nach seiner Promotion eröffnete er eine Arztpraxis und absolvierte eine Ausbildung in praktischer Pharmazie in der Mohren-Apotheke in Dessau. Durch seine Tätigkeit als Übersetzer konnte Hahnemann sich ein beträchtliches medizinisches Wissen aneignen. Während der Übersetzung der Abhandlung „Materia medica“ des schottischen Mediziners William Cullen veränderte sich sein persönliches Verständnis von Medizin entscheidend.

Cullen beschreibt in seinem Werk, dass Chinarinde aufgrund ihrer magenstärkenden Eigenschaften Malaria heilen könne. Da Hahnemann diese Aussage bezweifelte, beschloss er einen Selbstversuch durchzuführen: Er nahm über einige Tage zweimal täglich Chinarinde ein und notierte die bei sich festgestellten Symptome. Hahnemann erkannte viele der aufgetretenen Krankheitszeichen wieder, da er selbst schon einmal an Malaria erkrankt gewesen war. Durch diesen Selbstversuch kam er zu dem Schluss, dass die Chinarinde Malaria deshalb heile, da sie bei einem Gesunden die Symptome hervorruft, an denen ein Erkrankter leidet. Das Grundprinzip der Homöopathie „Ähnliches mit Ähnlichem“ zu heilen (similia similibus curentur) wurde entdeckt.

Die wegweisende Arzneimittellehre Hahnemanns

In den folgenden Jahren führte der Arzt Hahnemann an sich, seinen Schülern und seiner Familie zahlreiche Arzneimittelprüfungen durch und hielt dabei jede körperliche oder psychische Reaktion akribisch fest. Die Ergebnisse seiner Forschungen veröffentlichte er 1796 in einer Fachzeitschrift und begründete dadurch die Homöopathie.

Eine Arzneimittelprüfung ist in der Homöopathie für die Anwendung der Arzneien die wichtigste Grundlage. Für eine solche Arzneimittelprüfung nehmen gesunde Prüfer ein Mittel so lange ein, bis bei ihnen Symptome auftreten. Die Änderungen des Befindens werden nach dem Kopf-zu-Fuß-Schema notiert und für die Erstellung eines Arzneimittelbildes ausgewertet.

Die homöopathische Materia medica

Die Lehre aller bekannten homöopathischen Arzneimittel mit komplettem Arzneimittelbild wird als Materia medica bezeichnet. Die erste Materia medica, die sechsbändige „Reine Arzneimittellehre“, wurde von Hahnemann selbst erstellt.

Es gibt verschiedene Typen von Materia medicae, die aber alle eine ähnliche Struktur aufweisen: Wie bei jedem anderen lexikalisch gegliederten Nachschlagewerk, werden die enthaltenen homöopathischen Mittel alphabetisch aufgelistet. Innerhalb einer Mittelbeschreibung folgt die Einteilung dem Kopf-zu-Fuß-Schema. Das heißt, dass zuerst Allgemeinsymptome und anschließend die psychischen und dann die organischen Symptome vom Kopf abwärts bis zu den Füßen beschrieben werden. Abschließend finden sich bei den Mittelbeschreibungen Angaben, die sich auf den Vergleich und die Wechselbeziehungen mit und zu anderen Mitteln beziehen. Die Modalitäten (Umwelteinflüsse, die sich verschlimmernd oder bessernd auf das Allgemeinbefinden oder den Krankheitsprozess auswirken) werden entweder bei den einzelnen Symptomen aufgeführt oder am Ende gesammelt dargestellt. Die Leitsymptome des Mittels werden häufig zu Beginn zusammenfassend aufgeführt.

Die homöopathische Materia Medica - © Andreas Angles/stock.adobe.com
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Wichtige Autoren bedeutender homöopathischer Arzneimittellehren sind, neben Samuel Hahnemann, William Boericke, John Henry Clarke, Constantin Hering, Julius Mezger, Timothy Field Allen, M. Dorcsi sowie F. Vermeulen.

Materia Medica und Repertorien

In der homöopathischen Literatur wird zwischen Materia medicae (Arzneimittellehren mit alphabetischer Auflistung) und Repertorien unterschieden. Als Repertorium wird ein Nachschlagwerk bezeichnet, das aus der homöopathischen Arzneimittellehre extrahiert wird.

Repertorien bilden eine wesentliche Grundlage für die Findung des geeigneten homöopathischen Arzneimittels. Diese Werke, die von verschiedenen Autoren oft in lebenslanger Arbeit erstellt wurden und werden, sind inhaltlich nach Symptomen geordnet – entweder alphabetisch oder nach dem Kopf-zu-Fuß-Schema. Die jeweils in Frage kommenden Mittel sind bei den Symptomen aufgelistet.

Durch Repertorisation können Hinweise auf einige in Frage kommende homöopathische Arzneimittel bei einer Beschwerde ermittelt werden. Um das individuell am besten geeignete Mittel eindeutig bestimmen zu können, wird im Anschluss die Materia medica benötigt. Denn nur in dieser sind die zu jedem Arzneimittel auffallenden Symptome sowie die Causa ausführlich beschrieben.

Samuel Hahnemann – Genialer Arzt, Forscher und Wissenschaftler

Seine Entdeckungen beeinflussten die Medizin im 18. Jahrhundert und seinem unermüdlichen Einsatz zum Wohle der Menschheit verdanken viele ihr Leben. Samuel Hahnemann, ein genialer Arzt Wissenschaftler und Forscher, heute auch bekannt als der Begründer der Homöopathie, setzte sich nachhaltig für neue Standards in der medizinischen Versorgung des 18. Jahrhunderts ein, von denen auch heute noch etliches Gültigkeit hat.

Christian Friedrich Samuel Hahnemann

Samuel Hahnemann war Arzt, Chemiker, Pharmazeut, Toxikologe, und mehrsprachiger Übersetzer medizinischer und chemischer Werke.  Er wurde 1755 in Meißen als Sohn eines Porzellanmalers geboren und obwohl er aus ärmlichen Verhältnissen stammte, durfte er aufgrund seiner Sprachbegabung die Meißner Fürstenschule besuchen, wo er 1775 das Reifezeugnis erhielt. Er studierte daraufhin Medizin in Leipzig, Wien und Erlangen und promovierte 1779. In Wien durfte er den Leibarzt der Kaiserin Maria Theresia, Joseph von  Quarin, bei Hausbesuchen begleiten. Quarin, der spätere Leiter des Allgemeinen Krankenhauses, wurde Hahnemanns bester, ärztlicher Lehrer und Freund. 1812 habilitierte Hahnemann sich an der Universität Leipzig und hielt Vorlesungen über Medizingeschichte und die von ihm entdeckte Homöopathie. Er war Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Gesellschaften und wurde 1822 zum Hofrat ernannt. Als Achtzigjähriger übersiedelte Hahnemann 1835 nach Paris und war bis zu seinem Tod 1843 mit seiner zweiten Frau Melanie ärztlich tätig.

Samuel Christian Friedrich Hahnemann - © Chivery/stock.adobe.com
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Genialer Forscher und Wissenschaftler

Die Medizin im 18. Jahrhundert bestand nur aus Theorie ohne Ausbildung am Krankenbett. Es gab keine wissenschaftlichen Grundlagen. Bakterien und Viren waren unbekannt, das Fieberthermometer noch nicht erfunden. Einziges Untersuchungsgerät war ein Hörrohr, mit dem man Bauch-, Herz- und Atemgeräusche abhören konnte. Hohe Dosen von Brech- und Abführmitteln, Einläufe, Aderlässe, Blutegel, Opium, Quecksilber und Mixturen wurden verabreicht. Viele Patienten wurden durch die Behandlung chronisch krank oder starben. Hahnemann prangerte diese Missstände mit starken Worten an. Er suchte nach einer verlässlichen Therapiemethode, um bei jeder Krankheit das richtige Arzneimittel zu finden und sicher zu wissen, dass die Arznei den Kranken heilen wird. Dabei entdeckte er 1790 das Wirkprinzip der Homöopathie, welches schon bei Hippokrates und bei Paracelsus angedeutet wurde: Arzneimittel zeigen an gesunden Menschen Wirkungen, die sie an Kranken heilen können. Hahnemann prüfte deshalb viele Arzneimittel an Gesunden und erkannte, dass jede Arznei ein typisches Beschwerdemuster verursacht. Dadurch kam er zu dem Schluss, dass ein Patient mit ähnlichem Krankheitsbild durch diese Arznei geheilt werden kann. 1796 stellte Hahnemann sein Therapieprinzip in einer umfangreichen wissenschaftlichen Veröffentlichung der medizinischen Fachwelt vor.

Innovativer Arzt

Hahnemann war seiner Zeit weit voraus: Als einer der ersten Ärzte  dokumentierte er – so, wie in Wien gelernt – die Beschwerden und Behandlungen seiner Patienten schriftlich. Zudem trat er für eine gewaltfreie Psychiatrie ein, betonte gesunde Ernährung und machte Vorschläge zur Hygiene in Wohnungen, Städten und sogar in Gefängnissen. Alle körperlichen und psychischen Störungen des Kranken sah er als ganzheitlichen Krankheitszustand an, den er homöopathisch behandelte. Hahnemann hat vier Bereiche der Homöopathie entdeckt:

  1. Die homöopathische Medizin zur Behandlung nach dem Ähnlichkeitsprinzip.
  2. Die Arzneimittelprüfung am Gesunden.
  3. Die pharmazeutische Herstellung homöopathischer Arzneimittel.
  4. Eine Theorie zur Erklärung der Homöopathie.

Alle diese Bereiche bewähren sich bis heute und die Erklärungen Hahnemanns stimmen mit dem modernen Wissen über Selbstheilung überein.

Rationale Homöopathie

Die Homöopathie Hahnemanns beruht auf genauer Beobachtung, wissenschaftlicher Gründlichkeit und ärztlicher Logik. Seine Hauptwerke umfassen 12 Bände und er gab auch ein Apothekerlexikon und ein gerichtsmedizinisches Lehrbuch über Arsenvergiftungen heraus. Hahnemann hat mit 27.000 Seiten in Büchern, wissenschaftlichen Arbeiten und Übersetzungen immens viel Literatur hinterlassen. Alle seine Schriften sind auch heute noch zugänglich. Als Originalarbeiten am Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung in Stuttgart oder als Nachdrucke in bekannten Medizinverlagen.

Rechtliche Unterschiede bei der Ausübung von Veterinärhomöopathie in Österreich, Deutschland und der Schweiz

Wie in der Humanhomöopathie unterscheiden sich auch die gesetzlichen Anforderungen bezüglich der Ausbildung, der Ausübung und dem Berufsstand der Veterinärhomöopathie gravierend zwischen Österreich, Deutschland und der Schweiz.

Ausübung von Veterinärhomöopathie in Österreich

In Österreich sollte die klassische Homöopathie für Tiere als Therapieform nur von speziell ausgebildeten Tierärzten angeboten werden, ist aber nicht nur diesen vorbehalten. Um sein Tier in der Behandlung durch entsprechend ausgebildete Tierärzte zu wissen, kann auf der Webseite der ÖGVH die Tierarztsuche zu Hilfe genommen werden. Diese mehrjährige Spezialausbildung (Fachtierarzt für Homöopathie, EAVH Diplom) dauert in Österreich fünf Jahre für den Fachtierarzt bzw. drei Jahre für das EAVH-Diplom und richtet sich an Tierärzte sowie Veterinärmedizinstudenten im letzten Studienabschnitt.

Der Beruf „Tierheilpraktiker“ bzw. dessen Ausübung ist in Österreich durch das Tierärztegesetz bzw. das Ausbildungsvorbehaltsgesetz nicht nur verboten, sondern auch strafbar. Auch wird die Tierheilpraktikerausbildung – z.B. in einer privaten Tierheilpraktikerschule wie es sie in Deutschland gibt – in Österreich nicht anerkannt. Jedoch existiert ein freies Gewerbe für „Hilfestellung zur Erreichung einer körperlichen bzw. energetischen Ausgewogenheit“. Bioresonanz, kinesiologische Methoden oder Magnetfeldanwendungen dürfen dann bei gesunden Tieren angewendet werden. Eine diagnostische oder therapeutische Tätigkeit (im Zusammenhang mit Krankheiten) ist all diesen Gewerben aber explizit verboten. Personen, die tatsächlich die Tätigkeiten eines Tierheilpraktikers ausüben, kranke Tiere behandeln und keine Tierärzte sind, machen sich in Österreich strafbar.

Für die Behandlung von Nutztieren gilt zudem, dass homöopathische Arzneimittel vom Tierarzt in die Unterlagen (Stallunterlagen/Dokumentation) bei Nutztieren eingetragen werden müssen.

Rechtliche Unterschiede: Ausübung Veterinärhomöopathie Österreich, Deutschland & Schweiz - © Barna Tanko/stock.adobe.com
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Rechtliche Grundlagen zur homöopathischen Behandlung von Tieren in Deutschland

Leider gibt es grundsätzlich keine Vorschriften, wer ein Tier in Deutschland homöopathisch behandeln darf. Darüber gibt es schon lange Diskussionen – bisher jedoch ohne Ergebnis. Jeder Tierarzt darf homöopathisch behandeln. Für die Behandlung von Nutztieren gilt, dass homöopathische Arzneimittel in die Unterlagen (Stallunterlagen/Dokumentation) bei Nutztieren eingetragen werden müssen, somit ist die homöopathische Behandlung von Nutztieren Tierärzten vorbehalten. Tierheilpraktiker dürfen zwar prinzipiell homöopathisch behandeln, dürfen aber homöopathische Arzneimittel nicht verkaufen. Das dürfen nur Tierärzte – denn auch nur diese haben eine Hausapotheke.

Tierärzte können in Deutschland eine Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ erlangen. Diese wird von den Landestierärztekammern vergeben. Die Kammern in Deutschland sind wie die politische Struktur föderal: So gibt es zwar eine Bundestierärztekammer (BTK), aber eben auch die Landestierärztekammern (LTKs), die die tatsächliche Arbeit vor Ort machen. Die Erlangung der Zusatzbezeichnung unterliegt den LTKs – somit unterscheiden sich die Anforderungen von Bundesland zu Bundesland. Generell werden 120 Fortbildungsstunden in anerkannten Fortbildungen gefordert. Bestimmte, humanmedizinische Kurse können zudem zu einem Teil angerechnet werden. Dazu muss der Prüfling Fälle (Lang- und Kurzzeit) vorlegen und eine Prüfung ablegen. Die Zusammensetzung der Prüfungskommission muss immer mindestens einen Kollegen mit Zusatzbezeichnung Homöopathie einschließen.  Für jede Zusatzbezeichnung muss man jährlich mind. 20 Fortbildungsstunden in diesem Fach extra nachweisen.

Bisher hat nur ein kleiner Teil der homöopathisch tätigen Tierärzte eine Zusatzbezeichnung. Nur, wenn man diese hat, darf man auf sein Schild „Homöopathie“ schreiben. Allerdings gibt es eine gesetzliche Lücke, aufgrund derer man auch ohne Zusatzbezeichnung „Tätigkeitsschwerpunkt Homöopathie oder Schwerpunkt Klassische Homöopathie“ schreiben kann. Dabei muss man aber auch nachweisen, dass klassische Homöopathie tatsächlich ein Tätigkeitsschwerpunkt ist.

Ausübung von Veterinärhomöopathie in der Schweiz

In der Schweiz gibt es keine explizite Regulierung zur Ausübung der Veterinärhomöopathie. Zudem steht die Ausübung der Berufe im Gesundheitswesen unter der Hoheit von 24 verschiedenen Kantonen, die – was die Komplementärmedizin betrifft – von ganz liberal (Null Regelung) bis Vorhandensein eines Veterinärgesetzes (mit entsprechender Verordnung) den Fokus ganz unterschiedlich setzen. Aber auch bei vorhandener, gesetzlicher Regelung gibt es in keinem Kanton ein Verbot für die Ausübung. Geregelt werden z.B. die Abgabeberechtigung von Arzneien oder Voraussetzungen für invasive Eingriffe, wozu das Setzen von Akupunkturnadeln zählen kann.

Der Beruf „Tierheilpraktiker“ hat durch den Verfassungsartikel „Komplementärmedizin“ (Volksabstimmung Mai 2009) eine gewisse Aufwertung erfahren. Im Humanbereich sind eidgenössisch anerkannte Berufe geschaffen worden. In der Tiermedizin steht v.a. aus Kostengründen ein solcher Schritt noch aus. Eine Berufsanerkennung könnte dazu führen, dass die Zusammenarbeit der verschiedenen Berufe besser geregelt würde – wie das im Humanbereich mit den verschiedensten Gesundheitsberufen eingeführt ist. Noch gibt es aktuell Novellierungen von kantonalen Gesundheitsgesetzen, in denen im Humanbereich eine ganze Zahl von bewilligungspflichtigen Berufen aufgelistet wird. Im Tierbereich wird aber einzig der Tierarzt genannt – der Passus „und andere Berufe im Tiergesundheitsbereich“ fehlt. Eine Ausarbeitung eines entsprechenden Textes ist vielen Kantonstierärzten zu mühsam. Die Folge ist, dass es keine Bewilligungspflicht mit definierten Anforderungen gibt und jedermann einen Tierheilberuf ausüben kann, solange er das Tierschutz-, Tierseuchen- oder Heilmittelgesetz nicht verletzt.

Die Weiterbildung der Tierärzte ist durch die Berufsorganisation geregelt, und es gibt einen entsprechenden Fähigkeitsausweis der Gesellschaft Schweizer Tierärzte. Die Tierheilpraktiker können als Ergänzung, aber auch als Konkurrenz zum Tierarzt wahrgenommen werden.

Rechtliche Unterschiede bei der Ausübung von Humanhomöopathie in Österreich, Deutschland und der Schweiz

Die Homöopathie gilt heutzutage in vielen Ländern als anerkannte, medizinische Heilmethode. Die rechtlichen Grundlagen unterscheiden sich in Österreich, Deutschland und der Schweiz, was Berufsstand, Ausbildung und die berufliche Ausübung betrifft, allerdings gravierend.

Ausübung von Humanhomöopathie in Österreich

In Österreich darf die Humanhomöopathie als Therapieform nur von speziell ausgebildeten Ärzten, Apothekern und Hebammen angeboten werden. Diese mehrjährige Spezialausbildung (ÖAK-Diplom Komplementäre Medizin „Homöopathie“) dauert in Österreich mindestens 3 Jahre, richtet sich an Ärzte, Apotheker, Hebammen und Medizinstudenten im letzten Studienabschnitt und schließt mit einer Prüfung ab.

Der Beruf „Heilpraktiker“ bzw. dessen Ausübung ist in Österreich durch das Ärztegesetz bzw. das Ausbildungsvorbehaltsgesetz nicht nur verboten, sondern auch strafbar. Auch wird die Heilpraktikerausbildung – z.B. in einer privaten Heilpraktikerschule wie es sie in Deutschland gibt – in Österreich nicht anerkannt. Jedoch existiert ein freies Gewerbe für „Hilfestellung zur Erreichung einer körperlichen bzw. energetischen Ausgewogenheit“. Bioresonanz, kinesiologische Methoden oder Magnetfeldanwendungen dürfen von diesen Hilfestellern angewendet werden. Eine diagnostische oder therapeutische Tätigkeit (im Zusammenhang mit Krankheiten) ist all diesen Gewerben aber explizit verboten.

Oftmals wird auch die Bezeichnung als „Spiritueller Heiler“ verwendet, um gesetzliche Regelungen zu umgehen. Eine Bezeichnung, die laut dem Obersten Gerichtshof eine Person beschreibt, die Patienten mit Gebeten, Handauflegen und rituellen Bewegungen behandelt, was eine Verletzung des Gesetzes mit sich bringt. Personen, die tatsächlich die Tätigkeiten eines Heilpraktikers ausüben und nicht Arzt sind bzw. diese Tätigkeiten nicht im Rahmen einer staatlich anerkannten religiösen Praxis ausüben, machen sich in Österreich strafbar.

Rechtliche Unterschiede: Ausübung Humanhomöopathie Österreich, Deutschland & Schweiz - © Utha51/stock.adobe.com
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Ausübung von Humanhomöopathie in Deutschland

2003 wurde Homöopathie als Zusatz-Weiterbildung auf dem Deutschen Ärztetag neu integriert. Voraussetzung zum Erwerb dieser Weiterbildung ist die Anerkennung als Facharzt. Diese Weiterbildung gliedert sich in 6 Monate Weiterbildung bei einem Weiterbildungsbefugten, oder 100 Stunden Fallseminare einschließlich Supervision, und 160 Stunden Kurs-Weiterbildung.

Die Ausbildung von Heilpraktikern ist dennoch bis heute gesetzlich nicht geregelt. Heilpraktikerschulen arbeiten weiterhin ohne staatliche Vorgaben und mit äußert unterschiedlichen Schwerpunkten und Stundenplänen. Einzig die Überprüfung des Gesundheitsamts und Grundkenntnisse über Bau und Funktion des menschlichen Körpers und medizinischer Gesetzeskunde gelten als Voraussetzung, um als Heilpraktiker tätig sein zu dürfen.

Einige Tätigkeiten sind Heilpraktikern in Deutschland per Gesetz allerdings verboten. Darunter fallen unter anderem die Behandlung von meldepflichtigen Infektionskrankheiten, sexuell übertragbaren Krankheiten, Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten, Geburtshilfe sowie die Verschreibung von Medikamenten oder Betäubungsmitteln. Operationen (z.B. das Behandeln von Knochenbrüchen), Blutabnahme oder gar die Leitung einer Klinik sind Heilpraktikern erlaubt, was bereits ihren großen Handlungsspielraum erkennen lässt.

Am Ärztetag, den 11. Mai 2018, in Erfurt, sprach sich die deutsche Ärzteschaft nun explizit für die ärztliche Zusatzbezeichnung Homöopathie aus. Anlass dazu war die Verabschiedung der überarbeiteten WBO (Muster-Weiterbildungsordnung) für Ärzte, welche Weiterbildungen in unterschiedlichen Facharzt- und Schwerpunktbereichen regelt. Auch die durch qualitativ hochwertige Studien belegte Wirksamkeit der Homöopathie leisteten einen entscheidenden Beitrag dazu.

Ausübung von Humanhomöopathie in der Schweiz

In der Schweiz spielt die Homöopathie erst seit relativ kurzer Zeit eine Rolle. Von 1999 bis 2005 wurde der Bereich zusammen mit weiteren alternativen Heilmethoden in den Leistungskatalog der Grundversicherung der Krankenkassen aufgenommen. Die Behandlung muss allerdings von einem Arzt verschrieben werden. 2009 wurde das Gebiet „Komplementärmedizin“ in der Bundesverfassung verankert.

Ärzte haben die Möglichkeit, einen von der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte anerkannten Fähigkeitsnachweis Homöopathie – eine höhere Fachprüfung für Naturheilpraktiker- zu erwerben. Ein in der gesamten Schweiz anerkannter und geschützter Titel, der neben der Fachrichtung Homöopathie u.a. auch traditionelle chinesische Medizin und Ayurveda beinhaltet. Die Ausbildung dauert zwei Jahre und setzt sich aus Seminaren und Supervision zusammen.

Seit Mai 2017 sind ärztliche Homöopathie und andere Therapiemethoden allen anderen medizinischen Verfahren in der Krankenversicherung und in der universitären Lehre gleichgestellt. Grund dafür war die Bestätigung, dass die Homöopathie die Kriterien der wissenschaftlich belegten Wirksam-, Zweckmäßig- und Wirtschaftlichkeit erfüllt, weshalb sie nun offiziell als legitime Heilmethode angesehen wird. Die Schweizer Regierung kündigte auch für die Zukunft eine positive Verschiebung hin zu komplementärmedizinischen Heilmethoden an.

Rechtliche Grundlagen der Homöopathie

Bevor ein Arzneimittel in Österreich auf den Markt gelangt, muss es zuerst eine Reihe von Bedingungen und Vorgaben erfüllen. Dies gilt ebenfalls für die rechtlichen Grundlagen der Homöopathie, sowie homöopathischer Arzneimittel. In diesem Beitrag erfahrt ihr, welche nationalen und europäischen Gesetze für den Verkauf homöopathischer Produkte gelten und wer diese verschreiben darf.

Was zählt als Arzneimittel?

Als Arzneimittel werden wirkende Stoffe bezeichnet, die gezielt dazu eingesetzt werden, um Krankheiten zu behandeln und zu lindern. Die genaue Wahl und Dosierung der jeweiligen Medizin obliegt sowohl bei der konventionellen Medizin als auch der Homöopathie fachkundigen Expert*innen. Sowohl die Zulassung der Arzneimittel als auch die Frage, wer diese verschreiben darf, wird gesetzlich reguliert.

Die europäische Harmonisierung

2001 hatte die EU alle bisherigen Richtlinien sowie die rechtlichen Grundlagen der Homöopathie, für die Regulation von Arzneimitteln, erstmals in einem gemeinsamen Kodex zusammengefasst. Dabei handelt es sich, für alle Aspekte der Humanmedizin, um die Richtlinie 2001/83/EG. Die Richtlinie wurde innerhalb von knapp 20 Jahren mehrfach novelliert, um sie an aktuelle Gegebenheiten anzupassen und wurde in allen EU-Mitgliedsstaaten in die nationale Arzneimittelgesetzgebung implementiert. Konkret regelt die Richtlinie die Herstellung, Zulassung, Kontrolle, die Einstufung der Verschreibungspflicht, Arzneimittelwerbung, Pharmakovigilanz, Großhandel, etc. von Medikamenten, welche auf dem EU-Markt verkauft werden sollen.

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Homöopathie im Gemeinschaftskodex

Die Artikel 13-16 der EU-Richtlinie beschreiben die Bestimmungen welche für homöopathische Arzneimittel gelten. Die EU empfiehlt den Mitgliedsländern darin für homöopathische Medikamente ein vereinfachtes Zulassungsverfahren zu verwenden. Dies liegt daran, dass an konventioneller Medizin orientierte Testverfahren oft nicht in der Lage sind die individuell abgestimmten Heilpotentiale homöopathischer Arzneien metrisch zu erfassen.

Die vereinfachten Regeln gelten aber nur für Produkte, welche einerseits nach traditionell homöopathischen Methoden hergestellt wurden. Das Ähnlichkeitsprinzip, die Arzneimittelprüfung und die Potenzierung müssen also korrekt durchgeführt und nachweislich eingehalten worden sein.

Andererseits darf bei den betroffenen Arzneimitteln weder im Namen noch auf dem Etikett oder der Gebrauchsanweisung eine spezifische heilende Wirkung versprochen werden. Alle darüber hinaus gehenden Bestimmungen unterliegen den einzelnen EU-Staaten selbst.

Homöopathische Arznei in Österreich

Die Richtlinien der Union bezüglich der Zulassung wurden im österreichischen Arzneimittelgesetz (AMG) weitgehend übernommen (siehe dazu u.a. §9b. und §11.). Bezüglich der Frage, ob homöopathische Behandlungen von der Krankenkasse bezahlt werden sollten, folgt Österreich jedoch einem stärker restriktiven Weg. Zuzahlungen sind hier nur in Fällen möglich, bei denen alle konventionellen medizinischen Möglichkeiten bereits erfolglos ausgeschöpft wurden oder eine eindeutige Verbesserung durch die Verwendung von integrativer Medizin erwartet wird.

Anders als in Deutschland, wo auch Heilpraktiker*innen Homöopathie praktizieren dürfen, ist dies in Österreich nur zugelassenen Ärzt*innen erlaubt. Dadurch soll sichergestellt werden, dass alle Expert*innen sowohl die Möglichkeiten als auch die Grenzen von konventioneller sowie integrativer Medizin zu kennen und den Patient*innen somit adäquat helfen können.

Für interessierte Ärzt*innen, Pharmazeut*innen und Hebammen gibt es inzwischen umfassende und professionelle Möglichkeiten zur Weiterbildung über die Vorteile der Homöopathie in ihrem jeweiligen Fachbereich.

Die Bestimmungen für Veterinärmedizin

Gleichzeitig mit der Harmonisierung der Humanmedizin wurde, durch die Richtlinie 2001/82/EG, auch die Veterinärmedizin auf EU-Ebene vereinheitlicht. Die meisten Bestimmungen der Richtlinie, welche ebenfalls rechtliche Grundlagen der Homöopathie beinhaltet, sind bis 2022 analog zu denen der Richtlinie für Humanmedizin. Auch in diesem Fall (siehe u.a. Artikel 16-20) wurde ein vereinfachtes Zulassungsverfahren für homöopathische Arzneimittel empfohlen.

Neben den Bestimmungen des AMGs wird die Umsetzung veterinärhomöopathischer Therapien in Österreich durch das Tierarzneimittelkontrollgesetz (TAKG) geregelt. Hier wird in §4- Artikel 6 festgehalten, dass ausgebildete Tierärzt*innen homöopathische Arzneispezialitäten als primäre Therapie bei kranken Tieren anwenden bzw. verschreiben dürfen.

Dies ist notwendig, da die EU-Bioverordnung 2018/848 auch nach Überarbeitung fordert, dass unter bestimmten Bedingungen „…, phytotherapeutische und homöopathische Präparate … chemisch-synthetischen allopathischen Tierarzneimitteln, einschließlich Antibiotika vorzuziehen, …“ sind. Dieser Gesetzestext ist gerade angesichts der globalen Bedrohung durch die Antibiotikaresistenzproblematik auch in Zukunft von großer Bedeutung.

Homöopathische Einzelarzneien ohne Anwendungsgebiet sind, egal ob sie beim Menschen oder Tier angewendet werden, hinsichtlich Qualität und Anwendung 100% ident, nicht zuletzt da sie individuell für jeden Patienten von homöopathischen Ärzten oder Tierärzten verschrieben werden.

Homöopathische Einzelarzneien ohne Anwendungsgebiet, die für die Anwendung am Menschen registriert sind stehen in Österreich und Deutschland für die klassisch – homöopathische Behandlung von Tieren zur Verfügung. Nur dadurch kann ein Therapienotstand verhindert, eine freie Therapiewahl gesichert und dem Wunsch der Bevölkerung nach homöopathischer Behandlung ihrer Tiere nachgekommen werden. Nähere Informationen über die genauen Anwendungsbereiche der Veterinärhomöopathie können hier nachgelesen werden.

Für interessierte Tierärzt*innen gibt es ebenfalls Möglichkeiten fundierte Fort- und Weiterbildungen im Bereich der Homöopathie in Anspruch zu nehmen.

Ab 28. Jänner 2022 tritt die Verordnung (EU) 2019/6 in Kraft, welche die bisherige Richtlinie 2001/82/EG für Veterinärmedizin verpflichtend ersetzen wird.

Mythen und Unwahrheiten rund um die Homöopathie

Um die Homöopathie ranken sich viele Mythen und Unwahrheiten. Sie entstehen allesamt aus Unwissenheit. Einige davon werden von Gegnern der Homöopathie immer wieder aufs Neue befeuert, ohne sich im Vorfeld damit auseinanderzusetzen. Befürworter der Homöopathie werden beschimpft und des Betrugs bezichtigt.

1) Homöopathie – eine Glaubensfrage?

Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass Homöopathie nur wirkt, wenn man an sie glaubt. Doch Homöopathie ist keine Religion! Glaube setzt immerhin Bewusstheit voraus. Dass dieses vorhanden war, kann in vielen Fällen, in denen eine homöopathische Behandlung wirksam war, nicht behauptet werden. So zum Beispiel bei Babys, Kleinkindern und Tieren. Sie haben keine Ahnung was Glaube überhaupt bedeutet. Wie also soll der Glaube an die Homöopathie hier Heilung bewirken?  Schlussendlich gibt es auch noch jene Patienten, die sich während der homöopathischen Behandlung in einem komatösen Zustand befanden. Wie soll das mit dem Glauben bei ihnen funktionieren? Sie wissen oft gar nicht, dass sie mit Globuli behandelt werden. Hier sei auch auf die Studien von Professor Dr. Michael Frass hingewiesen: Er belegt darin die Wirksamkeit einer homöopathischen Behandlung bei intensivmedizinisch betreuten und teilweise komatösen Patienten.

2) Intensive Zuwendung wirkt – nicht die Homöopathie

Entkräftet man den Mythos der Glaubensfrage kommt als Argument der Gegner sofort, dass in diesen Fällen die besonders intensive Zuwendung der Eltern bzw. des Tierhalters die Heilung bewirkt. Doch auch das ist Unsinn, denn in vielen Fällen wollen die Patienten – egal ob zwei- oder vierbeinig – gar keine Zuwendung oder es ist gar nicht möglich, ihnen diese zu geben (z.B. Massentierhaltung). Manche lehnen diese sogar ab, möchten in Ruhe gelassen werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn das Arzneimittel Arnica montana angezeigt ist. Wie also kann ein Verhalten wirksam sein, das eigentlich als unangenehm empfunden wird.

3) Hilft’s nichts, schadet’s nichts!

Homöopathische Einzelmittel müssen sorgfältig gewählt werden. Wenn das passende Arzneimittel gefunden wurde, stellt sich rasch eine positive Wirkung ein. Die Beschwerden lassen nach. Immer wieder wirkt aber auch erst die zweite oder dritte verabreichte Arznei. Dies beweist ebenfalls, dass die Wirkung von der Arznei abhängt und nicht vom Glauben daran. Nimmt man zudem wahllos homöopathische Arzneien ein, kann es zu störenden Folgen kommen. Es gibt außerdem homöopathische Arzneimittel, die sich gegenseitig beeinflussen. Die Wirkung kann verstärkt, geschwächt oder modifiziert werden. Aus diesem Grund ist es bei Komplexmitteln wichtig, dass die kombinierten Einzelmittel sorgfältig aufeinander abgestimmt werden. Sie werden von erfahrenen Homöopathen zusammengestellt. In diesem Sinne können homöopathische Arzneimittel sehr wohl Schaden anrichten. Außerdem kann es bei zu häufiger Anwendung zu einer unfreiwilligen Arzneimittelprüfung kommen. Das heißt, dass neue Beschwerden auftreten, die mit der eigentlichen Erkrankung nichts zu tun haben. Diesen Mechanismus machen sich Homöopathen zu Nutze, um das Wirkspektrum einer Arznei kennenzulernen. Übrigens: Auch herkömmliche Arzneimittel müssen nicht bei jedem Patienten (in gleicher Weise) wirken!

4) Globuli sind nur Zucker

Das ist nicht korrekt! Globuli selbst sind Saccharosekügelchen, die extra für den medizinischen Gebrauch hergestellt werden. Sie werden mit einer Dilution (Tropfen) in der gewünschten Potenz imprägniert. Bis zu einer C 12 oder D 23 Potenz ist dieser Wirkstoff nachweisbar.

5) Homöopathie ist, als ob man einen Tropfen in den Atlantik fallen lässt und eine Wirkung erwartet

Das ist Humbug! Der Skeptiker-Vergleich mit dem Atlantik bezieht sich ausschließlich auf Hochpotenzen. Doch 70 Prozent der verwendeten homöopathischen Arzneimittel sind Niedrigpotenzen. Das heißt, dass darin noch ein Wirkstoff feststellbar ist. Die Verschüttelung ist bei der Herstellung homöopathischer Arzneien zudem ein wichtiger Faktor. Daher stellt sich hier die Frage: Wie verschüttelt man einen Ozean?

6) Alles, was verdünnt und potenziert ist, ist Homöopathie

Auch das ist ein Mythos. Es gibt neben der klassischen Homöopathie noch einige andere Therapieformen, die mit verdünnten Arzneien arbeiten. So zum Beispiel die Bachblütentherapie, die Homotoxikologie oder die Isopathie. Sie unterscheiden sich jedoch maßgeblich von der Homöopathie. Das gilt sowohl für die Herstellung der verwendeten Arzneien als auch für ihre Anwendung.

Homöopathische Arzneimittel werden streng nach den Vorschriften des Homöopathischen Arzneibuchs (HAB) hergestellt. Auch die Anwendung der Arzneien folgt eigenen Vorschriften. So werden homöopathische Arzneimittel in der klassischen Homöopathie ausschließlich nach dem Ähnlichkeitsgesetz angewendet. Dabei werden sowohl körperliche Symptome als auch seelische Befindlichkeiten und vieles mehr berücksichtigt. Bei Bachblüten geht es in erster Linie um den Gemütszustand. Während Homöopathika Arzneimittel gemäß Arzneimittelgesetz sind, fallen Bachblütenessenzen übrigens unter das Lebensmittelgesetz.

Mythen und Unwahrheiten rund um die Homöopathie - © New Africa/stock.adobe.com
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7) Während einer homöopathischen Behandlung muss man Diät halten

Viele Menschen glauben, dass sie im Zuge einer homöopathischen Behandlung auf vieles verzichten müssen. So etwa auf Kaffee, Alkohol, Zwiebel, Knoblauch oder Gewürze. Natürlich spielen Ernährung und Lebenswandel auch in der Homöopathie eine Rolle. Hahnemann hat in seinem Hauptwerk „Organon der Heilkunst“ ebenfalls einige Speisen und Getränke angeführt, die der Heilung chronischer Erkrankungen seiner Meinung nach entgegenstehen. Doch es wird nicht ganz so heiß gegessen wie gekocht. Einige dieser Substanzen wie Zwiebel (Allium cepa), Kaffee (Coffea) oder Tabak (Nicotiana tabacum) werden auch als homöopathische Arzneimittel in potenzierter Form verwendet. Sie haben also eine Wirkung. Hat das Nahrungs- oder Genussmittel einen Bezug zur verordneten Arznei, kann das seine Wirkung beeinflussen. Ein zu viel an Kaffee (über vier Tassen pro Tag), übermäßiger Alkoholkonsum, Medikamente oder Nikotin, können das Regulationssystem sehr fordern. In diesen Fällen ist es möglich, dass die Arznei nicht optimal wirkt. Daher sollte Rücksprache mit dem behandelnden Homöopathen gehalten werden.

Eine homöopathische Behandlung bedeutet also nicht, dass man automatisch auf alles verzichten muss. Worauf, wenn überhaupt, wird individuell nach dem Krankheitsbild und dem verordneten Arzneimittel entschieden. Wichtigster Punkt für eine erfolgreiche homöopathische Behandlung ist die Wahl des richtigen Arzneimittels.

8) Homöopathie ist nur bei akuten, unkomplizierten Erkrankungen einsetzbar

Viele Menschen stoßen erst auf die Homöopathie, wenn die konventionelle Medizin an ihre Grenzen gerät. Das ist meist bei schweren und/oder chronischen Erkrankungen der Fall. So werden homöopathische Begleitbehandlungen erfolgreich in der Krebstherapie oder bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma angewendet. In chronischen Fällen ist auch in der Homöopathie Geduld gefragt. Eine Erkrankung, die bereits 10 oder 15 Jahre besteht kann nicht von heute auf morgen geheilt werden. Eine Verbesserung ist jedoch möglich.

Die Homöopathie ist also nicht nur bei akuten, unkomplizierten Erkrankungen, sondern auch bei chronischen Beschwerden erfolgreich einsetzbar.

9) Homöopathische Arzneien sind beliebig kombinierbar

Häufig wird angenommen, dass je ein Arzneimittel für bestimmte Beschwerden eingenommen werden muss. So zum Beispiel eines für jedes Erkältungssymptom: Halsschmerzen, stockender Schnupfen, bellender Husten. Das ist ein Irrtum. Gemäß dem Ähnlichkeitsprinzip wird nach dem Arzneimittel gesucht, das alle Symptome in sich vereint, also am ähnlichsten ist. Dabei werden nicht nur körperliche Symptome berücksichtigt, sondern auch seelische Befindlichkeiten, Vorlieben, Abneigungen und einiges mehr.

Die Einnahme mehrerer Arzneimittel könnte sogar schlechte Wirkung entfalten, denn homöopathische Arzneien können einander sowohl in positiver als auch in negativer Weise beeinflussen. Daher es wichtig, dass die Einzelmittel für Komplexmittel von erfahrenen Homöopathen sorgsam zusammengestellt werden.

Homöopathische Arzneien sind nicht beliebig kombinierbar!

10) Wenn die Arznei gut wirkt soll man sie sicherheitshalber länger einnehmen

Homöopathische Arzneimittel geben dem Körper einen Impuls, stärken so das körpereigne Immunsystem und somit die Selbstheilungskräfte. Jede Arzneigabe bedeutet, dass dem Organismus ein neuerlicher Impuls gegeben wird. Ist die Heilung einmal in Gang gekommen, d.h. bessern sich die Beschwerden, sollte die Einnahme eingestellt oder zumindest die Abstände zwischen den Einnahmen verlängert werden, bis eine neuerliche Arzneigabe erforderlich ist, um das Regulationssystem wiederum anzuregen. Das gilt vor allem für die Selbstmedikation. Chronische oder schwerwiegende Beschwerden sollten nur unter ärztlicher Aufsicht behandelt werden.

11) Es gibt keine evidenzbasierten Studien zur Homöopathie

Die Realität zeigt etwas völlig anderes: Es existieren bereits über 4.000 Studien und Experimente, die sich mit der Homöopathie befassen. Bei diesen Studien wurden selbstverständlich strenge Richtlinien eingehalten, um die Qualität der Studienergebnisse hoch zu halten. Unter dieser Übersicht können Interessierte sich einen Überblick verschaffen.

12) Homöopathie wirkt nicht besser als Placebo

Zu diesem Streitpunkt existieren ebenfalls mehrere hundert placebokontrollierte Doppelblindstudien, die das Gegenteil beweisen. Bei Säuglingen und Kleinkindern, bei chronisch Schwerkranken und Patienten auf der Intensivstation, aber auch bei Tieren konnten im Zuge dieser Studien Wirkungen nachgewiesen werden, die niemals durch einen Placebo-Effekt erklärt werden können.

Weiterführende Links:

https://www.hri-research.org/hri-research/how-do-homeopathic-medicines-work/

http://www.iavh.org/de/warum-homoeopathie/antimicrobial-resistance/#c706

http://www.iavh.org/de/fuer-tieraerzte/forschung/

Krankheit und Gesundheit aus homöopathischer Sicht

Der Homöopathie liegt ein grundsätzlich anderes Menschenbild zugrunde als der konventionellen Medizin. Sie erfasst den Menschen in seiner Gesamtheit, den Körper, den Geist und seine Emotionen. Gerade diese umfassende Perspektive macht sie allerdings so effektiv in der Heilung einer Krankheit.

Wann ist der Körper gesund?

Grundsätzlich besitzen alle Menschen eine sich selbst regulierende Lebenskraft und ein starkes Immunsystem, welches auch außergewöhnlichen Störfaktoren kurzweilig gut standhalten kann. So macht es gesunden Menschen wenig aus, extremen Temperaturen, Stress, Bakterien oder Viren ausgesetzt zu sein. Gesund sind Menschen, solange sich Körper, Geist und Seele in Einklang befinden und der Energiespeicher der Lebenskraft gefüllt ist. Dieser kann jedoch verbraucht werden, beispielsweise durch einen monotonen Lebensstil, ungesundes Essen oder einem sehr geringen Engagement für Körper und Geist. Ist die Lebenskraft gering, wird auch das Immunsystem schwach und man wird anfällig für Bakterien, Viren oder eine andere Krankheit.

Was heißt Krankheit in der Homöopathie?

Jede Krankheit nimmt ihren Ursprung im Inneren. Die dabei auftretenden Symptome sind lediglich sichtbare Warnsignale für die innere Disharmonie. Sie stellen die Reaktion des Körpers dar. Vor jeder physischen Krankheit gibt es also an erster Stelle eine dynamische Erkrankung, die den Organismus schwächt, denn nur so kann ein einzelner Auslöser zur Erkrankung führen. Dies kann auf jeder der verschiedenen Ebenen (mental, emotional und körperlich) des Menschen passieren. Sind die Abwehrkräfte des Körpers jedoch noch etwas intakt, so werden zum Schutz der höheren Ebenen sämtliche Erkrankungen auf die körperliche Ebene projiziert. Statt einer Depression bekommt man beispielsweise eine Blasenentzündung. Man unterscheidet dabei zwischen akuten und chronischen Erkrankungen, deren zugrundeliegendes Miasma, die dem Leben feindlich gesinnte Kraft, sich jeweils unterscheidet.

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Akute Krankheit

Bei schnellen Erkrankungsprozessen, die in relativ kurzer Zeit beendet sind, sei es durch den Tod oder die Heilung, spricht man von akuten Erkrankungen. Durch das vorübergehende Auflodern der latenten Psora, dem ersten Miasma, wird der Organismus anfällig für eine Erkrankung. Diese wird ausgelöst durch Schaden, dem der einzelne Mensch ausgesetzt war, beispielsweise Genussmittel wie Alkohol oder Nikotin, aber auch Entbehrungen, Erhitzungen, körperliche Strapazen, psychische Affekte oder auch spezielle klimatische oder geografische Verhältnisse. Unter Umständen kann es vorkommen, dass eine akute Krankheit, welche nicht ausgeheilt wurde und erneut zuschlägt, zu einer chronischen Erkrankung wird.

Chronische Krankheit

Diese werden durch widrige Ereignisse oder Verhältnisse im Leben ausgelöst. Das, hinter der Erkrankung steckende, chronische Miasma, basiert häufig auf Vererbung, kann jedoch auch als Folge einer Ansteckung auftreten. Chronische Krankheiten sind umso schwerer, je geschwächter die Lebenskraft bereits ist, beispielsweise durch Kummer, Gram oder Ähnlichem. Auch durch eine zweckwidrige Behandlung mit Medikamenten zur Unterdrückung, beziehungsweise Bekämpfung, von Symptomen, kann eine chronische Krankheit ausgelöst werden.

Das Konzept von Unterdrückung und Heilung

In der konventionellen Medizin werden Krankheiten nur an ihren Symptomen betrachtet. Demnach werden auch genau diese bekämpft, was leider oft zur Unterdrückung der eigentlichen Krankheit führt. Als Metapher kann man sich dabei das Bekämpfen von Unkraut vorstellen. Schneidet man dabei nur die Blätter ab, so wuchert das Unkraut immer mehr und schneller. Wesentlich effektiver ist es, die Wurzeln zu vernichten. In der konventionellen Medizin werden nur die sichtbaren Symptome und, bei chronischen Krankheiten, Lokalerkrankungen bekämpft, was dazu führt, dass die Krankheit von außen nach innen fortschreitet. In der Homöopathie findet eine dynamische Heilung, durch das Stimulieren des Immunsystems und dem Stärken der Lebenskraft, statt. Es wird der ganze Mensch in seiner zugrundeliegenden Konstitution behandelt – also nicht nur die Wurzeln entfernt, sondern auch der Boden genährt und gepflegt. So werden akute Krankheiten geheilt und verhindert, dass eine chronische Krankheit überhaupt erst entsteht. Das Gleichgewicht zwischen Körper, Geist und Seele ist damit wiederhergestellt – und somit auch das eigene Wohlbefinden und die Gesundheit.

Quellen:

Vgl.: Hundseder A. (2010): Gesundheit und Krankheit aus Homöopathischer Sicht. Kandern: Narayana Verlag Gmbh.

Initiativen der integrativen Medizin gegen Antibiotikaresistenzen: „One Health“ & „Our Health“

Seit den Neunzigerjahren werden im Grund- und Trinkwasser zunehmend mehr Antibiotika- und Pestizidrückstände, sowie multiresistente Keime festgestellt. Dies hat verheerende Folgen für Mensch und Tier: Allein im Jahr 2015 mussten 33.000 Menschen innerhalb der EU sterben, weil ihnen kein Antibiotikum helfen konnte. Verschiedene Initiativen auf internationaler und nationaler Ebene setzen sich nun für gesunde Lebensmittel und gesunde Böden zum Wohle der Tiere und Menschen ein. Eine gute Zusammenarbeit von komplementär- und konventionell-medizinischen Methoden ist hierbei enorm wichtig.

Der „European One Health Action Plan“ im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen

Der Aktionsplan der europäischen Kommission befasst sich seit 2017 mit der Problematik der Antibiotikaresistenzen und fordert mehr Forschung nach weiteren therapeutischen Optionen. Der WHO zufolge beschreibt die Initiative „One Health“ (auch „eine Gesundheit“) einen Ansatz zur Gestaltung und Umsetzung von Programmen, die auch im Rahmen von Politik, Gesetzgebung und Forschung tatsächlich realisiert werden. Ziel dabei ist die allgemeine Verbesserung der öffentlichen Gesundheit. Dafür notwendig sind Kommunikation, Koordination und Kollaboration aller beteiligten Sektoren auf Augenhöhe.

Initiativen der integrativen Medizin gegen Antibiotikaresistenzen - © nexusby/stock.adobe.com
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Netzwerk Traditionelle und Komplementärmedizin: Globale Initiative für traditionell medizinische Lösungsansätze gegen antimikrobielle Resistenz (GIFTS-AMR)

Im Sinne von „One Health“ setzt sich dieses internationale Forschungsprojekt aus 33 Experten verschiedener Länder zusammen. Es erforscht und bestätigt das Potential der Komplementärmedizin hinsichtlich der Reduktion der Anwendung von Antibiotika. Für Österreich forschen Prof. Dr. Peter Panhofer von der Sigmund-Freud-Universität, Ao.Univ.-Prof. Dr. Michael Frass vom Österreichischen Dachverband für Ärztliche Ganzheitsmedizin und Dr. Petra Weiermayer von der Österreichischen Gesellschaft für Veterinärmedizinische Homöopathie (ÖGVH) und der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (WissHom).

Europas Green Deal nur mit Komplementärmedizin

Was dieses Projekt erforscht und auch bereits bestätigt hat, hat auch die EU längst erkannt: Nur unter Einsatz von komplementärmedizinischen Methoden lässt sich eine wesentliche Problemlösung realisieren. Dadurch ergeben sich aus dem Europäischen Green Deal und seiner Teilstrategie „Farm2Fork“ oder der EU-Bio-Verordnung 2018/848 folgende konkrete Forderungen:

  • Reduktion des Antibiotikaeinsatzes EU-weit um 50 % bis 2030
  • Steigerung des Anteils der Biobetriebe in der EU von acht auf 25 % bis 2030
  • Gesetzliche Verpflichtung zur bevorzugten Nutzung von Homöopathie und Phytotherapie in Biobetrieben vor Einsatz konventioneller Medikamente inklusive Antibiotika

Auftakt der Initiative „Our Health“

Aber sind Biolebensmittel die einzige Lösung? Sind diese überhaupt für alle leistbar? Darüber, sowie über die Rolle der besseren Zusammenarbeit zwischen konventionellen und komplementären Methoden, diskutierten am 10. September Vertreter aus Politik, Medizin, Wirtschaft und Industrie am runden Tisch in der oberösterreichischen Multikraft-Zentrale.

Eine Plattform für Bewusstseinsbildung und Diskurs

Die Initiative „Our Health – gesunder Boden, gesundes Tier, gesunder Mensch“ hat sich zum Ziel gesetzt, eine Plattform für den konstruktiven, faktenbasierten Diskurs zwischen den unterschiedlichen Stakeholdern zu schaffen und in weiterer Folge gemeinsam Lösungsansätze in der Problematik der Antibiotika- und Pestizidrückstände im Grund- und Trinkwasser zu erarbeiten. Dabei können Experten verschiedenster Disziplinen miteinander in den Diskurs treten. Denn: „Ein gesunder Boden, gesunde Tiere und gesunde Menschen bewegen sich in einem Kreislauf, der nicht voneinander zu trennen ist“, so die Initiatoren Bernhard Zauner, Arzt für Allgemeinmedizin und Homöopathie und Lukas Hader, Geschäftsführer von Multikraft.

Erste Impulsvorträge und Diskussionsrunden

Eröffnet wurde die Veranstaltung vom oberösterreichischen Landesrat Stefan Kaineder und Karl Grabmayr, dem Vizepräsidenten der oberösterreichischen Landwirtschaftskammer. Es folgten Impulsvorträge unter anderem von: Petra Weiermayer, Fachtierärztin für Homöopathie und Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Veterinärmedizinische Homöopathie; Erfried Pichler, Arzt für Allgemeinmedizin; Michael Ridler, Fachtierarzt für Veterinärhomöopathie mit ÖTK-Diplom für Veterinär-Phytotherapie, sowie Maria Pein, Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer Steiermark. Im Anschluss widmete sich die erste Diskussionsrunde unter der Gesprächsleitung von „Land schafft Leben“-Obmann Hannes Royer dem Thema „Spannungsfeld Landwirtschaft und Konsument“. Ein weiteres Panel widmete sich unter der Leitung von Tierärztekammer Präsident Kurt Frühwirth schließlich auch dem Thema Antibiotikaresistenzen.

Das Ergebnis der ersten Diskurse: Eine Forderung nach besserer Vergütung der Landwirte

In einem Punkt herrschte bei allen Diskutierenden trotz unterschiedlicher Ansätze und politischer Positionen Einigkeit: Alle müssen gemeinsam an einem Strang ziehen, um die Landwirtschaft in Österreich voranzutreiben. Als einer der ersten Punkte kam dabei die Vergütung der Landwirte zur Sprache. Unabhängig von der landwirtschaftlichen Ausrichtung (biologisch, integrativ oder konventionell), braucht es eine entsprechende Entlohnung und dazu die passenden Preise, denn seit 1995 verdienen Österreichs Landwirte das Gleiche. Die Initiative „Our Health“ holt nun alle Beteiligten ins Gespräch und schafft es so, die kleinstrukturierte Landwirtschaft zu vereinen. Nur so kann die Gesundheit von Boden und Tier gefördert werden, was schlussendlich für eine gesunde Mahlzeit am Tisch jedes einzelnen sorgt.

Beide Initiativen zeigen auf nationaler, wie auf internationaler Ebene, die Bedeutung der Zusammenarbeit von konventionell- und komplementär-medizinischen Methoden im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen. Nur durch eine stetige Förderung dieser Zusammenarbeit, des Austauschs und der weiteren Forschung können Lösungen gefunden werden, welche die Gesundheit aller fördert, ganz im Sinne von „One Health“ und „ Our Health“.

Mehr dazu:

Humanhomöopathie in Österreich – Ausbildungswege für Ärzte, Apotheker und Hebammen

Die Humanhomöopathie ist hierzulande beliebt. Ein Großteil der Österreicherinnen und Österreicher wenden sie auch aktiv an. Diesem Umstand Rechnung tragend steht für Ärzte, Hebammen und Apotheker eine Homöopathie-Ausbildung auf EU-Niveau zur Verfügung. Die Zusatzausbildung Homöopathie erfordert zwar viel Einsatz, sie zahlt sich aber in jedem Fall aus.

Homöopathie in der Arztpraxis

Am umfangreichsten ist naturgemäß die Homöopathie-Ausbildung für Ärzte. Sie kann bei den beiden Ärztegesellschaften absolviert werden: Erstens der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin in Wien (ÖGHM) und zweitens bei der Ärztegesellschaft für Klassische Homöopathie (ÄKH) in Linz.

Die Ausbildung für Ärzte startet mit einem Einführungswochenende, an dem erste Schritte in Theorie und Praxis gelehrt werden. Auch die Möglichkeiten und Grenzen der Homöopathie werden bereits zu Beginn aufgezeigt. Da die Praxis einen großen Schwerpunkt in der Homöopathie-Ausbildung für Ärzte bildet, werden bereits am ersten Wochenende auch klinische Themen und Arzneimittelbilder besprochen. Ein besonderes Highlight im Lehrplan der ÖGHM ist eine Live-Anamnese oder ein Patientenvideo, welche bereits am ersten Wochenende stattfinden. Die gesamte Ausbildung dauert drei Jahre. Während dieser Zeit sind bei der ÖGHM auch vier Intensivkurse zu absolvieren. Dem Referententeam gehören Mediziner mit langjähriger Homöopathie-Erfahrung an.

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Den Abschluss bildet eine Prüfung. Bei erfolgreichem Bestehen dieses Kolloquiums wird von der Österreichischen Ärztekammer das Diplom Komplementäre Medizin Homöopathie verliehen. Für den gesamten Lehrgang werden 350 Bildungsstunden anerkannt.

Homöopathie rund um den Kreissaal

Hebammen dürfen in einem sehr begrenzten Umfang ebenfalls Patienten behandeln. Das Ausmaß ist im Hebammengesetz genau festgelegt. Für sie bietet die ÖGHM daher eine hochwertige Homöopathie-Ausbildung an, deren Lehrplan vom Hebammen-Gremium geprüft und bestätigt wurde. Sie findet an sieben Wochenenden statt und wird im Ausmaß von 75 Stunden vom Hebammen-Gremium anerkannt.

Neben den Grundlagen werden in der Homöopathie-Ausbildung für Hebammen von Beginn an praktische Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillen gelehrt. Auch auf die themenrelevanten Arzneimittelbilder wird selbstverständlich großer Wert gelegt. Am Ende erfolgt eine Prüfung.

Das Referententeam umfasst hierbei zwei Allgemeinmedizinerinnen, eine Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie eine Hebamme.

Homöopathie an der Tara

Apothekerinnen und Apotheker sind vor allem dann gefragt, wenn es um die Beratung rund um die Selbstmedikation geht. Nach den Grundlagen der Homöopathie liegt der Schwerpunkt daher auf akuten Erkrankungen. In zwei Pharmazieteilen werden zudem die Arzneimittelherstellung nach dem Homöopathischen Arzneibuch (HAB) und das Kunden-Gespräch an der Tara geübt. Arzneimittelbilder werden im gesamten Verlauf der Homöopathie-Ausbildung für Pharmazeuten gelehrt. Im Rahmen von zwei Arzneitagen wird das Arzneiwissen weiter vertieft. Am Ende der Ausbildung steht eine Prüfung. Dem Ausbildungsteam gehören neben Medizinern auch drei Pharmazeutinnen mit langjähriger Erfahrung an.

Insgesamt dauert die Ausbildung 126 Stunden. Diese werden von der Österreichischen Apothekerkammer für den Weiterbildungsbereich „Naturheilkunde und Homöopathie“ im gesamten Ausmaß anerkannt.

Der mündige Patient fordert heute aktiv naturheilkundliche Therapieansätze. Er möchte nicht mehr unkontrolliert Chemie schlucken. Immer dort wo es geht, möchte er durch sanftere und vor allem nebenwirkungsarme Methoden Besserung oder Heilung finden. Eine Homöopathie-Ausbildung zahlt sich daher aus.